Heilmittelrichtlinien

Heilmittelkatalog

Verordnungen gemäß Heilmittelrichtlinien

Für die Verordnung von Heilmitteln (Sprachtherapie/Logopädie, Physiotherapie, Ergotherapie) gelten für gesetzlich Versicherte die Heilmittelrichtlinien, Privatrezepte sind von den Heilmittelrichtlinien nicht betroffen.
Im folgenden wird ausschließlich Bezug genommen auf die Auswirkungen, die den Bereich Sprachtherapie/Logopädie betreffen.

Nach den Heilmittelrichtlinien diagnostizieren Ärztin oder Arzt, welche Störung oder Beeinträchtigung vorliegt und versieht die Verordnung (Verordnungsmuster 14) mit

  • der Art des Heilmittels (Stimm-, Sprech- oder Sprachtherapie)
  • der Diagnose und Leitsymptomatik
  • ggf. auch mit wesentlichen Befunden
  • dem dafür vorgesehenen Indikationsschlüssel z.B. SP1 bei Sprachentwicklungsstörung oder SF bei Rhinophonie
  • dem Behandlungsziel
  • der Anzahl der durchzuführenden Therapien
  • der Therapiedauer und
  • der Therapiefrequenz pro Woche.

Die Stufenfolge beinhaltet zwei Arten von Verordnungen, wobei die Anzahl der verordneten Therapieeinheiten je nach Störungsbild/Indikationsschlüssel festgelegt ist:

  • die Erstverordnung mit maximal 10 Therapieeinheiten und
  • die Folgeverordnung mit jeweils 10-20 Therapieeinheiten je nach Störungsbild bzw. Indikationsschlüssel.

Regelfall
Im weiteren Verlauf haben Ärztin oder Arzt die Möglichkeit (wiederum abhängig vom Störungsbild), weitere Folgeverordnungen auszustellen, bis die Gesamtverordnungsmenge im Regelfall erschöpft ist.

Verordnung außerhalb des Regelfalles
Wird die Gesamtverordnungsmenge im Regelfall überschritten, liegt eine Verordnung außerhalb des Regelfalles vor, welche ärztlich begründet und der zuständigen Krankenkasse zur Genehmigung vorgelegt werden muss.
Bei begründungspflichtigen Verordnungen außerhalb des Regelfalles übernehmen die Krankenkassen bis zum Zugang der Entscheidung die Kosten. Regressforderungen an die Ärztin oder den Arzt für bereits durchgeführte Therapieeinheiten können von den Krankenkassen nicht geltend gemacht werden.
Einige Krankenkassen verzichten generell auf die Genehmigung außerhalb des Regelfalles, bitte erkundigen Sie sich auf jeden Fall zuerst bei Ihrer Krankenversicherung.
Nach 12 Wochen behandlungsfreier Zeit (Therapiepause) tritt automatisch ein neuer Regelfall in Kraft:
Es steht ohne Genehmigungspflicht erneut (auch bei gleicher Indikation/Diagnose) wieder die Gesamtverordnungsmenge im Regelfall zur Verfügung.

Nach wie vor gilt:

  • Die Verordnung muss auf dem Verordnungsvordruck Muster 14 erfolgen.
  • Die Therapie muss spätestens 14 Tage nach Ausstellen des Rezeptes beginnen.
  • Die Therapie darf nicht länger als 14 Tage unterbrochen werden.
  • Bei verspätetem Behandlungsbeginn oder längerer Therapieunterbrechung von mehr als 14 Tagen (Krankheit, Urlaub etc.) verliert das Rezept seine Gültigkeit. Nicht durchgeführte Therapieeinheiten dieser Verordnung verfallen ersatzlos.
  • Nach Behandlungspausen von mehr als 12 Wochen ist die Ausstellung einer neuen Erstverordnung als erneuter Regelfall möglich.
  • Insbesondere bei Verordnungen außerhalb des Regelfalles sind Ärztin oder Arzt angehalten, bei Bedarf weiterführende Diagnoseverfahren zu veranlassen.

Zuordnung von Indikationsschlüssel und Verordnungsmöglichkeit

EV = maximale Verordnungsmenge auf der Erstverordnung
FV = maximale Verordnungsmenge auf der Folgeverordnung
max. VM = maximale gesamte Verordnungsmenge im Regelfall

Störungen der Stimme

  • Indikationsschlüssel ST1
    organisch bedingte Erkrankungen der Stimme
    EV: 10 ⇒ FV: 10 ⇒ max. VM: 20
  • Indikationsschlüssel ST2
    funktionell bedingte Erkrankungen der Stimme
    EV: 10 ⇒ FV: 10 ⇒ max. VM: 20
  • Indikationsschlüssel ST3
    psychogene Störungen der Stimme/Aphonie
    EV:5 ⇒ FV: 0 ⇒ max. VM: 5
  • Indikationsschlüssel ST4
    psychogene Störungen der Stimme/Dysphonie
    EV: 10 ⇒ FV: 10 ⇒ max. VM: 20

Störungen der Sprache

  • Indikationsschlüssel SP1
    Störungen der Sprache vor Abschluss der Sprachentwicklung
    EV: 10 ⇒ FV: 10 ⇒ max. VM: 60
  • Indikationsschlüssel SP2
    Störungen der auditiven Wahrnehmung
    EV: 10 ⇒ FV: 10 ⇒ max. VM: 20
  • Indikationsschlüssel SP3
    Störung der Artikulation
    EV: 10 ⇒ FV: 10 ⇒ max. VM: 30
  • Indikationsschlüssel SP4
    Störungen der Sprache bei hochgradiger Schwerhörigkeit oder Taubheit
    EV: 10 ⇒ FV: 10 ⇒ max. VM: 30
  • Indikationsschlüssel SP5
    Störungen der Sprache nach Abschluss der Sprachentwicklung Aphasie/Dysphasie
    EV: 10 ⇒ FV: 20 ⇒ max. VM: 60
  • Indikationsschlüssel SP6
    Störungen der Sprechmotorik
    EV: 10 ⇒ FV: 10 ⇒ max. VM: 60

Störungen des Redeflusses

  • Indikationsschlüssel RE1
    Stottern
    EV: 10 ⇒ FV: 10 ⇒ max. VM: 50
  • Indikationsschlüssel RE2
    Poltern
    EV: 10 ⇒ FV: 10 ⇒ max. VM: 20

Störungen der Stimm- und Sprechfunktion

  • Indikationsschlüssel SF
    Störungen der Stimm- und Sprechfunktion Rhinophonie
    EV: 10 ⇒ FV: 10 ⇒ max. VM: 20

Störungen des Schluckaktes

  • Indikationsschlüssel SC1
    krankhafte Störungen des Schluckaktes
    EV: 10 ⇒ FV: 10 ⇒ max. VM: 60
  • Indikationsschlüssel SC2
    Schädigungen im Kopf- und Halsbereich
    EV: 10 ⇒ FV: 10 ⇒ max. VM: 30

 

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zuletzt bearbeitet: 08.06.2019, 17.10 Uhr.