Akustische Täuschungen

DJ

Ohr und Gehirn spielen uns oft Streiche. Neben den bekannten optischen Täuschungen gibt es auch die weniger bekannten akustischen Täuschungen.

Meeresrauschen in der Muschel

Die wohl bekannteste akustische Täuschung ist das Rauschen des Meeres in der Muschel: Wenn man das Ohr an eine große Muschel hält, hört man scheinbar das Meer rauschen.

Eine hübsche Idee und eine schöne Illusion! Abgesehen davon, dass es sich bei den Objekten nicht um Muscheln sondern um Schneckengehäuse handelt, ist das leider eine akustische Täuschung, denn was man in Wahrheit hört, ist lediglich die Verstärkung ständig vorhandener Umweltgeräusche (Wind, Wasser, Blätterrauschen, Fahrzeuggeräusche oder technische Geräusche). Der gleiche Effekt kann mit vielen anderen Hohlkörpern erzielt werden, mit Konservendosen, Gläsern oder auch mit der hohlen Hand. Einerseits schirmt das Schneckengehäuse das Ohr von einem Großteil der vorhandenen Umweltgeräusche ab, so dass nur bestimme Geräusche ans Ohr gelangen. Das Gehirn kann sich nun besser auf diese konzentrieren. Andererseits werden die Töne, welche im Resonanzbereich der im Schneckengehäuse enthaltenen Luft (Luftsäule) liegen, verstärkt und deutlicher hörbar gemacht.
Da die in den Gehäusen enthaltene Luft jeweils eine durch Größe und Form bestimmte, individuelle und charakteristische Eigenschwingung aufweist, »produziert« auch jedes Schneckengehäuse sein eigenes individuelles Rauschen.

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Welche Sprache ist das?

Hier nun ein sehr interessantes Phänomen:
Bitte hören Sie eine der folgenden Sound-Dateien ab und entscheiden Sie, in welcher Sprache hier gesprochen wird. Ist es niederländisch, dänisch, finnisch oder gar isländisch?

Button: Sound-Datei Sound-Datei 1: Welche Sprache? (wav 1.3M)

Button: Sound-Datei Sound-Datei 1: Welche Sprache? (mp3 124K)

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Unendlich steigend: der Shepard-Effekt

unmögliche Treppe

Eine weitere bekannte akustische Täuschung ist die von dem amerikanischen Psychologen R. Shepard angegebene Tonfolge, die Zuhörern eine ständig steigende (oder fallende) Melodie vortäuscht, obwohl in Wirklichkeit der letzte Ton mit dem ersten identisch ist, so wie hier grafisch umgesetzt. Die Illusion ist unglaublich perfekt, und der Effekt ist hörenswert:

Button: Sound-Datei Sound-Datei 2: Shepard-Tonleiter (wav 59K)

Button: Sound-Datei Sound-Datei 2: Shepard-Tonleiter (mp3 475K)

Das nächste Beispiel ist ebenfalls eine Shepard-Tonleiter und hört sich eigentlich unspektakulär an. Bedenkt man jedoch, dass der letzte Ton wieder auf der gleichen Tonhöhe liegt wie der erste, kann man es kaum glauben, so verblüffend klingt dieses Beispiel.

Button: Sound-Datei Sound-Datei 3: Shepard-Tonleiter (wav 54K)

Button: Sound-Datei Sound-Datei 3: Shepard-Tonleiter (mp3 108K)

Probieren Sie es selbst:
Singen Sie die Tonreihe mit, dann merken Sie ganz klar, dass die Melodie um eine Oktave ansteigt. Halten Sie jedoch den ersten Ton an, werden Sie feststellen, dass der letzte Ton mit dem von Ihnen angehaltenen ersten identisch ist.

Der kontinuierliche Shepard-Effekt findet sich übrigens auch als Choreinlage ganz am Ende des über 20-minütigen Liedes »Echoes« auf der Pink Floyd LP »Meddle« aus dem Jahre 1971.

Vielen Dank an Atanasios Mitropoulos für diesen Hinweis!

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Immer nach unten: der Risset-Effekt

Das Prinzip der akustischen Täuschung ist das gleiche wie beim Sheperd-Effekt, jedoch mit einer ununterbrochenen Tonfolge abwärts - ein noch reizvollerer Effekt. Der Algorithmus, der als Basis diesem Effekt zu Grunde liegt, wurde von Risset entdeckt und entwickelt.

Button: Sound-Datei Sound-Datei 4: Risset-Effekt (wav 60K)

Button: Sound-Datei Sound-Datei 4: Risset-Effekt (mp3 480K)

Quelle:
die *.wav-Dateien des Sheperd- und Risset-Effektes stammen (mit freundlicher Genehmigung zur Veröffentlichung - vielen Dank!) von Jochen Leberecht (http://www.neander-regiert.de) nach Beispielen der Acoustical Society of America.

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Deutscher Text bei Pink Floyd?

Ein weiteres Beispiel für akustische Illusionen sind die angeblich geheimen Botschaften auf mancher Schallplatte, wenn diese rückwärts abgespielt werden. Doch davon soll hier nicht die Rede sein.
Einen scheinbar versteckten Text findet man auch auf einer ganz normal abgespielten CD der Musikgruppe Pink Floyd. Diese hat 1979 das Album »The Wall« - in englischer Sprache, versteht sich - aufgenommen. Aber bei genauem Hinhören singt der Kinderchor in dem Stück »Another brick in thewall« an mehren Stellen scheinbar einen deutschen Text und zwar »Hol ihn, hol ihn unter's Dach«.

Die genaue Sequenz ist zu hören auf Pink Floyd: »The Wall«
Track 5: »Another brick in the wall Part II«
Zeitindex: 1:50 bis 2:07

Probieren Sie es einmal selbst aus:
Legen Sie diese CD ein und achten Sie auf den Text!

Filmklappe Hier auf Youtube.

Haben sich die Musiker hier einen Scherz erlaubt, wollten sie speziell ihren deutschen Fans etwas mitteilen oder ist diese Stelle vielleicht von TontechnikerInnn heimlich manipuliert worden?

Quelle:
Quarks & Co. (wdr)

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Weitere »Verhörer«

Nahezu jeder hat schon einmal ein Lied gehört und einzelne Passagen desselben »missverstanden«. Das passiert bei Liedern in der eigenen Sprache (z.B. Katja Ebstein: »Das war der Stern von Mückenloch«) genauso wie bei Liedgut aus dem anglo-amerikanischen Sprachraum. Da gab es beispielsweise diese Frau, die bei Rod Stewarts' »Waltzing Mathilda« immer »God save the children« verstand und stets beim Hören des Liedes vor Rührung den Tränen nahe war.
Oder auch der Mann, der bei der Textstelle »I believe in miracles« des Liedes »You sexy Thing« von Hot Chocolate mit schöner Regelmäßigkeit »I believe in Malcolm« verstand und sich fragte, was dieser Malcolm überhaupt in dem Lied zu suchen hat und ob er wirklich so »sexy« sei.
A propos »miracle«:
Pat Metheny's Song »This is not America«, gesungen beispielsweise auch von David Bowie wurde ebenfalls des öfteren als »This is not a miracle« wahrgenommen, was ja auch kein Wunder ist ;-)
The Twins sangen in den 80ern vom »Ballet Dancer«, welcher in einigen Ohren auf wundersame Weise zum »Belly Dancer« mutierte.
Missverstanden anglisiert wurde auch schon Zuccheros »Senza una donna«als »Sense of Madonna«.
In Herbert Grönemeyers Song »Männer« gibt es ebenfalls einige Stellen, welche Ohr und Hirn verwirren können:
Männer heben den Arm (Männer nehmen in den Arm)
Männer geh'n gern ans Telefon (Männer lügen am Telefon)
Männer bestechen durch ihr Geld und ihre Lässigkeit (Männer bestechen durch Entgelt und ihre Lässigkeit)

Dem »Agathe Bauer«-EffektI've got the power«) wurden sogar eigene Hörfunk-Kolumnen eingerichtet.
Sogar eine ganze Geschichte wurde bereits daraus gemacht.

Viele weitere wunderbare Beispiele solcher klassischen Verhörer finden sich in den Büchern von Axel Hacke und Michael Sowa: »Der weiße Neger Wumbaba«, »Der weiße Neger Wumbaba kehrt zurück« und Wumbabas Vermächtnis.

Hier noch einige Linktipps mit Hörbeispielen:
https://www.wisst-ihr-noch.de/90er/musik-90er/agathe-bauer-anneliese-braun-die-16-absolut-geilsten-songverhoerer-30684/
https://www.amazona.de/community/die-25-besten-songverhoerer/
https://www.radiohamburg.de/Musik/Allgemein/2018/Juli/Die-besten-Songverhoerer
https://www.104.6rtl.com/comedys/die-agathe-bauer-songs/agathe-bauer-songs-id153925.html
https://wissenschaft3000.wordpress.com/2018/10/14/die-100-besten-songverhoerer/

Wer des Englischen mächtig ist, hat auf dieser Webseite, die sich nur mit solchen »Verhörern« befasst, eine Menge zu entdecken:
http://www.kissthisguy.com/

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Stereophonie

Der Umgang mit mp3-Playern und iPods, aber auch mit mehr oder weniger teueren Stereoanlagen zu Hause ist für uns so alltäglich, dass wir im allgemeinen keinen Gedanken daran verschwenden, mit welcher akustischen Illusion wir es bei der Stereophonie zu tun haben. Dabei werden so genannte Phantomschallquellen erzeugt.
Unter Ausnutzung der Tatsache, dass der Mensch mit zwei Ohren hört und sein Gehirn aus dem vorgegebenen akustischen Signal der Stereo-Lautsprecher den Ort des Ursprungssignals rekonstruieren kann, ist es möglich, mit nur zwei Kanälen einen räumlichen Klang zu erzielen. Durch Vergrößerung der Basisbreiten entsteht der Eindruck, der Schall käme von außerhalb des Aufstellungsbereiches der Lautsprecher. Durch eine Erhöhung der Anzahl der Kanäle kann der Stereoeindruck verbessert werden, unter anderem durch die damit einhergehende Vergrößerung des so genannten »Sweet Spots« d.h. des Standortes, an dem der optimale Umgebungsklang gehört wird. Die Weiterentwicklung dieser akustischen Illusion kennen wir alle als 3D-Sound oder »Surround-Effekt«.

Quelle:
Wikipedia, die freie Enzyklopädie

Die folgende akustisch-räumliche Erfahrung sollten Sie unbedingt mit aufgesetztem Kopfhörer erleben:
Filmklappe Hören Sie sich den virtuellen Haarschnitt an!

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Der McGurk-Effekt

Während ihrer Forschungen über die Wahrnehmung bei Kleinkindern entdeckte der Entwicklungspsychologe Harry McGurk zusammen mit seinen Mitarbeitern an der University of Surrey bei Guildford Mitte der 1970er Jahre zufällig einen höchst interessanten Effekt, welcher in der Interaktion von gleichzeitiger auditiver und visueller Information bei der Wahrnehmung gesprochener Sprache beobachtet werden konnte.

Wenn Sie diesen Effekt selbst erleben möchten, lesen Sie jetzt bitte nicht weiter, sondern sehen sich zunächst Martin Kiechle im folgenden Videobeispiel an. Danach lassen Sie diese Aufnahme noch einmal ablaufen, schließen aber dabei die Augen, so dass Sie nur die akustischen Reize empfangen.

Filmklappe Video: Martin Kiechle präsentiert den Mc-Gurk Effekt auf Youtube

Mit der großen Wahrscheinlichkeit von 98% haben Sie beim ersten Mal (Sehen UND Hören) Martin Kiechle »la-la« sagen hören, beim zweiten Mal aber »bla-bla«. Tatsächlich zeigen beide Videoaufnahmen die Bildung von »la« bzw. »bla«. Schauen Sie sie ruhig noch einmal (oder auch ohne Ton) an. Die zur zweiten Aufnahme gehörende Tonspur wurde jedoch manipuliert und zeitgenau durch die erste Audioaufnahme mit »la-la« ersetzt. Sie erleben hier die Beeinflussung der Wahrnehmung eines akustischen Sprachsignals durch die gleichzeitige Beobachtung einer Lippenbewegung bzw. unbewusstes Lippenlesen. McGurk schloss daraus, dass bei der Sprachverarbeitung auch Signale anderer Sinnesmodalitäten für das Sprachverstehen genutzt werden. Unsere Erfahrung hat uns gelehrt, dass es einen direkten Zusammenhang zwischen Lippenbewegung und Lauten geben muss. Aufgrund dessen beeinflusst die visuelle Information der Lippenbewegung die zentrale Verarbeitung der gehörten Phoneme (Spracheinheiten). Liegen - wie bei diesem Beispiel -  widersprüchliche Sinneseindrücke vor, kombiniert und korrigiert unser Sprachzentrum diese Informationen und setzt sie zu einem neuen (und für das Gehirn plausiblen) Eindruck zusammen.

Quelle:
Wikipedia, die freie Enzyklopädie

Filmklappe Hier noch einmal ein anderes schönes Beispiel mit (leider nur englischer) Erklärung.

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Sprechen oder Singen?

Diana Deutsch, eine englische Psychologin, die in San Diego lehrt, erforscht u.a. die Wahrnehmung und das Gedächtnis für Klänge, und Musik. Bekannt wurde sie durch Veröffentlichungen über akustische Täuschungen und Paradoxien. Ihre Webseite http://philomel.com ist einen Besuch wert. Von ihr stammen die beiden nächsten Beispiele akustischer Illusionen. Um den Effekt voll auszukosten, soll jetzt gar nicht viel verraten werden.

Button: Sound-Datei
Clicken Sie auf den hier angegebenen Link und danach auf »Track 22«
. Sie hören eine kurze englisch gesprochene Erklärung. Der Mittelteil dieser Erklärung wird danach mehrere Male wiederholt. Achten Sie einmal darauf, was dann passiert. Ganz interessant wird es, wenn Sie danach nochmals den kompletten Titel »Track 22« abspielen. Wie hört sich die gesprochene Erklärung plötzlich an?

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Phantomwörter

Im zweiten Beispiel gibt Diana Deutsch uns ein gleichmäßig wiederholtes akustisches Ereignis vor und unser Gehirn ist sofort bereit, in diesem Geräusch Worte zu entdecken, die dem Rhythmus angepasst zu sein scheinen, jedoch objektiv überhaupt nicht da sind. Probieren Sie es aus, welches Wort/welche Wörter hören Sie? Wichtig ist dabei, dass das Geräusch über externe Stereolautsprecher, die möglichst weit auseinander aufgestellt sind, gehört wird. Klicken Sie zunächst auf das Lautsprechersymbol und lesen Sie erst danach die Beschreibung auf Dianas Seite, um durch die dort aufgeführten Wörter, welche von anderen gehört wurden, nicht beeinflusst zu werden.

Button: Sound-Datei
»Play Deutsch's Phantom Word example«

Diana Deutsch hat zwei CDs mit zahlreichen interessanten akustischen Phänomenen herausgebracht (»Phantom Words and Other Curiosities« 1995 und »Musical Illusions and Paradoxes« 2003), welche Sie bei Interesse direkt bei ihr bestellen können.

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Tinnitus

Streng genommen, muss auch der Tinnitus zu den akustischen Täuschungen gezählt werden.
Der Begriff Tinnitus aurium (lat. »das Klingeln der Ohren«) oder kurz Tinnitus bezeichnet ein Syndrom, bei dem der/die Betroffene Geräusche wahrnimmt, die keine äußere für andere Personen wahrnehmbare Quelle besitzen. Im Gegensatz dazu beruht der »objektive Tinnitus« auf einer von außen wahrnehmbaren oder zumindest messbaren körpereigenen Schallquelle. Objektiver Tinnitus ist allerdings im Vergleich zum subjektiven Tinnitus sehr selten. Der Tinnitus ist eine akustische Wahrnehmung, die zusätzlich zum Schall, der auf das Ohr wirkt, wahrgenommen wird. Diese Wahrnehmung beruht auf einer Störung der Hörfunktion. Der Höreindruck des Tinnitus hat also nichts mit dem Schall in der Umgebung des/der PatientenIn zu tun. Die Art der scheinbaren Geräusche ist sehr vielfältig. Man fasst unter anderem folgende akustische Eindrücke unter dem Begriff Tinnitus zusammen:

  • Brumm- oder Pfeiftöne
  • Zischen
  • Rauschen
  • Knacken
  • Klopfen

Das Geräusch kann in seiner Intensität gleichbleibend sein, es kann jedoch auch einen rhythmisch-pulsierenden Charakter haben. Es gibt nicht immer ein reales Geräusch, das denselben Höreindruck wie der Tinnitus verursacht. Auch sollte man Tinnitus deutlich von akustischen Halluzinationen (z.B. bei Psychosen) abgrenzen.

Quelle:
stark gekürzt, aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
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zuletzt bearbeitet: 08.06.2019, 17.10 Uhr.