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Was ist eine Sprachentwicklungsverzögerung?
Entwicklungsstörungen der Aussprache
Entwicklungsstörungen des Wortschatzes
Entwicklungsstörungen der Grammatik
Entwicklungsstörungen des Redeflusses
Ursachen
Man spricht von gestörter Sprachentwicklung, wenn es zu deutlichen zeitlichen Verzögerungen und/oder anders als normal verlaufenden Entwicklungen in mehreren sprachlichen Bereichen kommt. Als Faustregel gilt das Alter von ca. vier Jahren. Spricht ein Kind dann noch auffällig anders als andere Kinder, sollte es dringend Fachleuten vorgestellt werden. Bereits vorher bestehen häufig Anzeichen, die eine gestörte Sprachentwicklung wahrscheinlich machen:
Aussprachestörungen (Dyslalien) treten häufig im Kindesalter auf. Dabei werden von Kindern ein oder mehrere Laute nicht oder nicht richtig gebildet, oder sie kennen die Regeln noch nicht, die gebraucht werden, um einen Laut richtig einzusetzen. Dabei kommt es zu verschiedenen Fehlerarten. Manchmal wird beispielsweise ein Laut:
Je mehr Laute betroffen sind, desto unverständlicher wird die Aussprache des Kindes. Doch wie Sie anhand der kleinen Beispiele erahnen, kann es selbst bei einem einzelnen fehlerhaften Laut bereits zu gravierenden Missverständnissen kommen. Vor allem dann, wenn dadurch Bedeutungsunterschiede, wie an dem Wortpaar »Kanne - Tanne« deutlich wurde, nicht entsprechend lautlich gekennzeichnet sind.
Probleme zeigen sich sowohl in einem
reduzierten Umfang an »Wörtern« sowie in spezifischen
Lösungsstrategien des Kindes bei sprachlichen Anforderungen. Eine beobachtbare Strategie ist,
unbekannte Wörter zu ersetzen. Dies kann auf verschiedene Weise geschehen, z.
B. durch Umschreibung. So bezeichnete ein Kind beispielsweise ein Glas Limonade
als »Glas mit Gelbes drin«. Manchmal antworten sprachgestörte Kinder
mit Wörtern aus dem benachbarten Umfeld dessen, was sie sagen wollen. Zum
Beispiel benannte ein Kind die Abbildung einer Nase als Ohr, eine Laterne als
Lampe bzw. Taschenlampe, eine Zitrone als Aprikose sowie einen Rock als Kleid.
Deutlich wird hier, dass es sich nicht lediglich um einen einzelnen Versprecher
handelt, sondern um eine systematische Fehlleistung. Oft finden Annäherungen statt, so als
erarbeite sich das Kind das Zielwort über »Eselsbrücken«, was sich
in folgender Wortreihe widerspiegelt: »Schuhe - nein, Schuhmann - nein, -
Schuster!«
Diese Formen und Beispiele von
Ersetzungen ließen sich noch fortsetzen. Sie zeigen uns, dass die Wörter im
»Kinderlexikon« fehlen, der schnelle Zugriff darauf erschwert ist oder
die Bedeutung eines Wortes noch nicht ausdifferenziert ist. Wenn Kinder um ihre Schwierigkeiten
wissen, versuchen sie teilweise geschickt den Situationen aus dem Weg zu gehen,
indem sie bestimmte Spiele oder Aufgaben meiden. Andere wiederum schweigen, sind
wortkarg oder greifen auf frühkindliche Verständigungsmöglichkeiten zurück.
Dies kann nichtsprachlich durch das Zeigen auf einen Gegenstand geschehen oder
sprachlich durch »Zeige-Wörter« wie »das da« oder »die
da«. Manche Kinder führen ihr Gegenüber zu dem Gegenstand, den sie
meinen.
Wendet ihr Kind im Alter von ca. vier Jahren die Regeln für die Stellung und Formung der Tätigkeitswörter bei einfachen Sätzen überwiegend fehlerhaft an, ist dies ein herausragender Hinweis auf eine Störung der Grammatikentwicklung (Dysgrammatismus). Charakteristisches Kennzeichen für diese gestörte Entwicklung ist, gebeugte Tätigkeitswörter bei einfachen Aussagesätzen an das Satzende zu stellen. Oder aber bei richtiger Position im Satz eine unpassende Form auszuwählen, die mit anderen Satzteilen nicht übereinstimmt. Bei Sätzen wie
sind daher weitere Beobachtungen notwendig. Oft ist dies nur die »Spitze des Eisberges«. Der Artikelgebrauch sowie die Mehrzahlbildung bei Hauptwörtern und deren Eingliederung in einfachen Sätzen bereitet sprachentwicklungsgestörten Kindern ebenfalls Probleme, wie in folgendem kurzen Gespräch sichtbar wird:
Andere Abweichungen kommen meist hinzu, wie beispielsweise der unzutreffende Einsatz der Hilfsverben »sein« und »haben« in folgenden Kinderäußerungen:
Deutlich wird hieran ebenfalls, dass die korrekte Verwendung von Präpositionen schwer fällt - und das in der Regel auch noch über das 4. Lebensjahr hinaus. Sprachgestörte Kinder benutzen jedoch auffällig oft lediglich eine bestimmte Präposition durchgehend (wie hier: »bei die«) als Platzhalter für die sprachliche Einheit. Eine besondere Herausforderung stellen für sie weiterhin solche sprachlichen Feinheiten wie die Anwendung von grammatischen Fällen innerhalb von Sätzen dar: »Ist das ein echter Ei?« statt »Ist das ein echtes Ei?«.
Kinder zeigen während der
Sprachentwicklung vielfältige Formen unflüssigen Sprechens, die im
Zusammenhang mit der allgemeinen Sprachentwicklung stehen. Sie erfordern einen
geduldigen und sprachmotivierenden Umgang, sind jedoch in aller Regel nicht
behandlungsbedürftig. Es gibt allerdings Redeunflüssigkeiten,
die sich hinsichtlich der Art und der Häufigkeit von den zuvor geschilderten
unterscheiden.
Folgende Merkmale werden als Anzeichen für beginnendes Stottern gewertet:
Viele Kinder entwickeln ungünstige Strategien wie Vermeiden bestimmter Wörter, Mitbewegungen anderer Körperteile etc., um solche Auffälligkeiten zu überwinden. Dies wird umso eher der Fall sein, wenn sein Umfeld unangemessen damit umgeht. Bei einigen Kindern ist die Sprechgeschwindigkeit erhöht. Hinzu kommt u. a., dass sie beim Sprechen Teile eines Wortes auslassen oder umstellen. Diese Form von Redeunflüssigkeiten nennt man »Poltern«.
Bei der Frage nach den Ursachen muss man sowohl physiologische als auch
psycho-soziale Faktoren in Betracht ziehen. Verursachende Bedingungen im physiologischen Bereich betreffen die
Körperbeschaffenheit und die Funktionsweise von Organen und Organgruppen. Hier
können beispielsweise Fehlbildungen der Sprechwerkzeuge (Mund, Kehlkopf und
Nasen-Rachenraum), hirnorganische Störungen, Hörstörungen oder Schwächen in
verschiedenen Teilleistungsbereichen wie Verarbeitung von Sinnesreizen,
insbesondere von Gehörtem eine Rolle spielen. Mit »psycho-sozial« ist der enge Zusammenhang von sozialen
Bedingungen und psychischem Erleben und Verhalten gemeint. Kinder und ihre
Eltern leben heute teilweise unter erschwerten Lebensbedingungen: eine hohe
Arbeitslosenquote, berufliche Anforderungen, ein eingeschränkter kinderunfreundlicher Lebensraum, ein verändertes Freizeitverhalten, das durch
vermehrten passiven Konsum (z. B. Fernsehen) gekennzeichnet ist. Dies alles
wirkt negativ auf das familiäre Miteinander und die Qualität des
»Miteinander-Redens«.
Manchmal finden sich bei Sprachentwicklungsstörungen jedoch keine
verursachenden Hinweise aus einem der beiden Bereiche. Die Sprachstörung
scheint für sich zu bestehen. Fördern Sie ihr
Kind, indem Sie sich viel mit ihm beschäftigen, mit
ihm spielen und sprechen.
Quelle:
Informationsbroschüren der Deutschen Gesellschaft für Sprachheilpädagogik
Nr. 3 Störungen des Spracherwerbs (Autorin: Angelika Schindler)
Nr. 4 Förderung des Spracherwerbs (Autorin: Angelika Schindler)
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©kurz2001-2011 updated 11.06.2011
