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Was ist Unterstützte Kommunikation?
An wen richtet sich UK?
Formen der UK und ihre Besonderheiten
Ziele der UK in der Sprachtherapie
Kommunikation als wechselseitiger Austausch mit der Umwelt ist ein Grundbedürfnis des Menschen. Insofern kann man sich die enorme Belastung für Menschen vorstellen, die aufgrund einer stark beeinträchtigten oder verlorenen Sprach- bzw. Sprechfähigkeit unter den sozialen Einschränkungen leiden müssen, wenn die verbale Kommunikation weitgehend unmöglich geworden ist. Unterstütze Kommunikation kann man in diesem Zusammenhang als »Brücke« zu den lautsprachlich kommunizierenden Mitmenschen betrachten. Das englische »AAC = augmentative and alternative communication« weist deutlicher als die deutsche Bezeichnung auf ihre Inhalte hin: UK versucht angemessene sprachergänzende oder - ersetzende Kommunikationshilfen bereitzustellen, so dass der (vorübergehend) Nichtsprechende nicht in einer kommunikativen Isolation gefangen bleibt. Dabei stammt ein Großteil von alternativen Kommunikationssystemen aus dem Bereich der Gehörlosenpädagogik. In diesem Zusammenhang soll lediglich kurz auf die Abgrenzung zur Gestützten Kommunikation (FC = facilitated communication) verwiesen werden. FC stellt lediglich ein Teilgebiet insbesondere für die Arbeit mit autistischen Menschen dar, wobei ein Stützer physische, verbale und emotionale Hilfestellung beim Deuten auf Symbole o.ä. leistet.
Unterstützte Kommunikation richtet sich an sämtliche Personengruppen, die in ihrer Kommunikationsfähigkeit eingeschränkt sind. Dabei besteht der Personenkreis der Nichtsprechenden zum einen in der Gruppe der Frühgeschädigten, was impliziert, dass bereits die Sprachentwicklung behindert ist, und zum anderen in der Gruppe der Spätgeschädigten, die von vorübergehendem oder bleibendem Verlust der Sprech- und/oder Sprachfähigkeit nach vollendetem Spracherwerb betroffen sind. Neben Muskelerkrankungen, ALS, Multiple Sklerose, Parkinson-Syndrom und vielen weiteren Erkrankungen ist auch die häufig in der Sprachtherapie anzutreffende Aphasie eine verbreitete Ursache.
In der Unterstützten Kommunikation wird zunächst zwischen körpereigenen
(= dynamisch) und extern unterstützten Kommunikationsformen (= statisch) unterschieden. Dabei beinhalten die körpereigenen Methoden zum einen allgemein gebräuchliche, wie z.B. Gestik und Mimik und andererseits kompensierende Methoden (auf Regeln basierende Gebärden, Fingeralphabet,
das so genannte Lormen etc.). Unter die extern unterstützten Kommunikationsformen fallen sowohl Hilfen ohne technischen Aufwand, sogenannte statische Symbole, wie beispielsweise konkrete Gegenstände, Fotos oder graphische Symbole (BLISS, LÖB etc.) als auch tragbare elektronische Hilfsmittel, die heute in der Regel eine digitalisierte
(= natürliche) oder synthetische (künstliche) Sprachausgabe aufweisen.
Die wesentliche Besonderheit in allen alternativen Kommunikationshilfen liegt im Vergleich zur lautsprachlichen Kommunikation in erster Linie im sehr begrenzten
»Sprechtempo«. Während das lautsprachliche Sprechtempo zwischen 120-185 Wörtern in der Minute variiert, wurden bei verschiedenen unterstützt Kommunizierenden 2-26 Worte in der Minute gezählt. In diesem Zusammenhang ist die stark verzögerte Reaktions- bzw. Pausenzeit sehr lang, was insbesondere der sprechende Kommunikationspartner häufig zunächst als unangenehm empfindet.
Es handelt sich insofern um eine sogenannte Asymmetrische Kommunikation, auch deswegen, weil der unterstützt Kommunizierende viel seltener initiieren kann und insofern einen geringeren Gesprächsanteil und weniger Einflussmöglichkeiten auf den Gesprächsverlauf nehmen kann. Er muss sich auf die für ihn wichtigsten Äußerungen beschränken und kann nicht auf alles reagieren, da viele Reaktionsmomente längst veraltet sind, bis er eine Aussage tätigen konnte. Darüber hinaus können alle Kommunikationsmedien immer nur ein begrenztes Vokabular zur Verfügung stellen, so dass in diesem Kontext häufig Missverständnisse und Verstehenskrisen aufkommen, wenn der sprechende Kommunikationspartner das begrenzte Vokabular nicht korrekt zur gewünschten
Äußerung
»ko-konstruiert«.
Die hier lediglich angedeuteten Schwierigkeiten machen bereits deutlich, wie notwendig Geduld und Konzentration beider Kommunikationspartner sind.
Wie bereits kurz angedeutet, besteht das Hauptziel der Unterstützten Kommunikation darin, den Menschen, die nicht mehr auf die allgemein gebräuchliche Lautsprache zurückgreifen können, aus ihrer kommunikativen Not zu verhelfen. Kommunikation soll sich aufgrund der Einschränkungen nicht zu einem einzigen Frustrationserlebnis entwickeln, so dass letztlich die noch vorhandenen kommunikativen Fähigkeiten
»verschüttet« werden. Demnach knüpft UK an sämtlichen Möglichkeiten
(z.B. an die motorischen Fähigkeiten für Gebärden, schriftsprachliche Fähigkeiten etc.) des Betroffenen an, so dass man in diesem Zusammenhang auch von totaler Kommunikation spricht.
Setzt man sich mit der Bedeutung von »Sprechen können« auseinander, wird deutlich, dass die Bereitstellung von vorübergehenden bzw. ständigen Kommunikationshilfen (sowohl als Hilfe zum
(Wieder-) Erwerb der Lautsprache als auch als Ersatz für Lautsprache) ein wichtiges Kriterium für die Lebensqualität der Betroffenen darstellt. So beinhaltet das Sprechen u.a. die Möglichkeit, Gefühle, Bedürfnisse, Bedingungen, Gründe etc. zu nennen, so dass darüber Erfahrungen des Verstandenwerdens, der Umweltbeeinflussung, der individuellen Lebensgestaltung und der Selbstdarstellung verbunden sind.
Im Gegensatz dazu besteht für Nichtsprechende ohne wirksame Kommunikationsmedien die Gefahr, dass die Mitmenschen zu ihnen sprechen, für sie sprechen, aber nur leider selten mit ihnen sprechen. Über die Erarbeitung einer individuellen und multimodalen Kommunikationshilfe soll somit sowohl auf der kommunikativen Ebene als auch auf der sozialen Ebene eine möglichst umfassende Autonomie des Betroffenen wieder hergestellt werden.
Mit freundlicher Genehmigung der Autorin: Kathrin Werner
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©kurz2001-2010 updated 15.07.2010
