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Was Sie wissen sollten
Was Sie tun Können
Was Sie nicht tun sollten
Was sie bemerkt haben werden
Bei vielen Kindern im Vorschulalter (etwa zwischen dem 3. und 5. Lebensjahr) treten im Rahmen der normalen Sprach- und Sprechentwicklung Redeunflüssigkeiten auf. Dabei handelt es sich zum Beispiel um das ein- oder mehrfache Wiederholen von Silben, Wörtern oder Satzteilen, um Dehnungen von Lauten oder Pausen. Für das Auftreten dieser entwicklungsbedingten Unflüssigkeiten gibt es zahlreiche unterschiedliche Erklärungsansätze. Folgende Beispiele seien genannt:
In den meisten Fällen klingen diese sprachlichen Unflüssigkeiten nach einer Durchgangsphase von alleine ab, wobei sich angemessene Verhaltensweisen der Umwelt meist günstig auswirken. Bei einigen Kindern entwickelt sich aus diesen Unflüssigkeiten jedoch ein beginnendes oder bleibendes Stottern. Bei einigen Kindern tritt auch erst nach vollendeter Sprachentwicklung plötzlich Stottern auf. Stottern kann sich durch die folgenden Kennzeichen ausdrücken:
Stottern kann auch je nach Gesprächspartner, Situation oder Zeitpunkt unterschiedlich ausgeprägt beim Kind auftreten, auch die jeweilige Befindlichkeit des Kindes, wie z. B. Erregung, Freude, Angst oder Wut kann eine Rolle spielen. Redeunflüssigkeiten und Stottern können nicht durch den Willen beeinflusst und auch nicht absichtlich erzeugt werden. Die verbreitete Ansicht, das Kind müsse sich nur recht bemühen, um fließend zu sprechen, ist grundlegend falsch. Aufgrund der Vielzahl möglicher Ursachen, die das Stottern bedingen oder begünstigen können (wie etwa psychische Hintergründe, allgemeine Sprachentwicklungsauffälligkeiten, organische, anlagebedingte oder umweltbedingte Ursachen), steht für die Behandlung des Stotterns leider kein Patentrezept zur Verfügung. Es gibt jedoch zahlreiche Therapieansätze, die auf das einzelne Kind zugeschnitten werden können. Die Unterstützung der Therapie durch die Eltern und weitere wichtige Bezugspersonen kann von großer Bedeutung sein.
Stärken Sie das Selbstvertrauen Ihres Kindes
indem Sie z. B. all die vielen Dinge beachten und loben, die Ihr Kind schon
kann und selbständig ausführt. Trauen Sie ihm Dinge zu, kleine Rechte und
Pflichten, ohne es zu überfordern. Jeder Mensch braucht Zuwendung, Sicherheit
und Geborgenheit, besonders die Kleinen und ganz besonders in einer kritischen
Phase.
Zeigen Sie Ihrem Kind, dass Sprechen Spaß macht
Je mehr sprachliche Anregungen Ihr Kind bekommt und je mehr es zum Sprechen
ermutigt wird, um so besser und begeisterter wird es seine unvollkommene
Sprechfähigkeit in unterschiedlichen Situationen üben:
Kasperltheater spielen, Puppenspiele, Singen, Rollen- und Fingerspiele,
rhythmisch-musikalische Spiele, Verse und Reime, Erzählen und Nacherzählen.
Lenken Sie dabei Ihre Aufmerksamkeit auf die flüssigen Teile des Sprechens,
und beachten sie all das, was Ihr Kind sprachlich schon ausdrücken kann.
Seien Sie ein gutes Sprachvorbild
Sprechen wird durch Nachahmung gelernt. Helfen Sie Ihrem Kind, indem Sie sich
selbst bemühen, langsam, ruhig und einfach zu sprechen ohne gekünstelt,
unnatürlich oder übertrieben zu wirken.
Achten Sie auf den Inhalt und nicht auf die Form der Botschaft
Lenken Sie in der Zeit der Redeunflüssigkeiten Ihres Kindes Ihre
Aufmerksamkeit ganz auf den Inhalt des Gesagten und nicht darauf, wie es gesagt
wird. Gehen Sie darauf ein, was Ihr Kind Ihnen mitteilen will, aber korrigieren
Sie Ihr Kind nicht, wenn es etwas falsch ausspricht.
Versuchen Sie, möglichst viele »stotterfreie« Situationen zu schaffen
Beobachten und notieren Sie, wie Ihr Kind auf bestimmte Personen, Situationen
und Ereignisse reagiert. Wann stottert es viel, wann wenig, wann gar nicht?
Versuchen Sie Situationen, in denen Ihr Kind häufiger stottert, zu vermeiden.
Führen Sie statt dessen möglichst viele stotterfreie Situationen herbei, in
denen Sie Ihr Kind loben und bekräftigen. Das erhöht seine Sprechfreude und
steigert die Zuversicht und das Selbstvertrauen in die eigenen sprachlichen
Leistungen.
Versuchen Sie, möglichst viele stressfreie Gesprächssituationen zu schaffen
Wenn man andauernd beim Sprechen unterbrochen wird, unter Zeitdruck steht
(»Nun sag schon endlich.«) oder unter Konkurrenzdruck steht
(»Dein kleiner Bruder kann das schon viel besser sagen.«), entsteht
Stress beim Sprechen. Nehmen Sie sich deshalb Zeit für das Zuhören und
Sprechen.
Diese Regeln für Gespräche in der Familie sollten für alle
Familienmitglieder gelten:
Beruhigen Sie Ihr Kind und sich
Wenn Ihr Kind äußert, dass es heute wieder nicht richtig sprechen könne
und darüber unglücklich ist, ermutigen und beruhigen Sie es indem sie ihm
erklären, dass so etwas jedem passieren kann, dass jeder mal hängen bleibe,
wenn man etwas ganz schnell sagen möchte, müde oder aufgeregt ist.
Weisen Sie nicht auf die Unflüssigkeiten oder das Stottern hin
Aus alledem, was Sie bisher über das Stottern erfahren haben, können Sie
sich bereits selbst vorstellen, das es zwecklos ist, das Kind zu bestrafen, es
zu ermahnen oder ihm Ratschläge zu erteilen. Sie bewirken dadurch eher das
Gegenteil. Weil dieser Punkt so wichtig ist, soll nochmals ausdrücklich darauf
hingewiesen werden, das alle Äußerungen wie
oder in ähnlicher Form Ihrem Kind in keiner Weise helfen sondern seine
Stottersymptomatik nur verstärken und sein Selbstwertgefühl untergraben. Ebenso falsch wäre es, das gestotterte Wort wiederholen zu lassen oder gar
das Sprechen zu verbieten. Sie helfen Ihrem Kind auch nicht, indem Sie das
gestotterte Wort für Ihr Kind zu Ende sprechen. Vermeiden Sie alles, was Ihr
Kind auf seine Sprechprobleme hinweist und seine Sprechfreude hemmt.
Setzen Sie Ihr Kind keinen hektischen Situationen aus
Eile, Hektik, Zeitdruck, Nervosität, Aufregung beeinflussen das allgemeine
Wohlbefinden Ihres Kindes und damit auch seine Sprechfähigkeit. Vermeiden Sie
nach Möglichkeit solche zusätzlichen Belastungen für Ihr Kind in dieser
sensiblen Entwicklungsphase.
Verlangen Sie keine sprachlichen Darbietungen oder Vorführungen
Wenn Ihr Kind von sich aus gerne Ihnen oder anderen Personen Reime, Gedichte
oder Zahlen vortragen möchte, dann lassen Sie es. Drängen Sie Ihr Kind jedoch
nicht zu solchen Vorträgen, auch wenn Sie wissen, was es kann.
Keine Kreuzverhöre oder drängenden Fragen
Für Kinder haben Ereignisse oder Zeitabläufe eine andere Bedeutung als für
Erwachsene. Was dem Erwachsenen als wichtig und interessant erscheint, ist für
Kinder oft nicht erwähnenswert. Man kann Kinder verunsichern und ihnen die
Freude am sprechen nehmen, wenn man sie mit Fragen bedrängt, die sie nicht
beantworten können. Geben Sie dem Kind die Möglichkeit zu erzählen, was es
loswerden möchte. Akzeptieren Sie es, wenn das Mitteilungsbedürfnis des Kindes
Ihnen unbefriedigend erscheint.
Geben sie Ihrem Kind keine Sonderstellung in der Familie nur weil es
stottert
So wie das unflüssig sprechende Kind nicht benachteiligt oder bestraft
werden darf, soll es andererseits auch nicht wegen seiner Redeweise verwöhnt
oder bevorzugt werden. Nehmen Sie deshalb Ihrem Kind auch keine Arbeiten und
Verrichtungen ab, die es selbst erledigen könnte, das wäre falsche
Rücksichtnahme. Nehmen Sie ihm ebenso wenig sprachliche Tätigkeiten ab, die
Ihr Kind selbst tun kann und möchte, auch wenn es dabei stottert. Wenn Sie Ihr
Kind für eine bestimmte Handlung bestrafen müssen, lassen Sie sich nicht
dadurch abhalten, dass Ihr Kind in dieser Situation gestottert hat. Das Kind
muss jedoch klar wissen, dass es für eine bestimmte unerlaubte Handlung und
nicht für sein Stottern bestraft wird.
Fast alle hier ausgesprochenen Empfehlungen gelten nicht nur für
sprechunflüssige / stotternde Kinder, sondern sollten bei vielen Problemen
bedacht werden, die in der Entwicklung des Kindes auftreten können. Stottern
ist kein so ausgefallenes Problem, sondern eine Auffälligkeit in der kindlichen
Entwicklung, mit der man sich auseinandersetzen kann.
Vielfach können äußere Umstände die Sprechstörung auslösen und
bedingen. Was aber durch äußere Bedingungen entsteht, kann aber auch häufig
von der Umwelt positiv beeinflusst werden. Das sollte Sie zuversichtlich
stimmen!
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©kurz2001-2010 updated 15.07.2010
