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Was ist eine myofunktionelle Störung?
Welche Auffälligkeiten zeigen sich noch?
Wie kommt es zu Störungen der Mundmuskelbalance?
Was kann man tun?
Wie läuft eine myofunktionelle Therapie ab?
Bei einer myofunktionellen Störung sind Muskelspannung und Bewegungsmuster der äußeren und inneren Mundmuskulatur in einer Weise gestört, dass es zu
kommen kann. Falsches Schluckverhalten kann seinerseits zu
Im Normalfall sind die Kräfte der Zunge und der übrigen Mundmuskeln
ausgeglichen, sodass ein Kräftegleichgewicht herrscht.
Bei einer myofunktionellen
Störung ist der von der Zunge ausgeführte Schluckvorgang meist derart
gestört, dass die Zunge anstatt gegen den harten Gaumen zu drücken gegen oder
zwischen die Front- oder Backenzähne presst. Dadurch ist die Zunge alleine
nicht mehr in der Lage, Speichel, Speisen oder Getränke dahin zu
transportieren, von wo aus der unwillkürliche Weitertransport geschieht. Die
umgebenden Mundmuskeln (Lippen, Kaumuskeln, Kinnmuskel etc.) müssen nun helfen,
das entstandene Ungleichgewicht zu kompensieren.
Die Lippen
sind in Ruhe häufig geöffnet. Bei einer gleichzeitigen Kiefer- oder
Zahnfehlstellung können die oberen Schneidezähne auf die Unterlippe beißen.
Die Oberlippe ist durch einen offenen Mund häufig verkürzt und hochgerollt,
die Unterlippe ist oft wulstig verdickt. Manchmal werden die Lippen auch
gewohnheitsmäßig geleckt, sie werden rot oder rissig, beim Schlucken sind sie
zu schlaff oder extrem zusammengepresst.
Die Zunge
liegt meist nicht in der korrekten Ruhelage (im Idealfall hat die
Zungenspitze einen leichten, flächenhaften Kontakt mit dem harten Gaumen hinter
den oberen Schneidezähnen, ohne diese zu berühren), sondern liegt auf dem
Mundboden und legt sich an oder zwischen die Zähne. Beim Schlucken hebt sich der Zungenmittelteil nicht an den harten Gaumen, die
Zungenspitze drückt gegen oder zwischen die Zähne. Die Zungenränder sind oft verdickt, gerötet oder zeigen Abdrücke der
Zähne. Die Zungenbeweglichkeit ist häufig eingeschränkt. Möglicherweise liegt ein verkürztes
Zungenbändchen (Ankyloglossie) vor.
Kiefer und Gaumen
sind meist wenig ausgeprägt, da die formbildende Kraft der Zunge am Gaumen
fehlt. Der Kiefer wirkt dreieckig, der Gaumen ist mitunter hoch und spitz.
Die Aussprache
ist häufig durch »Lispeln« der Laute s, z und / oder sch gestört.
Mitunter werden diese Laute auch seitlich »gezischelt«. Eine myofunktionelle
Störung muss nicht zwangsläufig mit einer sprachlichen Auffälligkeit
einhergehen.
Die Körperhaltung
ist häufig schlaff oder zu verspannt, mitunter auch aus dem
»symmetrischen Gleichgewicht«.
Die Zwerchfellfunktion
kann durch eine fehlerhafte Körperhaltung eingeschränkt sein. Die Spannung
für die Bauchatmung fehlt.
Die Atmung
geschieht häufig durch den Mund, wobei die Zunge auf dem Mundboden liegt.
Folge sind verstärkt Erkältungskrankheiten und Infektionen der Atemwege.
Ihr HNO–Facharzt sollte feststellen, ob organische Ursachen für die
Mundatmung vorliegen (z. B. Allergien, Polypen ...).
Ursachen für eine myofunktionelle Störung können sein:
Selten kann dabei genau festgestellt werden, welche Faktoren ursächlich für das Entstehen einer myofunktionellen Störung verantwortlich sind. Häufig treten mehrere Symptome gleichzeitig auf und erhalten sich in ihren Fehlfunktionen gegenseitig aufrecht.
Beispiele für mögliche »Kettenreaktionen«:
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Bereits im Säuglingsalter kann durch ausreichend langes Stillen die
Grundlage für eine gute Gesichtsmuskelbalance gelegt werden, indem die Mund-
und Zungenmuskeln durch die natürliche Ernährung in ihren physiologisch
richtigen Bewegungen trainiert werden. Kann auf eine Flaschenernährung nicht
verzichtet werden, sollte der Sauger eine natürliche Form besitzen, wodurch die
Zunge nicht auf den Mundboden gedrückt wird (z. B. Playtex–Sauger. Fragen Sie
in Ihrer Apotheke). Auf keinen Fall darf die am Sauger befindliche Öffnung
nachträglich vergrößert werden.
Angewohnheiten wie Daumenlutschen, Nuckeln an Schnuller, Teeflasche oder
anderen Objekten sollten möglichst frühzeitig abgewöhnt werden (bzw. es
sollte erst gar nicht dazu kommen), um einer Verformung des Kiefers oder einem
lutschoffenen Biss vorzubeugen. Liegt bereits ein offener Biss (oft in Gesellschaft einer S-Laut–Fehlbildung)
vor, kann bereits ab dem 3. Lebensjahr durch den Einsatz einer sog.
Mundvorhofplatte
eine Korrektur eingeleitet werden. Mundvorhofplatten sind
Kunststoffgebissschienen, die die Zähne und den Kiefer während des Tragens in
die rechte Position lenken und ein Durchrutschen der Zunge zwischen die Zähne
verhindern sollen.
Es gibt unterschiedliche Ausführungen aus festem oder
weichem Kunststoff mit oder ohne weitere Regulationshilfen für die
Zungenfunktion. Fragen Sie hierzu Ihren Kinderarzt, Zahnarzt, Kieferorthopäden,
Logopäden oder Sprachtherapeuten.
Bis zum 10. Lebensjahr kann sich ein fehlerhaftes Schluckverhalten noch
selbst korrigieren. Danach ist eine Veränderung des Schluckens nur noch mit
therapeutischer Unterstützung möglich.
In der Regel wird eine myofunktionelle Therapie von Logopäden oder
Sprachheilpädagogen mit dem entsprechenden Fachwissen, seltener von
Kieferorthopäden oder deren Hilfskräften durchgeführt.
Dabei wird zunächst großer Wert gelegt auf den Abbau und die Abgewöhnung
eventuellen Lutschverhaltens an Fingern, Schnullern oder anderen Objekten.
Danach folgt die Bewusstmachung und Einübung der korrekten Zungenruhelage,
Übungen zur Kräftigung und Flexibilisierung der Zungen- und Gesichtsmuskeln
flankieren diese Maßnahme.
Bevor das eigentliche Training des »richtigen« Schluckens beginnt,
werden weitere Übungen für die Zunge, insbesondere für deren Mittelteil
durchgeführt. Das Einüben des korrekten Schluckvorganges beginnt im
allgemeinen mit dem bewussten Schlucken fester Nahrung und wird im weiteren
Verlauf dann auch auf das Flüssigschlucken ausgedehnt. Können ganze Mahlzeiten
und Getränke richtig geschluckt werden, ist es wichtig, dass das neue Verhalten
das bisherige Schluckmuster ersetzt und immer öfter »automatisch«
abläuft.
Endziel der myofunktionellen Therapie ist eine ausgeglichene Gesichtsmuskel–Balance und darauf aufbauend der unwillkürlich korrekt ablaufende Schluckvorgang.
Autor: Uwe Kurz
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©kurz2001-2010 updated 15.07.2010
