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Informationen zum Thema
Aphasie

 

APHASIE – Was ist das?

Wörtlich übersetzt bedeutet Aphasie »Sprachverlust«. Das ist jedoch nicht ganz richtig. Eine Aphasie entsteht durch Verletzungen bestimmter Bereiche des Gehirns und drückt sich in mehr oder weniger schweren Beeinträchtigungen der sprachlichen Fähigkeiten aus. Unsere Sprache umfasst vier Leistungsbereiche:

Bei einer Aphasie sind in der Regel alle diese Bereiche negativ betroffen, aber fast nie kommt es zu einem völligen Verlust der Sprache. Meistens berichten Aphasiker, dass die Sprache zwar noch im Kopf gespeichert ist, aber nicht mehr gezielt zur Verfügung steht. Der Begriff »Sprachverlust« ist auch deshalb etwas irreführend, weil es die Aphasie als einheitliche Sprachstörung nicht gibt. Aphasien sind sehr komplexe neuropsychologische Störungen. Jede Aphasie hat eine ganz spezielle Ausprägung, so wie ja auch jeder Patient mit seiner persönlichen Geschichte nur bedingt mit anderen Patienten verglichen werden kann. Trotzdem gibt es einige Gemeinsamkeiten, die eine oberflächliche Einteilung der Aphasien gestatten. Hier sei nur die grobe Einteilung in sogenannte »flüssige« und »unflüssige« Aphasien erwähnt. Diese Einteilung spiegelt unterschiedliche Leistungsniveaus beim spontanen Sprechen wider.

 

Wie entsteht eine Aphasie?

Eine Aphasie entsteht in der überwiegenden Zahl der Fälle durch einen Schlaganfall. Dabei werden durch Gefäßverschlüsse oder raumfordernde Blutungen bestimmte Hirnbereiche nicht mehr ausreichend mit Blut und Sauerstoff versorgt. Das Ergebnis ist eine Zerstörung von Gehirngewebe. Auch Unfälle und Tumorerkrankungen können zu Hirnschäden führen. Jede Hirnschädigung führt zu besonderen Funktionsausfällen. Diese hängen ihrerseits von Ort und Ausmaß der Schädigung sowie von Zustand und Persönlichkeit des Patienten vor der Krankheit ab. Da die für die Sprachverarbeitung zuständigen Bereiche zu einem hohen Prozentsatz in der linken Gehirnhälfte liegen, führen Schädigungen der linken Hirnhälfte mit einer größeren Wahrscheinlichkeit zu Sprachstörungen als Verletzungen der rechten Hirnhälfte.

 

Die Symptome der Aphasie

Die Symptome einer Aphasie erstrecken sich meistens auf alle vier Leistungsbereiche der Sprache. Dementsprechend kann es zu folgenden Defiziten kommen:

Wichtig:
Von den oben genannten Störungen ist das Denkvermögen des Patienten nicht betroffen. Daher wäre es falsch, Aphasiker als geistig behinderte Menschen zu betrachten!

 

Therapie von Aphasien

Durch gezielte sprachtherapeutische Behandlung können wesentliche Verbesserungen der aphasischen Defizite erzielt werden. Dabei hängt der Erfolg von folgenden Faktoren ab:

 

Der Umgang mit Aphasikern

Mindestens ebenso wichtig wie die reibungslose Organisation der Therapie sind Faktoren wie Zufriedenheit, Wohlbefinden, Verständnis, Motivation und zwischenmenschliche Geborgenheit. Gestörte Sprachfunktionen können zu gravierenden sozialen Einschnitten führen. Aphasische Patienten müssen aus ihrer sozialen Isolation herausgeführt werden, denn auch sprachbehinderte Menschen können kommunizieren und ein erfülltes Sozialleben führen.
Daher muss auf eines besonders großen Wert gelegt werden:

Informieren Sie das soziale Umfeld des Patienten über Art und Umfang der Aphasie!
Angehörige, Freunde und Kollegen sollten über das Wesen der Behinderung Aphasie aufgeklärt werden! Nur so kann um Verständnis für die besondere Situation des Patienten geworben werden.
Die Kommunikation mit Aphasikern ist sicherlich erschwert, aber nicht unmöglich. Sie kann durch Berücksichtigung verschiedener Regeln optimiert werden.
Einige Kriterien für die Kommunikation mit Aphasikern sind:

Die Angehörigen und Freunde sind nicht für die Sprachtherapie zuständig, sondern für die Lebensqualität, eine befriedigende Gestaltung des Alltags und den liebevollen, mitverantwortlichen Umgang mit dem Aphasiker.

 

Dank
Dieser Text wurde mit freundlicher Genehmigung von ProLog aus »Leben mit Aphasie - Informations- und Beratungsbroschüre für Patienten und Angehörige« entnommen. Weitere Informationen und Produkte zur Sprachtherapie erhalten Sie bei

 

ProLog Therapie und Lernmittel
Olpener Strasse 124
51103 Köln
Tel.: 0221 / 660 91 0
Fax: 0221 / 660 91 11
www.prolog-wissen.de

 

Informationen zum Thema
Mund- und zungenmotorische Übungen

 

Übungen für die Lippen

 

Übungen für die Zunge

 

Pusteübungen

 

Dank
Für die Genehmigung zur Veröffentlichung der Videosequenzen und Fotos
danken wir Frau C. Jakubowski und Frau G. Wienand

 

Autor: Uwe Kurz

 

Informationen zum Thema
Cochlear Implantat (CI)

 

Wie funktioniert das Gehör?

Sprache und Geräusche gelangen als Schallwellen an das äußere Ohr und werden von dort über das Trommelfell und die Gehörknöchelchen an das mit Flüssigkeit gefüllte Innenohr (Cochlea/Schnecke) weitergeleitet. Dort liegen die Hörsinneszellen (Haarzellen), die den Schall in kleine elektrische Ströme umwandeln und über die angeschlossenen Hörnervfasern an das Hörzentrum des Gehirns zur Verarbeitung weitergeben. Bei Innenohrschwerhörigkeit oder Taubheit ist der Hörnerv noch funktionsfähig, während die Haarzellen unwiederbringlich zerstört sind, so dass nur noch Hörgeräte oder ein Cochlear-Implantat therapeutisch helfen können.

 

Was ist ein Cochlear-Implantat?

Das Cochlear-Implantat (CI) ist eine Prothese, welche die ausgefallenen Funktionen des Innenohres ersetzen soll, indem sie den Schall über ein Mikrofon aufnimmt, in eine Abfolge elektrischer Impulse umsetzt und diese über Elektroden an die Hörnervfasern weiterleitet, der diese Informationen schließlich an das Gehirn weitergibt. Dieser Vorgang erzeugt bei einem Implantatträger unterschiedliche Hörempfindungen und Höreindrücke.

 

Aus welchen Teilen besteht ein Cochlear-Implantat?

Das Cochlear-Implantat besteht aus

Mikrofon und Sprachprozessor werden mittlerweile zusammen verbaut und wie ein Hörgerät hinter dem Ohr getragen.

 

Wie läuft eine CI-Operation ab?

Zunächst wird eine klinische Voruntersuchung durchgeführt zur Klärung, ob der Einsatz eines Cochlear-Implantats möglich ist. Voraussetzung hierfür ist ein funktionsfähiger Hörnerv und eine operativ zugängliche (d.h. eine nicht verknöcherte bzw. verkalkte) Hörschnecke. Des weiteren wird der Patient bzw. die Eltern des betroffenen Kindes über mögliche Risiken aufgeklärt, die jedoch nicht größer sind als bei jeder anderen Operation unter Vollnarkose. Die eigentliche Operation dauert ca. zwei Stunden und wird, wie bereits erwähnt, unter Vollnarkose durchgeführt. Der anschließende Klinikaufenthalt dauert etwa eine Woche.

 

Kann man nach der Operation sofort richtig hören?

Nach dem Abheilen der Operationswunde beginnt die Rehabilitationsphase. Zunächst stellen erfahrene Techniker den Sprachprozessor ein. Dabei kommt es, wie bei einem Rennwagen, auf das richtige »Feintuning« an. Dieses muss mit dem Patienten zusammen erarbeitet werden, um das Implantat auf dessen individuelle Empfindungen einzustellen. Hörtraining und Sprachtherapie helfen dem Patienten, die neuen, ungewohnten Höreindrücke richtig zuzuordnen, da sich das Hören mit dem Cochlear-Implantat deutlich vom normalen Hören unterscheidet.

 

Wie sind die Erfolgsaussichten?

Der Hörerfolg hängt von der Länge der vorherigen Ertaubung ab. Etwa 50% der erwachsenen CI-Träger (d.h. diejenigen, die bereits hören und sprechen konnten und erst seit kurzer Zeit ertaubt sind) verstehen nach dem Sprach- und Hörtraining den Gesprächspartner ohne von den Lippen abzulesen und können sogar telefonieren. Erwachsene, die bereits einmal gehört und sprechen gelernt haben, aber bereits viele Jahre ertaubt sind, können Geräusche unterscheiden und mit Hilfe des Lippenablesens wieder Sprache verstehen. Von Geburt an oder seit frühester Kindheit ertaubte Erwachsene können Geräusche hören und diese auch in einem Gewissen Maß unterscheiden, ein Sprachverstehen ohne Lippenablesen ist jedoch nicht zu erwarten. Bei Kindern, die gehörlos geboren sind  und solchen, die nach abgeschlossenem Spracherwerb z.B. nach einer Hirnhautentzündung (Meningitis) ertaubt sind, hingegen sind die Erfolge sowohl in Hinsicht auf das Hörvermögen als auch in der Erlangung der Lautsprachkompetenz durchschlagend. In beiden Fällen ist eine möglichst frühzeitige Versorgung mit dem Cochlear-Implantat erforderlich. Voraussetzung für den Erfolg ist in jedem Fall eine intensive Schulung und die Bereitschaft, aktiv am Hör- und Sprachtraining teilzunehmen.

 

Was kostet eine CI-Operation und welche Systeme gibt es?

Die Kosten für eine Implantation belaufen sich auf ca. 30.000 Euro und werden, wie auch die Kosten für die anschließende Rehabilitation (Hörtraining und Sprachtherapie), in der Regel von den Krankenkassen übernommen. Es gibt verschiedene Hersteller von Cochlear-Implantat-Modellen mit unterschiedlicher Anzahl Elektroden. Die einzelnen Firmen unterhalten teilweise flächendeckend Service-Einrichtungen für Reparaturen und Ersatzteile.

 

Was ist, wenn die Cochlea geschädigt oder kein Hörnerv angelegt ist?

Ist die Cochlea (Schnecke) zu stark geschädigt z.B. verknöchert, so dass kein CI implantiert werden kann, im Falle einer Missbildung (nicht angelegter Hörnerv) oder nach einer Hörnervschädigung und damit einhergehender Ertaubung z.B. nach einer Tumoroperation besteht die Möglichkeit, Höreindrücke direkt in die entsprechenden Areale des Gehirns zu leiten. Dies kann mit Hilfe eines Auditory Brainstem Implant (ABI) im Hirnstamm erfolgen oder als Auditory Midbrain Implant (AMI) im Mittelhirn. Beide Verfahren sind noch relativ neu und werden nicht in jeder CI-Klinik durchgeführt!

Autor: Uwe Kurz

 

Informationen zum Thema
Zerebralparese (CP)

 

Was ist eine Zerebralparese?

Mit dem Begriff »Zerebralparese« wird eine Vielzahl spezifischer Störungen bezeichnet, die als gemeinsames Charakteristikum eine Schädigung der motorischen Hirnzentren aufweisen. Diese äußern sich in einem Verlust der Bewegungsbeherrschung und können sowohl isoliert als auch in Verbund mit weiteren sensorischen, kognitiven, psychischen und/oder sprachlichen Störungen auftreten. Die Hirnschädigung selbst ist dabei nicht fortschreitend, jedoch kann eine unbehandelte Primärschädigung zu weiteren, sekundären Pathologien führen.
    Bezüglich der Intelligenz zerebralparetischer Kinder kann gesagt werden, dass eine Zerebralparese nicht notwendigerweise mit geistiger Behinderung oder Schwachsinn einhergeht. Möglicherweise kann das Gesicht des Kindes ausdruckslos sein und das Kind mag einen starker Speichelfluss haben - aber nur, weil seine Muskeln ihre normalen Aufgaben nicht verrichten können. Bei einem großem Umfang der Hirnschädigung, insbesondere bei Schädigung der Hirnrinde, ist logischerweise auch die Intelligenz mitbetroffen. Die üblichen Intelligenztests verlangen entweder ein Minimum an Sprache oder bestimmte Muskelkoordination, was die Möglichkeiten zerebralparetischer Kinder häufig übersteigt, so dass eine Messung der Intelligenz nur schwer durchzuführen ist.

 

Welche Formen der Zerebralparese kann man unterscheiden?

Zerebralparesen sind neurologische Syndrome, die durch Veränderung des Muskeltonus (Vermehrung, seltener auch Verminderung), durch das Auftreten abnormer Bewegungsabläufe (Dyskinesien) oder durch Störung von Koordinationsleistungen (ataktische Symptome) gekennzeichnet sind.

Spastik

Spastische Patienten zeigen einen erhöhten Muskeltonus infolge einer Schädigung der von der Großhirnrinde (Cortex) abwärts führenden Pyramidenbahnen, die die willkürlichenBewegungen steuern. Dabei werden die normalen Bewegungsmuster durch Reflexbewegungen entweder vom Beuge- oder Strecktypus ersetzt, die jeweils typisch für den einzelnen Spastiker sind, und je spastischer ein Mensch ist, desto ursprünglicher sind seine Haltungs- und Bewegungsmuster. In der Rückenlage zeigen alle Spastiker eine starke Streckspastizität, wobei sie Kopf und Schultern zurückziehen, Hüfte, Knie- und Fußgelenke einwärtsdrehend oder überkreuzend strecken und die Arme entweder an den Ellenbogen gebeugt oder gestreckt werden. In der Bauchlage zeigen Zerebralparetiker starke Beugespastizität. Dabei bewirken die Beugemuskeln des Halses, des Rumpfes, der oberen Extremitäten und der Hüften, dass sich der Rücken krümmt und die Arme gebeugt und häufig unter den Brustkorb gezogen werden. Allgemein wird davon ausgegangen, dass ca. 40 % der Zerebralparetiker Spastiker sind.

Athetose

Bei Athetotikern liegt eine Schädigung der basalen Ganglien vor. Sie zeigen dieselben abnormen Haltungsmuster wie Spastiker, wobei diese Muster von unwillkürlichen, drehenden und schlängelnden Bewegungen überlagert werden. Diese entspringen in den der Körpermittellinie am nächsten gelegenen Teilen und setzen sich zu den entfernteren hin fort. Beim Athetotiker schwankt der Muskeltonus von extremer Muskelspannung bis zur extremen Muskelerschlaffung, zwischen abrupten und ungezielten Bewegungen und der starren Haltung des Spastikers, wobei aber diese Haltung unstet ist. Etwa 40 % aller Zerebralparetiker sind Athetotiker.

Ataxie

Der Ataktiker leidet an einem Mangel an Gleichgewicht und Koordination infolge einer Schädigung des Kleinhirns. Bei einer reinen Ataxie, die jedoch äußerst selten vorkommt, ist der Muskeltonus ständig subnormal, die Bewegungen können kaum kontrolliert werden. In der häufiger vorkommenden Form der Mischung von Ataxie und Athetose schwankt der Muskeltonus von hyper- bis hypoton.

 

Welche Probleme gibt es im Mund- und Gesichtsbereich?

Orofaziale Störungen äußern sich bei zerebralparetischen Kindern hauptsächlich in Fütterungsproblemen, Schluckschwierigkeiten, den daraus resultierenden Sprech- und Sprachstörungen sowie offener Mundhaltung und vermehrtem Speichelfluss. Die ständige Öffnung des Mundes und die Einwirkung der pathologischen Zungenmotorik fördern die Entstehung von Gebissanomalien (Dysgnathien). Die Bewegungskoordination der Zunge ist in Abhängigkeit von der Ausprägung der zerebralen Parese unterschiedlich behindert.

Bei allen diesen Formen fehlerhafter Zungenmotorik ist der ungenügende Kontakt zu Gaumen und den vorderen Schneidezähnen sowie mangelhafte Seitwärtsbewegung erkennbar. Zudem kann häufig eine Einziehung der Zunge im Bereich der Mittellinie durch eine zu schwache Muskulatur beobachtet werden.

 

Welche Störungen treten im sprachlichen und stimmlichen Bereich auf?

Die Art der Sprechschwierigkeiten wird weitgehend durch den Typ und die jeweilige Ausprägung der Zerebralparese bestimmt, jedoch tritt in nahezu allen Fällen eine sogenannte Dysarthrie auf:

Der spastische Patient
neigt infolge verstärkter Muskelspannung und plötzlicher Spasmen zu einer Lautsprache, die als explosiv erscheint, durch lange Pausen unterbrochen wird und allgemein als »zerebralparetische Sprache« bezeichnet wird. Dabei fallen die geringen, ungezielten Bewegungen von Kiefer, Lippen und Zungen ohne Feinabstufung auf. Die Spannung der Lippen und damit ihre Fähigkeit zu einer exakten Lautbildung ist von der Gesamtkörperhaltung sowie Grad und Dauer der geistigen Anspannung abhängig. So kann es geschehen, dass bei einer Überanstrengung der Sprechmuskulatur die Lautbildung nicht exakter, sondern nachlässiger und reduziert wird. Durch die auftretende Bewegungsverminderung ist die Lautkoordination erschwert, insbesondere treten häufig Stammelfehler (Dyslalien) auf. Aufgrund des oft schwer beweglichen Kiefers, des in seinen Bewegungen gestörten Zungenmuskels und der verspannten Lippen ist deren Wahrnehmung und »Gedächtnis« für die Artikulationsbewegungen gestört. Ist das Gaumensegel (Velum) inaktiv, klingt die Sprache nasal. Rhythmisch-dynamische Sprachakzente fehlen und oft ist das Sprechtempo verlangsamt. Nach Untersuchungen weisen 72% der Spastiker eine noch einigermaßen verständliche Sprache auf.

Beim Athetotiker,
der ein Übermaß an nicht willentlich steuerbaren Bewegungen zeigt, erschweren Grimassieren, vermehrter Speichelfluss (Hypersalivation), mangelnde Kontrolle des Kopfes und ein schlechter Mundschluss das Sprechen. Die Lautsprache variiert von geringen Artikulationsfehlern bis hin zu schweren Fällen, in denen überhaupt kein Sprechen möglich ist. Die Sprachlaute werden vornehmlich hart gesprochen, übersprochen und/oder herausgepoltert. Die Stimme klingt kehlig und gepresst. Bezüglich der Verständlichkeit zeigen Untersuchungen, dass 40 % der Athetotiker nicht verstanden werden können.

Bei Ataxie
sind die Sprechbewegungen unkoordiniert, das Sprechen selbst ist undeutlich und unrhythmisch. Die Lautkoordination ataktischer Kinder ist erschwert, ihre Sprache ist wenig moduliert, schwer und schleppend. Dabei werden einzelne Laute undeutlich artikuliert oder durch andere ersetzt.


In schweren Fällen ist bei allen Typen kein Sprechen möglich. Häufig ist es unmöglich, die Sprechleistung genau einzuschätzen, da diese bis hin zur Sprechunfähigkeit schwanken. Sie wechselt ständig mit dem jeweiligen Grad der Spastizität, der teilweise von der augenblicklichen Körperstellung im Raum und zum Teil von der Reizfülle seiner Umgebung bestimmt wird. Erschwerend kommt hinzu, dass häufig auch zerebralparetische Mischformen mit den entsprechenden Symptomen auftreten.

Quellen:
CRICKMAY, Marie C.:
Sprachtherapie bei Kindern mit zerebralen Bewegungsstörungen auf der Grundlage der Behandlung nach Bobath.
Berlin

HAUPT, U.:
Sprachheilbehandlung zerebral gelähmter Kinder.
Schriften zur Sonderpädagogik
Dortmund

NEUHÄUSER, Gerhard:
Orofaziale Funktionsstörungen bei infantilen Cerebralparesen. In:
Berndsen, Klaus-Jürgen (Hrsg.):
Neuromotorische Koordinationsstörungen und Auswirkungen auf die orofaziale Muskulatur. 9. Kongress für Myofunktionelle Therapie
Frankfurt/M.

 

Autor: Uwe Kurz

 

Informationen zum Thema
Down-Syndrom

 

Was ist das Down-Syndrom?

Beim Down-Syndrom (syn.: Morbus Langdon-Down, Trisomie 21, Mongolismus) handelt es sich um ein auf chromosomalen Veränderungen beruhendes Krankheitsbild (der Chromosomensatz Nr. 21 ist statt in zweifacher in dreifacher Ausführung vorhanden), bei dem Fehlentwicklungen fast aller Gewebe und Organe zu beobachten sind. Diese wachsen langsamer, bleiben unreif, altern schneller und können Fehlbildungen aufweisen. Auffallend ist hierbei die große äußere Ähnlichkeit innerhalb der Betroffenen. Die gleiche genetische Fehlinformation bewirkt ein »typisches« Aussehen. Gerade deshalb sollte man aber den Blick auf ihre Individualität richten.

 

Welche Merkmale findet man beim Down-Syndrom?

Im äußeren Erscheinungsbild gelten folgende Anomalien als »typisch« für das Down-Syndrom:

Dazu kommen allgemeine Muskelschlaffheit (Hypotonie), Unterentwicklung von Kiefer und Zähnen, eine erhöhte Infektanfälligkeit und in ca. 50 % der Fälle angeborene Herzfehler. Seh- und Hörfähigkeit sind bei vielen Kindern eingeschränkt. Mit dem Down-Syndrom geht eine Reduzierung intellektueller Fähigkeiten einher, wobei jedoch die häusliche Beschäftigung mit dem Kind und seine Förderung eine große Rolle spielt, so dass auch von Down-Kindern berichtet wird, die erfolgreich eine Lernbehindertenschule besuchen konnten.
    Im Gegensatz zu anderen geistig Behinderten sind Down-Kinder besser in Musiktests und im Lesen, schlechter jedoch im Hinblick auf ihre ungeschicktere und verlangsamte Motorik sowie auf ihre schlechtere visuell-motorische Koordination. Die fast allen Down-Betroffenen eigene fröhliche Grundhaltung scheint häufig auf positiven Sozialisationsbedingungen zu beruhen. Wenig pflegerische und erzieherische Schwierigkeiten, ihr Verhalten und Aussehen, welches dem des »lieben Babys« entspricht, fördern die emotionale Zuwendung.

 

Welche Probleme gibt es im Mund- und Gesichtsbereich?

Aufgrund der allgemeinen Hypotonie beim Down-Syndrom entwickeln die Kinder eine anomale Haltung der Körperlängsachse und der Kopfhaltung. Der Kopf wird überdehnt und in den Nacken gestreckt (rekliniert). Durch diese Kopfreklination wird der Unterkiefer allmählich nach vorn geschoben, womit weitere Anomalien wie Schlaffheit der Kiefergelenkbänder und der umgebenden Muskeln sowie Mundatmung begünstigt werden. Hinzu kommt, dass die Nase durch unharmonisches Wachstum und damit verbundene Proportionsverschiebungen im Gesichtsbereich in der Regel relativ klein und die Nasenatmung erschwert ist. Häufig kommt es im Laufe der Entwicklung zu einer Vorverlagerung des Unterkiefers (Progenie), die unter anderem auch die Artikulation erschweren kann. Bei mehr als der Hälfte aller Betroffenen findet man unvollständige Gebisse, Zahnform- oder Zahnfleischanomalien. Die Hypotonie wirkt sich auch auf die Lippen aus. Dabei ist die Unterlippe häufig nach außen gestülpt und im Vergleich zur Oberlippe wesentlich aktiver. Mitunter kommt es zu wulstigen (hypertrophierenden) Unterlippen, wobei die vertikalen Lippenfurchen sich vertiefen und Risse bilden. Zusätzlich sind häufig ein verstärkter Speichelfluss (Hypersalivation) und Probleme bei der Nahrungsaufnahme zu beobachten. Der Gaumen ist bei Down-Betroffenen meist klein und schmal (enger, hoher Stufengaumen). Die Zunge ist groß, breit, klobig, hypoton und nach vorn verlagert und wirkt im Vergleich zur Mundhöhle meist zu groß. Im allgemeinen liegt eine myofunktionelle Störung mit einem anomalen Schluckakt vor.

 

Welche Störungen treten im sprachlichen und stimmlichen Bereich auf?

Gegenüber anderen geistig Behinderten ist die Sprachentwicklung von Kindern mit Down-Syndrom deutlich verzögert. Das Sprechvermögen folgt dem Sprachverständnis oft erst wesentlich später. Die Sprachentwicklung bei Kindern mit Down-Syndrom verläuft zeitlich zwar anders, jedoch bewirkt die Behinderung keine Veränderung des üblichen Stufenaufbaus. Charakteristische Merkmale der stimmlichen Auffälligkeiten sind u.a. eine tiefe, raue, gutturale, heisere, verwaschene, gepresste, kaum modulierte und monotone Stimme mit verringertem Stimmumfang, herabgesetzter Grundfrequenz in der Sprechstimme und teilweise auffälliger Langsamkeit beim Aussprechen. Bezüglich der gestörten Artikulation liegt der Anteil bei Kindern mit Down-Syndrom höher als bei Kindern mit anderen geistigen Behinderungen. Die Hypotonie der Zungenmuskulatur und mangelnde Koordinationsfähigkeit der Bewegungen scheinen Artikulationsstörungen zu begünstigen.
    Auch Redefluss-Störungen treten bei Kindern mit Down-Syndrom überproportional häufig gegenüber Kindern mit anderen geistigen Behinderungen auf. Als Grund für das gehäufte Auftreten des Stotterns gilt allgemein eine verzögerte Hirnreifung, wobei sich psychische Faktoren zusätzlich negativ auswirken können. Als weitere Ursache für übereiltes Sprechen, Wiederholungen, Verzögerungen und Blockierungen wird der unzulängliche Wortschatz und die Disharmonie von geistigem Vorstellungsvermögen und sprechmotorischer Leistungsfähigkeit angenommen. Jedoch bestehen charakteristische Unterschiede zum Stottern Gesunder (keine Sprechscheu, keine Angst vor bestimmten Wörtern oder Lauten, keine Satzumstellungen, kein Wortaustausch, unregelmäßiges »Hängen-bleiben« bei jedem beliebigen Laut), so dass die Redefluss-Störung bei Kindern mit Down-Syndrom individuell dem Stottern oder Poltern zugeordnet werden können, wobei viele verschiedene Faktoren, wie organische, motorische, psychische oder intellektuelle Beeinträchtigungen, aber auch die Reaktionen der Umwelt u. a. eine Rolle zu spielen scheinen.

Quellen:
WEIGEL, Renate:
Komplexe Förderung sprachlicher Fähigkeiten bei Kindern mit Down-Syndrom

WILKEN, Etta:
Sprachförderung bei Kindern mit Down-Syndrom

PSCHYREMBEL
Klinisches Wörterbuch

CASTILLO MORALES, Rodolfo:
Die Orofaziale Regulationstherapie

 

Autor: Uwe Kurz

 

Informationen zum Thema
Dysarthrie

 

Was ist Dysarthrie?

Dysarthrie (eigentlich Dysarthrophonie, da in den meisten Fällen die stimmlichen Qualitäten gleichfalls betroffen sind) bezeichnet ein sehr komplexes Störungsbild, dass aus vielen verschiedenen Perspektiven betrachtet werden kann. Daher sollten insbesondere Medizin und Sprachtherapie/Logopädie Hand in Hand zusammen arbeiten, um den Problemen wirkungsvoll zu begegnen. Diese Probleme zeichnen sich vorwiegend durch Störungen des Sprechens aus. Damit sind Vorgänge der Atmung, der Aussprache und der Stimmgebung gemeint, d.h. die am Sprechen beteiligte Muskulatur ist durch Schwächung, Lähmung oder in ihrer Koordination gestört:

Diese Veränderungen an sich selbst führen nicht selten auch zu sozialen Problemen:

 

Welche Ursachen können zugrunde liegen?

Die Ursachen sind vielfältig. Eine Dysarthrie ist in jedem Falle eine neurologisch bedingte Störung. Zum einen kann sie aus einmaligen Ereignissen wie Schädel-Hirn-Traumen, Schlaganfall, frühkindliche Hirnschädigungen etc.) resultieren, zum anderen können aber auch fortschreitende, sogenannte progrediente neurologische Erkrankungen verantwortlich gemacht werden. Dazu gehören u.a. Morbus Parkinson, Infektionen und Entzündungen, Tumore, Multiple Sklerose, ALS etc.. Als Hauptursache können allerdings Hirnblutungen und ischämische Infarkte genannt werden. Bei Erkrankungen im Kindesalter trifft man häufig auf Begriffe wie (infantile) Zerebralparese (=frühkindliche Hirnschädigungen), die im Kindesalter die Ursache für kindliche Dysarthrien darstellen.
Wichtiger als die Krankheitsursache wird im allgemeinen die Lokalisation der Schädigung angesehen.

 

Wie sieht die Therapie bei Dysarthrie aus?

Leider ist es bei der Dysarthrie wie bei allen Störungsbildern so, dass es kein Allheilmittel in Form einer logopädischen Therapie gibt. Es spielt eine große Rolle, ob es sich bei dem Betroffenen um einen Erwachsenen oder um ein Kind handelt. Zunächst müssen die Therapiemittel nach den individuellen Symptomen ausgewählt und die Behandlung dem Leidensdruck und Störungsschwerpunkt angepasst werden. Denn die genannten möglichen Symptome können sowohl in Kombination, aber auch isoliert auftreten.
Zentraler Bestandteil ist jedoch die Verbesserung der muskulären Umgebung im Mundbereich, die ja als wichtiger Bestandteil der Aussprache beeinträchtigt ist. Daher werden orofaziale (= den Mund- und Gesichtsbereich betreffende) Wahrnehmungsübungen durchgeführt, die sich aus passiven Ortungs- und Differenzierungsübungen (Wo wird es jetzt auf der Zunge kalt? Können Sie beschreiben, ob der Geschmack eher süß oder sauer ist?,...), aber auch aus aktiven motorischen Übungen für Zunge und Mund zusammensetzt (z.B. Schnalzen, Zunge spitz in Richtung Nase führen usw.). Außerdem wird an der Atmung und Sprechlautstärke gearbeitet, die häufig in Folge einer schlaffen Kehlkopfmuskulatur reduziert ist.
    Zweiter zentraler Therapieschwerpunkt ist die Hilfe bei der neuen schwierigen kommunikativen Situation, die mitunter befremdlich oder gar schockierend sein kann. Hier werden alternative Möglichkeiten erarbeitet, sich durch Aufklärung des Umfeldes oder geeignete Freizeit- und Kontaktmöglichkeiten weiterhin innerhalb des sozialen Umfeldes bewegen zu können, in welchem man sich wohlfühlt. Ausschlaggebend ist vor allem die Persönlichkeit des Betroffenen, die darüber entscheidet, ob jemand optimistisch in die Zukunft blickt und die Störung als Herausforderung im Leben ansieht oder ob man eher ängstlich und unsicher mit den Symptomen einer Dysarthrie umgeht. Dieses herauszufinden, ist für jeden Therapeuten immens wichtig und unerlässlich für die individuell zugeschnittene Behandlung. So wählt man zwischen

die geeigneten Schritte aus.

 

Wie verhält man sich als Angehöriger im Umgang mit Betroffenen?

Der Betroffene sollte unbedingt weiterhin als vollständiger Kommunikationsteilnehmer wahrgenommen und behandelt werden. Auch wenn die Umstellung eventuell zunächst schwer fällt, gibt es dem Betroffenen enormen Halt und Sicherheit, das Sprechen wagen zu können, auch wenn das Sprechen leise, verwaschen und nur langsam vonstatten geht. 
    Allein die Beachtung dieser Regel hat zunächst große Wirkung im zwischenmenschlichen Umgang mit Dysarthrikern. Von dieser positiven Grundstimmung im persönlichen Bereich ausgehend, wird mit Sicherheit auch Motivation und Energie auf die sprachtherapeutische Förderung abstrahlen - was wiederum zu einer Verbesserung der Symptomatik beiträgt und das schließlich ist das Ziel.

Mit freundlicher Genehmigung der Autorin: Vera Lüttgen

 

Quellen:
Grohnfeldt, M.: Lehrbuch der Sprachheilpädagogik und Logopädie, Bd.2, Erscheinungsformen und Störungsbilder; Kohlhammer Verlag, 2001

Wirth, G. :Sprachstörungen, Sprechstörungen, kindliche Hörstörungen
Deutscher Ärzte-Verlag, Köln

 

Informationen zum Thema
Dyslalie

 

Unterscheidung

Im allgemeinen kann man bei Kindern zwei Fehlerquellen für Aussprachestörungen (Artikulationsstörungen, Dyslalie, Stammeln) unterscheiden, die jedoch nicht immer eindeutig voneinander getrennt wirken. Zum einen kann ein Laut (oder auch mehrere Laute) überhaupt nicht oder nicht richtig gebildet werden (phonetische Störung), zum anderen kommt es vor, dass Kinder die Regeln noch nicht kennen, die sie brauchen, um einen Laut richtig einzusetzen (phonologische Störung). Dabei sind verschiedene Fehler-Arten zu beobachten:
So kann ein Laut beispielsweise

Stellenweise werden auch ganze Silben ausgelassen (»pete« statt »Trompete«), vertauscht (»digirieren« statt »dirigieren«),  verschmolzen (»Flugschrauber«) oder angeglichen (»Stankstelle«). Die Sprache des Kindes wird umso unverständlicher, je mehr Laute von einer Aussprachestörung betroffen sind, jedoch kann bereits ein einzelner betroffener Laut zu schweren Missverständnissen führen, wenn dadurch Bedeutungsunterschiede nicht kenntlich gemacht werden können wie z.B. bei Keller - Teller oder Kopf - Topf.

 

Phonologische Probleme

Mit etwa 18 Monaten beginnt bei einem Kind der Erwerb des phonologischen Systems. Dabei führt die zunehmende Übernahme der Lautsystematik und -regularisierung zu einer Veränderung der Aussprache und zur Produktion neuer Wörter, die ihrerseits wiederum zur weiteren Regelbildung der Aussprache beitragen. Im Zuge dieser Reifung kommt es im Spracherwerbsvorgang zwangsläufig zu Vereinfachungen neuer Wörter, so dass regelhafte und systematische Abweichungen (phonologische Prozesse) beobachtet werden können.

Einige Beispiele für die mehr als 40 phonologischen Prozesse:

Zu beachten ist, dass innerhalb eines Wortes oder Wortsegmentes durchaus auch mehrere phonologische Prozesse wirksam sein können:

phonetisch:Drachen

Wenn aus dem »Drachen« ein »Datten« wird, ist sowohl
eine Reduktion der Mehrfachkonsonanz (»dr« Pfeil »d«) als auch
eine Vorverlagerung/Alveolarisierung (»ch« Pfeil »tt«) und
eine Plosivierung (Ersetzung von Reibelauten/Frikativen durch Verschlusslaute/Plosive) zu beobachten.
Auch eine Assimilation (»ch« Pfeil »d«) ist nicht auszuschließen, hängt jedoch von den übrigen beobachteten Prozessen ab. 

Über einen Zeitraum von mehreren Jahren werden diese Prozesse schrittweise überwunden, die Aussprache verfeinert sich und wird zunehmendem Maße präziser und konstanter, das Lautinventar wird vervollständigt, das Kind gewinnt zunehmende Sicherheit auch bei der Realisierung komplexer Lautverbindungen, Wörter und Sätze. Bei Kindern mit phonologischen Störungen beruhen diese zumeist auf einem Festhalten an phonologischen Prozessen, welche von gleichaltrigen Kindern bereits überwunden wurden. Für das therapeutische Vorgehen ist bei phonologischen Störungen in jedem Fall eine ausführliche Analyse der bestehenden phonologischen Prozesse erforderlich.

 

Phonetische Probleme

Zur Bezeichnung der rein lautlichen bzw. phonetischen Fehlbildungen wird der griechische Buchstabe mit einem angehängten »-tismus« oder »-zismus« verwendet: Sigmatismus bei S-Laut-Fehlbildung, Schetismus bei Sch-Laut-Fehlbildung, Rhotazismus bei R-Laut-Fehlbildung, Kappazismus bei K-Laut-Fehlbildung, Gammazismus bei G-Laut-Fehlbildung, Lambdazismus bei L-Laut-Fehlbildung usw.

Zur weiteren Identifikation wird häufig die Art der Fehlbildung näher bezeichnet. Beispielsweise »Sigmatismus interdentalis«, wenn die Fehlbildung interdental (lat. zwischen den Zähnen) oder »Sigmatismus lateralis«, wenn die Zunge den Luftstrom lateral (lat. seitlich, zur Seite) anstatt gerade leitet.

Unter quantitativer Betrachtung spricht man von einer

 

Grundsätzliches

Im Rahmen der normalen Sprachentwicklung treten bei nahezu jeden Kind entwicklungsbedingte Artikulationsfehler auf. Ist die Sprachentwicklung ansonsten hinsichtlich Wortschatz und Grammatik altersgemäß, besteht außer einer häuslichen Sprachförderung kein Handlungsbedarf. Halten sich die Fehler hartnäckig bis nach dem 4. Lebensjahr, ist eine logopädische Beratung und/oder Behandlung angezeigt.

Autor: Uwe Kurz

 

Quellen:
Informationsbroschüren der Deutschen Gesellschaft für Sprachheilpädagogik
Nr. 3 Störungen des Spracherwerbs (Autorin: Angelika Schindler)
Nr. 4 Förderung des Spracherwerbs (Autorin: Angelika Schindler)

D. Hacker: Phonologie in
Baumgartner/Füssenich (Hrsg.):
Sprachtherapie mit Kindern, München 1992

 

Informationen zum Thema
Heilmittelrichtlinien

 

Für die Verordnung von Heilmitteln (Sprachtherapie/Logopädie, Physiotherapie, Ergotherapie) gelten für Kassenpatienten die Heilmittelrichtlinien, Privatrezepte sind von den Heilmittelrichtlinien nicht betroffen.
Im folgenden wird ausschließlich Bezug genommen auf die Auswirkungen, die den Bereich Sprachtherapie/Logopädie betreffen.

 

Verordnungen gemäß Heilmittelrichtlinien

Nach den Heilmittelrichtlinien diagnostiziert der Arzt, welche Störung oder Beeinträchtigung vorliegt und versieht die Verordnung (Verordnungsmuster 14) mit

Die Stufenfolge beinhaltet zwei Arten von Verordnungen, wobei die Anzahl der verordneten Therapieeinheiten je nach Störungsbild/Indikationsschlüssel festgelegt ist:

 

Regelfall

Im weiteren Verlauf hat der Arzt die Möglichkeit (wiederum abhängig vom Störungsbild), weitere Folgeverordnungen auszustellen, bis die Gesamtverordnungsmenge im Regelfall erschöpft ist.

 

Verordnung außerhalb des Regelfalles

Wird die Gesamtverordnungsmenge im Regelfall überschritten, liegt eine Verordnung außerhalb des Regelfalles vor, die vom Arzt begründet und der zuständigen Krankenkasse zur Genehmigung vorgelegt werden muss.
Bei begründungspflichtigen Verordnungen außerhalb des Regelfalles übernehmen die Krankenkassen bis zum Zugang der Entscheidung die Kosten. Regressforderungen an den Arzt für bereits durchgeführte Therapieeinheiten können von den Krankenkassen nicht geltend gemacht werden.

Einige Krankenkassen verzichten generell auf die Genehmigung außerhalb des Regelfalles, bitte erkundigen Sie sich auf jeden Fall zuerst bei Ihrer Krankenversicherung!

Nach 12 Wochen behandlungsfreier Zeit (Therapiepause) tritt automatisch ein neuer Regelfall in Kraft:
Es steht ohne Genehmigungspflicht erneut (auch bei gleicher Indikation/Diagnose) wieder die Gesamtverordnungsmenge im Regelfall zur Verfügung.

 

Nach wie vor gilt:

 

Zuordnung von Störungsbildern, Indikationsschlüsseln und Verordnungsmöglichkeiten
 

Logopädische Störungsbilder

Indikations-
schlüssel

Erst-
verordnung

Folge-
verordnung

Gesamtverord-
nungsmenge
im Regelfall

Diagnosegruppe: Störungen der Stimme

organisch bedingte Erkrankungen der Stimme

ST1

max. 10

max. 10

20

funktionell bedingte Erkrankungen der Stimme

ST2

max. 10

max. 10

20

psychogene Störungen der Stimme/Aphonie

ST3

max. 5

-

5

psychogene Störungen der Stimme/Dysphonie

ST4

max. 10

max. 10

20

Diagnosegruppe: Störungen der Sprache

Störungen der Sprache vor Abschluss der Sprachentwicklung

SP1

max. 10

max. 10

60

Störungen der auditiven Wahrnehmung

SP2

max. 10

max. 10

20

Störung der Artikulation

SP3

max. 10

max. 10

30

Störungen der Sprache bei hochgradiger Schwerhörigkeit oder Taubheit

SP4

max. 10

max. 20

50

Störungen der Sprache nach Abschluss der Sprachentwicklung Aphasie/Dysphasie

SP5

max. 10

max. 20

60

Störungen der Sprechmotorik

SP6

max. 10

max. 20

60

Diagnosegruppe: Störungen des Redeflusses

Stottern

RE1

max. 10

max. 10

50

Poltern

RE2

max. 10

max. 10

20

Diagnosegruppe: Störungen der Stimm- und Sprechfunktion

Störungen der Stimm- und Sprechfunktion Rhinophonie

SF

max. 10

max. 10

20

Diagnosegruppe: Störungen des Schluckaktes

krankhafte Störungen des Schluckaktes

SC1

max. 10

max. 10

60

Schädigungen im Kopf- und Halsbereich

SC2

max. 10

max. 10

30

 

Zusammenfassung: Uwe Kurz

 

Informationen zum Thema
Lippen-Kiefer-Gaumenspalten

 

Was sind Lippen-Kiefer-Gaumen-Spalten?

Spaltbildungen des Gesichts zählen zu den häufigsten angeborenen Anomalien. Sie können entweder durchgängig sein und den weichen Gaumen, den harten Gaumen, die Oberlippe und/oder auch den Oberkiefer selbst betreffen oder sich auf einzelne Teilbereiche wie z.B. den weichen Gaumen oder die Oberlippe beschränkt sein. Dementsprechend wird von Lippen-, Kiefer-, Gaumenspalten (LKG-Spalten) oder isolierten, d.h. ausschließliche Gaumenspalten (G-Spalten) gesprochen. Dabei kann die Spaltbildung ein- oder beidseitig auftreten. Während eine isolierte Lippen- oder Lippen-Kiefer-Spalte häufig auch eine Gaumenspalte nach sich zieht, geht eine isolierte Gaumenspalte niemals mit einer zusätzlichen Lippen- oder Lippen-Kiefer-Spalte einher. Bei einer einseitigen Gaumenspalte wächst das Pflugscharbein nur mit einer Gaumenplatte zusammen, bei einer beidseitigen Gaumenspalte verwachsen die Gaumenplatten weder mit dem Zwischenkiefer noch mit dem Pflugscharbein.

 

Welche Ursachen führen zur Spaltbildung?

Ursachen für die Entstehung von LKG-Spalten können genetischer oder umweltbedingter Natur sein. Dabei muss das Verhältnis von Erbe und Umwelt in jedem Einzelfall gesondert eingeschätzt werden. Neben bisher unbekannten oder nur vermuteten Faktoren werden als Ursachen angesehen:

Die Vererbung spielt eine wichtige Rolle, ist aber nicht allein für die Spaltbildung verantwortlich. Das Auftreten von LKG- bzw. Gaumen-Spalten als einzige Fehlbildung ist stets durch mehrere krankmachende Erbfaktoren und zusätzlich durch ungünstige Einflüsse in der Frühschwangerschaft bedingt. Bei Verbindung von LKG- oder G-Spalten mit anderen Krankheitszeichen z.B. Chromosomenkrankheiten liegt häufig auch eine nicht-erbliche Ursache zugrunde. Bis auf wenige Ausnahmen hängen sie weder von familiären Anlagen noch von Umweltfaktoren ab. Recht häufig können neben einem geistigen Entwicklungsrückstand und körperlichen Fehlentwicklungen auch Spaltbildungen des Gesichts auftreten.

 

Zur Häufigkeit und Verteilung von Spaltbildungen

Nach den angeborenen Herzfehlern sind LKG-Spalten und isolierte Gaumenspalten die zweithäufigste Fehlbildung. Die Häufigkeit der LKG-Spalten liegt bei einem Verhältnis von 1:500-700, d.h. bei etwa 2 von 1.000 Lebendgeborenen bestehen LKG-Spalten in leichter bis schwerer Form. Mit einer isolierten Gaumenspalte wird ca. 1 Kind von 1.500 Kindern geboren.
Lippen-Kiefer-Spalten oder meist Lippen-Kiefer-Gaumen-Spalten finden sich in 50-70% aller Spaltformen. Jungen sind davon häufiger betroffen als Mädchen. (66%-34%). Isolierte Gaumenspalten finden sich bei 50-50% aller Spaltformen. Mädchen sind häufiger betroffen als Jungen. (65%-35%). Totale LK-Spalten bei völlig intaktem Gaumen sind sehr selten, linksseitige Spalten sind doppelt so häufig wie rechtsseitige Spalten, einseitige Spalten treten doppelt so häufig auf wie doppelseitige Spalten.
    Die Zahl der erblich bedingten Spaltbildungen liegt bei 12-40%, bei Untersuchungen der Verwandtschaft konnten oft mehr als 40% Erblichkeit bei Spaltbildungen nachgewiesen werden. Auch wenn eine Ursache für die Spaltbildung gefunden zu sein scheint, kann oft unerkannt Vererbung vorliegen, da die verwandtschaftlichen Verhältnisse heutzutage weniger bekannt sind als früher. Je nach Erbgang dieses Gens können die Wiederholungsrisiken für Geschwister und Nachkommen unterschiedlich sein, so dass eine genetische Beratung unbedingt erforderlich ist. Die Wiederholungshäufigkeit von LKG-Spalten beträgt in einer Familie mit gesunden Eltern beim zweiten Kind 5%, bei einer isolierten Gaumenspalte 1,8%. Liegt bei einem Elternteil eine Spaltbildung vor und ist das erste Kind gesund, beträgt die Wahrscheinlichkeit einer LKG-Spalte beim 2. Kind 2, die Wahrscheinlichkeit einer isolierten Gaumenspalte 7%. Wenn bei einem Elternteil eine Spaltbildung besteht und beim ersten Kind ebenfalls eine solche vorliegt, liegt beim zweiten Kind die Wahrscheinlichkeit einer isolierten Gaumenspalte im Bereich von 14%, die einer LKG-Spalte bei 17.

 

Welche Schwierigkeiten und Störungen zeigen sich?

Bereits beim Säugling zeigen sich Ernährungsschwierigkeiten, weil der für das Saugen nötige Unterdruck in der Mundhöhle nicht erzeugt werden kann. Infolge des behinderten Lippenschlusses bilden sich Wundecken (Rhagaden) in den Mundwinkeln. Aufgrund von LKG-Spalten kann es zu

kommen.

Bei vielen Kindern mit LKG-Spalten kommt es zur Bildung von häufig auftretenden und lang andauernden Paukenergüssen, begleitet von Schwerhörigkeit in mehr oder minder hohem Ausmaß. Hörminderungen über einen längeren Zeitraum als 3 Monate bei einem Schwellenverlust ab 25 dB sind für Verzögerungen in der Sprachentwicklung verantwortlich zu machen. Pädaudiologische Untersuchungen sind ab dem 3. Lebensmonat erforderlich, um Befunde einer anhaltenden Hörminderung des Kindes rechtzeitig zu verwerten.

 

Die Primärversorgung

Die Behandlung im Säuglingsalter beginnt schon ab dem 3. Lebenstag. Ein Trinkplättchen aus Kunststoff verhütet die Ausbildung falscher Muskelfunktionen und ermöglicht kürzere Trinkzeiten bei normalem Schluckmodus. Nach dem operativen Verschluss der Lippen dient die Platte als Halte- und Stabilisierungselement, das ein Zusammenfallen der Oberkiefersegmente vermeiden hilft und bereits eine Reduktion der Spaltbreite bewirken kann. Die Behandlung des Milchgebisses wird meist ab dem 3. Lebensjahr durchgeführt und bezieht sich zumeist auf den Oberkieferzahnbogen. Ab dem 6. Lebensjahr beginnt die Behandlung im Wechselgebiss, die sich auf Knochendefekte und/oder Zahnfehlstellungen bezieht. Schwerwiegende Probleme in der Spätbehandlung stellen skelettale Veränderung im Aufbau des Gesichtsschädels dar, welche durch Wachstumsstörungen bedingt sind. Hier kommen kieferorthopädische Behandlungsmethoden zum tragen:

 

Die sprachtherapeutische Behandlung

Neben der rein logopädischen Behandlung ist bei Kindern mit offenem Näseln infolge LKG-Spalte zu bedenken, dass auch psychologische Problematiken und Verhaltensauffälligkeiten vorliegen können, die aus dem fehlenden Kontakt des Säuglings zur Mutter, den häufigen Operationen,  Arztbesuchen und Untersuchungen zum Teil in weit entfernten Kliniken resultieren. Diese bedürfen oft einer gezielten psychotherapeutischen Behandlung.
Die Behandlung von Kindern mit LKG-Spalten bezieht die Myofunktionelle Therapie (MFT) mit ein. Die Myofunktionelle Therapie liefert mit ihrer Konzeption einen direkten Zugriff therapeutischer Intervention. Auf der Grundlage der Analyse eines falschen Schluckverhaltens wird mittels der Myofunktionellen Therapie die gestörte Balance der Gesichtsmuskulatur beeinflusst und die physiologische Funktion der Zungenmuskulatur aufgebaut. Die Aktivierung der Gaumen-, Schlund- und Kehlkopfmuskulatur zur Reduzierung des Näselns und die Mobilisierung der vorderen Sprechmuskeln zur Flexibilisierung der durch die Operationen fixierten Gewebe gehört ebenso zur logopädischen Behandlung wie ein Training der Sprechatmung, die Hörerziehung und Schulung der Stimme sowie Hilfen beim Lauterwerb und bei der Lautkorrektur. Da Kinder mit LKG-Spalten häufig Defizite in diesen Bereichen haben, gehören auch Übungen zum Sprachverständnis, zum Wortschatzaufbau bzw. zur Wortschatzerweiterung, zur Sprechgeschicklichkeit, Ausdrucksfähigkeit und grammatischen Kompetenz zum logopädischen Programm. Die Prognose ist dabei umso günstiger, je eher diese Behandlung einsetzt. Eine ausführliche Beratung und Begleitung der Eltern ist obligatorisch.

Autor: Uwe Kurz

 

Informationen zum Thema
Lese-Rechtschreibschwäche

 

Was ist Lese-Rechtschreib-Schwäche?

Das häufig auch unter dem Namen »Legasthenie« bezeichnete Phänomen umschreibt die Schwierigkeit einiger Kinder, sich die korrekten orthographischen Regeln der Schriftsprache einzuprägen und praktisch anzuwenden. Dabei ist es von entscheidender Bedeutung, welche Ursachen diesen Problemen zugrunde liegen. Da sich der Schriftspracherwerb in mehrere Stufen unterteilen lässt, kann man letztlich nicht von »der« Lese-Rechtschreibschwäche sprechen. Sie ist je nach Kind individuell in unterschiedlichen Bereichen unterschiedlich stark ausgeprägt.

 

Ursachen der Lese-Rechtschreib-Schwäche

Zu den möglichen Ursachen einer Lese-Rechtschreib-Schwäche lassen sich unter anderem folgende ausgesuchte Aspekte zählen:

 

Umgang mit Lese-Rechtschreib-Schwäche

Grundsätzlich sollte der Begriff »Störung« in diesem Bereich vermieden werden, da Kinder zu voreilig stigmatisiert werden können. Dabei ist zu bedenken, dass die Betroffenen lediglich andere Lernstrategien entwickelt haben, die als Konsequenz dazu führen »hinterher zu sein«. Dabei ist auch der Weg der Wissensvermittlung nicht zu unterschätzen. Viele Wege führen nach Rom und je nach den Bedürfnissen des Kindes ist eine adäquate Lehrstrategie zu entwickeln, bei der sich der Schüler interessiert engagiert und eine Einsicht in die Bedeutung der Schriftsprache erhält. Eine statische Lehrposition ist daher eher bedenklich, leider jedoch im schulischen Alltag nicht immer gänzlich zu vermeiden. Kinder mit einer Lese-Rechtschreibschwäche sehen Sprache meist noch als kommunikatives Instrument, mit welchem Inhalte wie Meinungen, Stimmungen und Ideen durch Lautsprache vermittelt werden.

 

Therapie bei Lese-Rechtschreib-Schwäche

Entscheidend für den therapeutischen Prozess ist die Erkennung der vorliegenden Stufe des Schriftspracherwerbs sowie das Herausfiltern der Ursachen.  Von entscheidender Bedeutung ist es in den meisten Fällen, den Kindern die Freude an der (Schrift-) Sprache wiederzugeben und sie zu motivieren, Sprache weiter zu entdecken. Häufig stehen Frustrationserlebnisse und Angst einem entspannten Lernprozess im Weg, so dass zunächst geduldig eine Basis geschaffen werden muss, um dem Kind einen neuen Zugang zu neuem Terrain zu schaffen. Anders gesagt, muss die Schriftsprache zunächst eine »zweite Chance« bekommen, sich als freudige Angelegenheit zu beweisen. So kann unterstützend darauf eingewirkt werden, dass die Kinder ihre bisherige Lernstrategie modifizieren können, um erfolgreich und mit Spaß an die Möglichkeiten der Schrift heranzutreten.

 

Exemplarische Bausteine einer Therapiestunde

Dabei steht die Vermittlung eines positiven Sprachgefühls im Vordergrund. Wortschatzerweiterung, Übungen zur Schreibweise und Wortwitze- und Spielereien ergänzen diesen Bereich.

 

Die Abhängigkeit von gesprochener und geschriebener Sprache

Neben der gesprochenen Sprache, der so genannten Lautsprache, gibt es eine zweite wichtige Kommunikationsform: die Schriftsprache. Sie ermöglicht es uns, Gedanken festzuhalten, die in einer lautsprachlichen Unterhaltung möglicherweise untergehen würden, da die gesprochene Sprache sehr viel fluktuierender und rasanter vonstatten geht. Gerade darin bestehen mögliche Schwierigkeiten für den Lese-Rechtschreib-Erwerb.
Zum einen gibt es keinen direkten Ansprechpartner. Dies hat zur Folge, dass die Sprache nun nicht mehr aus einem kommunikativen Hintergrund benutzt wird, also etwa um sich mit jemandem zu unterhalten, sondern in abstrahierter Form als gedanklicher Ausdruck der eigenen Ideen. Somit muss sich der Schreiber zunächst bewusst sein, was er verschriftlichen möchte. Im Gegensatz zur Lautsprache, wo sich viele Gedanken aus der Situation heraus ergeben, verlangt die Schriftsprache eine konkrete Motivation.
    Zum anderen gibt es keine außersprachlichen Ausdrucksmerkmale wie Gestik, Mimik oder Intonation. Das heißt, die Inhalte, vor allem aber die Form der Aussage stehen im Mittelpunkt des Geschehens, welche nicht durch das persönliche Auftreten unterstrichen werden können. Dieses Merkmal verstärkt nochmals den abstrakten Charakter der Schriftsprache, was gerade für Kinder eine besondere Herausforderung darstellt, da sie zunächst noch an sehr konkrete Vorstellungen gebunden sind: »Womit fängt Auto an?« - »Mit der Stoßstange.« (Q.: Valtin 1988, 13). Das Beispiel zeigt, dass gerade ABC-Schützen häufig Schwierigkeiten haben, sich der Form der Sprache zu widmen und sich von dem Inhalt einer Aussage zu lösen. Sprache muss also zunächst reflektiert und in Inhalts- und Ausdrucksseite unterschieden werden. Dabei ist zu betonen, dass die eigene Aussprache eine zentrale Rolle spielt.
    Zwar streiten sich die Wissenschaftler noch darüber, ob ein Kind mit einer Aussprachestörung mit dem Erwerb der Schriftsprache weitere Probleme bekommt oder ob diese zusätzliche Auseinandersetzung mit Sprache sogar förderlich auf die Beseitigung der bestehenden Sprechstörung einwirken kann. Tendenziell wird von letzterem ausgegangen. Durch die Schrift werden dem Kind sprachliche Prozesse bewusster, so dass es gewisse Regelhaftigkeiten auch in seine Lautsprache übertragen kann.

 

Mit freundlicher Genehmigung der Autorin: Vera Lüttgen

 

Informationen zum Thema
Myofunktionelle Störungen

 

Was ist eine myofunktionelle Störung?

Bei einer myofunktionellen Störung sind Muskelspannung und Bewegungsmuster der äußeren und inneren Mundmuskulatur in einer Weise gestört, dass es zu

kommen kann. Falsches Schluckverhalten kann seinerseits zu

Im Normalfall sind die Kräfte der Zunge und der übrigen Mundmuskeln ausgeglichen, sodass ein Kräftegleichgewicht herrscht.
Bei einer myofunktionellen Störung ist der von der Zunge ausgeführte Schluckvorgang meist derart gestört, dass die Zunge anstatt gegen den harten Gaumen zu drücken gegen oder zwischen die Front- oder Backenzähne presst. Dadurch ist die Zunge alleine nicht mehr in der Lage, Speichel, Speisen oder Getränke dahin zu transportieren, von wo aus der unwillkürliche Weitertransport geschieht. Die umgebenden Mundmuskeln (Lippen, Kaumuskeln, Kinnmuskel etc.) müssen nun helfen, das entstandene Ungleichgewicht zu kompensieren.

 

Welche Auffälligkeiten zeigen sich noch?

Die Lippen
sind in Ruhe häufig geöffnet. Bei einer gleichzeitigen Kiefer- oder Zahnfehlstellung können die oberen Schneidezähne auf die Unterlippe beißen. Die Oberlippe ist durch einen offenen Mund häufig verkürzt und hochgerollt, die Unterlippe ist oft wulstig verdickt. Manchmal werden die Lippen auch gewohnheitsmäßig geleckt, sie werden rot oder rissig, beim Schlucken sind sie zu schlaff oder extrem zusammengepresst.

Die Zunge
liegt meist nicht in der korrekten Ruhelage (im Idealfall hat die Zungenspitze einen leichten, flächenhaften Kontakt mit dem harten Gaumen hinter den oberen Schneidezähnen, ohne diese zu berühren), sondern liegt auf dem Mundboden und legt sich an oder zwischen die Zähne. Beim Schlucken hebt sich der Zungenmittelteil nicht an den harten Gaumen, die Zungenspitze drückt gegen oder zwischen die Zähne. Die Zungenränder sind oft verdickt, gerötet oder zeigen Abdrücke der Zähne. Die Zungenbeweglichkeit ist häufig eingeschränkt. Möglicherweise liegt ein verkürztes Zungenbändchen (Ankyloglossie) vor.

Kiefer und Gaumen
sind meist wenig ausgeprägt, da die formbildende Kraft der Zunge am Gaumen fehlt. Der Kiefer wirkt dreieckig, der Gaumen ist mitunter hoch und spitz.

Die Aussprache
ist häufig durch »Lispeln« der Laute s, z und / oder sch gestört. Mitunter werden diese Laute auch seitlich »gezischelt«. Eine myofunktionelle Störung muss nicht zwangsläufig mit einer sprachlichen Auffälligkeit einhergehen.

Die Körperhaltung
ist häufig schlaff oder zu verspannt, mitunter auch aus dem »symmetrischen Gleichgewicht«.

Die Zwerchfellfunktion
kann durch eine fehlerhafte Körperhaltung eingeschränkt sein. Die Spannung für die Bauchatmung fehlt.

Die Atmung
geschieht häufig durch den Mund, wobei die Zunge auf dem Mundboden liegt. Folge sind verstärkt Erkältungskrankheiten und Infektionen der Atemwege. Ihr HNO–Facharzt sollte feststellen, ob organische Ursachen für die Mundatmung vorliegen (z. B. Allergien, Polypen ...).

 

Wie kommt es zu Störungen der Mundmuskelbalance?

Ursachen für eine myofunktionelle Störung können sein:

Selten kann dabei genau festgestellt werden, welche Faktoren ursächlich für das Entstehen einer myofunktionellen Störung verantwortlich sind. Häufig treten mehrere Symptome gleichzeitig auf und erhalten sich in ihren Fehlfunktionen gegenseitig aufrecht.

Beispiele für mögliche »Kettenreaktionen«:


Mundatmung durch vergrößerte Polypen

Pfeil nach unten

fehlender Mundschluss

Pfeil nach unten

falsche Zungenruhelage

Pfeil nach unten

falsches Schlucken

Pfeil nach unten

Zahnfehlstellungen

Pfeil nach unten

Aussprachestörung
 


Daumenlutschen

Pfeil nach unten

Zahnfehlstellung (offener Biss)

Pfeil nach unten

falsches Schlucken
(Zunge gleitet in die Öffnung)

Pfeil nach unten

Aussprachestörung

Pfeil nach unten

Mundatmung

 

Was kann man tun?

Bereits im Säuglingsalter kann durch ausreichend langes Stillen die Grundlage für eine gute Gesichtsmuskelbalance gelegt werden, indem die Mund- und Zungenmuskeln durch die natürliche Ernährung  in ihren physiologisch richtigen Bewegungen trainiert werden. Kann auf eine Flaschenernährung nicht verzichtet werden, sollte der Sauger eine natürliche Form besitzen, wodurch die Zunge nicht auf den Mundboden gedrückt wird (z. B. Playtex–Sauger. Fragen Sie in Ihrer Apotheke). Auf keinen Fall darf die am Sauger befindliche Öffnung nachträglich vergrößert werden.
Angewohnheiten wie Daumenlutschen, Nuckeln an Schnuller, Teeflasche oder anderen Objekten sollten möglichst frühzeitig abgewöhnt werden (bzw. es sollte erst gar nicht dazu kommen), um einer Verformung des Kiefers oder einem lutschoffenen Biss vorzubeugen. Liegt bereits ein offener Biss (oft in Gesellschaft einer S-Laut–Fehlbildung) vor, kann bereits ab dem 3. Lebensjahr durch den Einsatz einer sog. Mundvorhofplatte eine Korrektur eingeleitet werden. Mundvorhofplatten sind Kunststoffgebissschienen, die die Zähne und den Kiefer während des Tragens in die rechte Position lenken und ein Durchrutschen der Zunge zwischen die Zähne verhindern sollen.
Es gibt unterschiedliche Ausführungen aus festem oder weichem Kunststoff mit oder ohne weitere Regulationshilfen für die Zungenfunktion. Fragen Sie hierzu Ihren Kinderarzt, Zahnarzt, Kieferorthopäden, Logopäden oder Sprachtherapeuten.
    Bis zum 10. Lebensjahr kann sich ein fehlerhaftes Schluckverhalten noch selbst korrigieren. Danach ist eine Veränderung des Schluckens nur noch mit therapeutischer Unterstützung möglich.

 

Wie läuft eine myofunktionelle Therapie ab?

In der Regel wird eine myofunktionelle Therapie von Logopäden oder Sprachheilpädagogen mit dem entsprechenden Fachwissen, seltener von Kieferorthopäden oder deren Hilfskräften durchgeführt.
Dabei wird zunächst großer Wert gelegt auf den Abbau und die Abgewöhnung eventuellen Lutschverhaltens an Fingern, Schnullern oder anderen Objekten. Danach folgt die Bewusstmachung und Einübung der korrekten Zungenruhelage, Übungen zur Kräftigung und Flexibilisierung der Zungen- und Gesichtsmuskeln flankieren diese Maßnahme.
    Bevor das eigentliche Training des »richtigen« Schluckens beginnt, werden weitere Übungen für die Zunge, insbesondere für deren Mittelteil durchgeführt. Das Einüben des korrekten Schluckvorganges beginnt im allgemeinen mit dem bewussten Schlucken fester Nahrung und wird im weiteren Verlauf dann auch auf das Flüssigschlucken ausgedehnt. Können ganze Mahlzeiten und Getränke richtig geschluckt werden, ist es wichtig, dass das neue Verhalten das bisherige Schluckmuster ersetzt und immer öfter »automatisch« abläuft.

Endziel der myofunktionellen Therapie ist eine ausgeglichene Gesichtsmuskel–Balance und darauf aufbauend der unwillkürlich korrekt ablaufende Schluckvorgang.

 

Autor: Uwe Kurz

 

Informationen zum Thema
Mutismus

 

Was ist Mutismus?

Wir alle kennen das: es gibt Situationen, in denen fühlt man sich so unwohl, dass man, wenn man sie schon nicht gänzlich vermeiden kann, es vorzieht nichts bzw. so wenig wie möglich zu sagen. Dementsprechend ist es auch ein durchaus nachvollziehbares Phänomen, wenn Kinder in unbekannten Situationen und/oder gegenüber ihnen fremden Personen so verängstigt erscheinen, dass sie schweigen.

Behalten Kinder, Jugendliche oder auch Erwachsene dieses Schweigen jedoch bei, auch wenn die Situation und die jeweils anwesenden Personen  bereits vertrauter sind, spricht man (im Gegensatz zum totalen Mutismus, also dem generellen Verzicht auch jede Form von Lautäußerungen) von selektiv (elektiv) mutistischem Verhalten (lat.: mutus = stumm).
    Selektiver Mutismus wird als eine psychische Störung vom Mutismus bei Psychosen und vom Mutismus bei hirnorganisch bedingten Störungen abgegrenzt und ist im Rahmen dieser Ausführungen die Grundlage, da diese Kommunikationsstörung in das Arbeitsfeld der Sprachheilpädagogik/Logopädie fällt. Selektiver Mutismus drückt aus, dass die Kommunikation durch partielles Schweigen beeinträchtigt ist. Solche Kinder (im weiteren wird der Schwerpunkt auf diese Personengruppe gelegt) reden in ihren Familien oder mit ihren vertrauten Freunden, »verstummen« aber im Kindergarten, in der Schule, bei entfernteren Verwandten. Dabei können u. U. auch sämtliche andere lautlichen Äußerungen betroffen sein (kein Lachen, tonloses Weinen; Unterdrückung von Husten oder Schmerzempfinden etc.). Man darf dieses Schweigen der Kinder, trotz der Fähigkeit, Sprache zu verstehen und zu produzieren, jedoch keinesfalls als bewusst gesteuertes Verhalten bewerten. Vielmehr leiden sie selbst unter der Situation und können diese auch im vertrauten Umfeld nicht erklären.
    Daher ist der selektive Mutismus differentialdiagnostisch abzugrenzen vom Schweigen als bewusster Vermeidungsstrategie oder als situativer Reaktion, wie beispielsweise

Quelle:
Schoor, U.: Mutismus
in: Grohnfeldt (Hrsg.): Lehrbuch der Sprachheilpädagogik und Logopädie. Bd. 2, Stuttgart 2001

 

Zum Entwicklungsverlauf des Mutismus

In der Fachliteratur wird der durchschnittliche Beginn von selektiv mutistischem Verhalten zwischen 3. und 4. Lebensjahr angegeben. Dieser frühe Beginn begründet sich mit dem ersten Übergang der Kinder vom vertrauten Familienumfeld zum unvertrauten größeren sozialen Umfeld (in der Regel Kindergarten oder Kindertagesstätte). In dieser neuen Situation gilt es sich zu behaupten und einzugliedern, wozu Kommunikation erforderlich ist. Für ohnehin sehr ängstliche und schüchterne Kinder, denen eine Trennung von den Eltern schwer fällt, kann dies eine angstauslösende Überforderung bedeuten. Auch der Übergang in die Schule stellt eine belastende Phase dar, die selektiv mutistisches Verhalten hervor rufen bzw. verstärken kann.
    Daher ist der weitere Entwicklungsverlauf im hohen Maße davon abhängig, inwieweit es gelingt, solche Kinder möglichst ohne Druck und Angstgefühle ins (außer-)unterrichtliche Geschehen zu integrieren. Oftmals nehmen verbale Äußerungen mit wachsendem Sicherheitsgefühl und Vertrauen zu, auch wenn generell ein eher schüchternes Verhalten bestehen bleibt.

 

Was kann die Sprachtherapie leisten?

Wie bereits angedeutet, ist zunächst natürlich eine umfassende diagnostische Abklärung des individuellen Falls zwingend erforderlich. Sind medizinische Ursachen oder traumatische Erlebnisse ausgeschlossen, erweist sich die Sprachheilpädagogik als die Disziplin, die sich mit dem in seiner Kommunikationsfähigkeit beeinträchtigten Menschen befasst. Dabei ist zunächst nicht das Schweigen an sich als Störung betrachtet. Vielmehr sind es die Auswirkungen des Schweigens, die sich zu einer Störung in der normalerweise wechselseitigen Kommunikation manifestieren. Dementsprechend sind jeweils beide Kommunikationspartner betroffen, d.h., insbesondere auch das Umfeld solcher Kinder mit selektiv mutistischem Verhalten ist hilflos, verunsichert und oftmals überfordert (insbesondere hinsichtlich Schule, Leistungsüberprüfungen, Noten etc.).
    Es gibt in der Therapie von mutistischen Kindern keinen vorgefertigten Therapieplan, nach dem man vorgehen kann und einen Erfolg versprechen kann. Es darf auch keinesfalls ehrgeiziges Therapieziel sein, dem Kind endlich ein Wort zu entlocken! Wichtig ist dagegen, dem Kind Möglichkeiten zu schaffen, sich angstfrei zu fühlen und nach eigenem Bedürfnis über alternative Kommunikationswege Nähe und Distanz regulieren zu können und zunächst JA/NEIN-Entscheidungen treffen zu können. Dabei sollten die Interessen des Kindes den Mittelpunkt der gemeinsamen Interaktionen bilden, so dass es sich in seiner Selbstwirksamkeit erleben kann und an Selbstbewusstsein zunimmt, so dass einer sich möglicherweise entwickelnden Sozialphobie bereits möglichst früh begegnet werden kann. 
    Darüber hinaus sollten auch die sprachlichen Ressourcen über individuell angemessene Zugänge spielerisch erweitert werden, denn trotz der diagnostischen Abgrenzung zu Sprachentwicklungsstörungen (s.o.), zeigt sich in der Praxis häufig eine Grauzone, da oftmals auch die Angst und Unsicherheit aus einer Hilflosigkeit in sprachlichen Anforderungssituationen resultiert.

 

Mit freundlicher Genehmigung der Autorin: Kathrin Werner

 

Informationen zum Thema
Mundvorhofplatte

 

Was ist eine Mundvorhofplatte?

Schon 1965 wurde die Mundvorhofplatte (MVP) von Dr. E. Schönherr (Radebeul/Dresden) in der Zahnmedizin als vorbeugende Maßnahme zur wirkungsvollen Vermeidung von Kieferanomalien und Zahnfehlstellungen eingeführt. Sie ist als geeignetes Behandlungsmittel anerkannt. Die Mundvorhofplatte liegt lose vor den Zähnen und wird mit den Lippen gehalten. Durch das stundenweise bewusste Tragen der Platte am Tage kann der Lippenschlussreflex trainiert werden, damit die Mundvorhofplatte auch in der Nacht unbewusst festgehalten wird.

 

Was sind die Ziele der Mundvorhofplattenbehandlung?

Das Hauptziel der Mundvorhofplatten-Behandlung ist die Behebung schädlicher Lutschgewohnheiten und anderer Fehlfunktionen von Lippen oder Zunge. Liegen bereits Zahnfehlstellungen im Milchgebiss vor, kann durch das Tragen der Mundvorhofplatte eine Selbstregulierung sowie die normale Kieferentwicklung eingeleitet oder unterstützt werden. Die Mundvorhofplatte dient als Ersatz für Daumen, Beruhigungssauger, Dauernuckelflasche oder andere Lutschkörper. Freiwillig und ohne Zwang kann mit diesem Hilfsmittel das Lutschen  abgewöhnt werden. Doch nicht nur bei der Beseitigung der Lutschgewohnheiten ist die Mundvorhofplatte angebracht, sondern auch bei

 

Wie wird die Mundvorhofplatte angewendet?

Der Erfolg einer Mundvorhofplatten-Anwendung ist aber erst nach Vollendung des 3. Lebensjahres zu erwarten. Dann ist der freiwillige Austausch gegen einen Sauger oder eine Nuckelflasche möglich. Nach Vollendung des 4. Lebensjahres kann mit der Akzeptanz einer Mundvorhofplatte zur Abgewöhnung von Lutschverhalten gerechnet werden. Aus diesem Grund ist es wichtig, diese erworbenen Angewohnheiten so früh und so schnell wie möglich abzustellen und das normale Gleichgewicht zwischen Zunge einerseits und Lippen und Wangendruck andererseits wiederherzustellen, die Zungenlage zu trainieren, die Nasenatmung einzustellen und gegebenenfalls Zahnstellungsanomalien zu korrigieren.

 

Autor: Uwe Kurz

 

Informationen zum Thema
Rhinophonie (Näseln)

 

Was ist »Näseln«?

Näseln (Rhinophonie) ist eine Störung, bei der die oberen Resonanzräume (Nasenrachenraum und Nasenhöhlen) die Lautbildung pathologisch beeinflussen. Eigentlich handelt es sich bei dieser Störung um eine Veränderung des Stimmklanges, jedoch kommt es im Rahmen dieser Störung auch zu Lautveränderungen und/oder Lautverschiebungen. Normalerweise werden die meisten deutschen Laute im mittleren Rachen und in der Mundhöhle gebildet. Ausnahmen sind die Nasallaute /m/, /n/ und /ng/. In der Praxis heißt das, der tönende Luftstrom tritt in der Regel durch die Mundhöhle aus. Dies ist dann möglich, wenn ein Abschluss des mittleren Rachens gegen den Nasenrachenraum erfolgt. Dafür verantwortlich ist in erster Linie das Gaumensegel mit seinen Muskeln. Neben seiner Bedeutung für Stimm- und Lautbildung ist der weiche Gaumen an Atmung, Saugen, Schlucken und Belüften des Innenohres.

 

Welche Formen des Näselns können unterschieden werden?

Bei Funktionsstörungen der beteiligten Muskeln des Nasenrachenraumes und des Gaumensegels kann die Nasenresonanz

an der Klangbildung beteiligt sein.

Beim Sprechen und Pusten erfolgt der Abschluss zum Nasenrachenraum durch Heben des Gaumensegels. Jede Funktionsstörung der beteiligten Muskeln führt zur übermäßigen Beteiligung des Nasenresonanzraumes, d.h. der tönende Luftstrom dringt durch die Nase nach außen, da der lückenlose Abschluss des Nasenresonanzraumes durch das Gaumensegel nicht mehr gewährleistet ist. Die daraus resultierende Störung ist das offene Näseln, das durch den so genannten nasalen Durchschlag gekennzeichnet ist. Bei Insuffizienz des Gaumensegels versuchen andere Muskeln die fehlende Spannung an der Rachenhinterwand zu kompensieren.
    Das geschlossene Näseln zeigt sich, wenn Behinderungen im Nasenrachenraum vorliegen, die es nicht zulassen, dass der Luftstrom durch die Nase austritt (Stockschnupfensprache).
    Das gemischte Näseln tritt auf, wenn zum fehlenden oder mangelhaften Verschluss des Gaumenrachens gleichzeitig eine Nasenundurchgängigkeit vorliegt.

 

Die Differenzierung zwischen Näseln und Nasalität

In Abgrenzung zum pathologischen »Näseln« lässt sich eine physiologische Nasenresonanz auch im deutschen Lautbestand finden. So gibt es zunächst einmal die Nasallaute /m/, /n/, /ng/, die eine starke Mitbeteiligung der Nasenhöhlen und des Nasenrachenraumes aufweisen. Je nach den begleitenden Lauten ist auch eine Nasalierung einzelner Vokale physiologisch (in anderen Sprachen z.B. im Französischen wesentlich stärker und häufiger als im Deutschen). Dabei erfahren die Vokale im Umfeld der Nasallaute (z.B. bei Mann, nun, nein, niemand usw.) eine verstärkte Nasalierung, während bei Vokalen in Verbindung mit Verschlusslauten (z.B. bei satt, Kitt, Watt ...) keinerlei Beteiligung der Nasenräume zu verzeichnen ist.
    Unter Nasalität versteht man jedoch auch, wenn beim normalen Sprechen und Singen aus klangästhetischen Gründen eine übermäßige resonatorische Mitbeteiligung der Nasenräume angestrebt wird. So dringen unter gewissen bewusst gebildeten Bedingungen Tonwellen in die Nasen- und Nasenrachenhöhle ein. Dadurch kommt es zur Verstärkung einiger Obertöne, wodurch die Stimme mehr Tragfähigkeit erfährt und die Anstrengung der Kehlkopfmuskulatur vermindert wird.

 

Zusammenfassend kann man sagen, dass es sich bei der Nasalität um eine erwünschte Nasenresonanz handelt, während das Näseln immer als pathologische Veränderung des Stimmklanges zu sehen ist.

 

Welche Ursachen führen zum Näseln?

Ursachen für das offene Näseln können organisch bedingt oder funktionell sein. Am häufigsten tritt offenes Näseln bei einer angeborenen Gaumen- oder Kiefer-Gaumenspalte auf.  Es gibt auch einige Fälle, in denen ein genetisch bedingtes verkürztes Gaumensegel vorliegt, welches einen guten Abschluss verhindert. Lähmungen infolge einer Gehirnentzündung (Enzephalitis) oder eine angeborene Schwäche der Gaumensegelmuskeln, eine allgemeine Schlaffheit in der Körperspannung (Hypotonie) sowie eine beibehaltene Angewohnheit (z.B. Schonhaltung nach einer Mandel- oder Polypenentfernung) können Ursache des offenen Näselns sein.
   Geschlossenes Näseln wird in der Mehrzahl der auftretenden Fälle durch organisch bedingte raumverengende Verhältnisse im Nasenrachenraum hervorgerufen z.B. durch Nasenpolypen, allergische Reaktionen, welche sich auf die Nasenschleimhaut auswirken, eine verkrümmte Nasenscheidewand, Tumoren in diesem Bereich sowie bei insbesondere im Kindesalter auftretende Vergrößerungen der Rachenmandeln. Bei fehlendem oder mangelhaftem Verschluss des Gaumenrachens und einer gleichzeitig vorliegenden Behinderung der Nasendurchgängigkeit kommt es zum gemischten Näseln.

 

Therapie des Näselns

Zunächst ist dafür Sorge zu tragen, dass die anatomischen Verhältnisse soweit korrigiert werden, dass theoretisch ein gesunder Klang möglich ist (Verschlussoperation bei einer Gaumen- oder Kiefer-Gaumenspalte, Entfernung von Tumoren, Wucherungen z.B. der Gaumenmandeln, Begradigung der Nasenscheidewand usw.). Die anschließende logopädische Therapie bezieht die folgenden Bereiche mit ein: Bewusstmachung der Luftwege und der Atemführung insbesondere auch der Nasenatmung, die Aktivierung der Muskulatur von Gaumen, Schlund und Kehlkopf unter Einbeziehung der grobmotorischen Muskeln, Mobilisierung der vorderen Sprechmuskeln wie Lippen und Zunge, Training der Sprechatmung, Schulung von Hören und Stimmführung, (falls erforderlich) Hilfen beim Lauterwerb und bei der Lautkorrektur sowie Sprech- und Sprachschulung.

 

Autor: Uwe Kurz

 

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Schlaganfall

 

Schlaganfall - Was ist das?

Unter »Schlaganfall« (Apoplex) versteht man Durchblutungsstörungen des Gehirns die länger als 24 Stunden andauern. Der dabei entstehende Sauerstoffmangel beeinträchtigt die so stark, dass es zu Lähmungserscheinungen, Sprachproblemen und/oder Sehschwierigkeiten kommen kann. Da jeweils andere Gehirnbereiche von der Blutversorgung getrennt sein können, fallen auch die Beschwerden zumeist unterschiedlich aus. Von großer Bedeutung ist dabei, ob die linke oder die rechte Hirnhälfte betroffen ist, da sich die Lähmungserscheinungen stets auf der gegensätzlichen Körperseite bemerkbar machen: Bei Durchblutungsstörungen in der linken Hirnhälfte kommt es zu Lähmungen auf der rechten Körperseite. Bei Rechtshändern befindet sich das Sprachzentrum in der linken Hirnhälfte, so dass neben den Lähmungserscheinungen auch Probleme des Sprechens und des Sprachverständnisses auftreten können. Frühzeitig erkannt und behandelt, können sich die Beschwerden innerhalb weniger Wochen zurückbilden. Erfolgt die Behandlung des Schlaganfalles zu spät, so sterben zu viele Gehirnzellen auf Grund des Sauerstoffmangels ab und es kommt zu massiven bleibenden Ausfällen.

In Hinsicht auf ihre Ursachen und Auswirkungen unterscheidet man mehrere Formen des Schlaganfalles:

 

Der Mini-Schlaganfall (TIA)

Als »TIA« (transitorische ischämische Attacke) bezeichnet man Durchblutungsstörungen des Gehirns mit weniger als 24 Stunden anhaltenden Beschwerden. Diese können sich durch flüchtige Schwächegefühle oder Gefühlsstörungen in Armen, Beinen oder Gesicht, aber auch durch Sprach- und Sehstörungen bemerkbar machen. TIAs sind schmerzfrei und in der Regel bleiben keine Beschwerden zurück, so dass sie leider häufig unbeachtet bleiben. Aber jeder dritte bis vierte Betroffene muss in den folgenden fünf Jahren mit einem »richtigen« Schlaganfall rechnen. Jeder fünfte TIA-Betroffene stirbt irgendwann an einem Schlaganfall oder Herzinfarkt. Deshalb gilt:

Lassen Sie sich nach einer solchen Attacke auf jeden Fall sofort von einem Arzt untersuchen!

 

Welches sind die Warnzeichen eines Schlaganfalles?

Bei den folgenden Symptomen sollten Sie umgehend einen Arzt aufsuchen:

 

Welches sind die Risikofaktoren?

Für das Auftreten eines Schlaganfalles können verschiedene Faktoren als Ursache in Frage kommen, die in Kombination die Schlaganfallgefährdung erhöhen. Dabei unterscheidet man beeinflussbare und nicht beeinflussbare Risikofaktoren. Als nicht beeinflussbare Risikofaktoren gelten:

Beeinflussbare Risikofaktoren sind:

 

Wie kann man aktiv vorbeugen?

Wenn Sie die folgenden Hinweise beherzigen, können sie das Risiko, einen Schlaganfall zu erleiden deutlich verringern:

Hören Sie mit dem Rauchen auf
und ihr Schlaganfallrisiko verringert sich um die Hälfte. Nach zehn Jahren Nikotinabstinenz sind ehemalige Raucher nicht stärker gefährdet als Nichtraucher.

Bewegen Sie sich mehr und regelmäßiger
Bewegung verringert das Körpergewicht, senkt den Blutdruck und schützt vor Herzkrankheiten, die bekanntlich das Schlaganfallrisiko erhöhen.

Essen und trinken Sie gesund
Bewusste Ernährung senkt das Körpergewicht, den Blutfettanteil und hilft, den Blutdruck zu normalisieren. Insbesondere sollte das Augenmerk auf zuviel gesättigte Fettsäuren, Kochsalz und Alkohol gerichtet werden. Ernähren Sie sich ausgewogen, ballaststoffreich und fettarm um der Arteriosklerose vorzubeugen. Folgende Lebensmittel können helfen, das Risiko eines Schlaganfalles zu vermindern: Obst, Gemüse, Kartoffeln, Getreideprodukte, Meeresfisch, Olivenöl, fettarme Milchprodukte, schwarzer Tee.

Übrigens:
Auch wenn Sie Acetylsalizylsäure (Aspirin, ASS...) als »Blutverdünner« einnehmen, sollten Sie sich nicht in Sicherheit wiegen, sondern für zusätzlichen Schutz durch regelmäßige Bewegung, Gewichtsreduktion oder Nikotinabstinenz sorgen. Es werden lediglich 20-25% des Risikos durch Einnahme von »Blutverdünnungsmitteln« gemindert. 75-80% Restrisiko bleiben bestehen.

 

Autor: Uwe Kurz

 

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Sprachentwicklungsverzögerung

 

Was ist eine Sprachentwicklungsverzögerung?

Man spricht von gestörter Sprachentwicklung, wenn es zu deutlichen zeitlichen Verzögerungen und/oder anders als normal verlaufenden Entwicklungen in mehreren sprachlichen Bereichen kommt. Als Faustregel gilt das Alter von ca. vier Jahren. Spricht ein Kind dann noch auffällig anders als andere Kinder, sollte es dringend Fachleuten vorgestellt werden. Bereits vorher bestehen häufig Anzeichen, die eine gestörte Sprachentwicklung wahrscheinlich machen:

 

Entwicklungsstörungen der Aussprache

Aussprachestörungen (Dyslalien) treten häufig im Kindesalter auf. Dabei werden von Kindern ein oder mehrere Laute nicht oder nicht richtig gebildet, oder sie kennen die Regeln noch nicht, die gebraucht werden, um einen Laut richtig einzusetzen. Dabei kommt es zu verschiedenen Fehlerarten. Manchmal wird beispielsweise ein Laut:

Je mehr Laute betroffen sind, desto unverständlicher wird die Aussprache des Kindes. Doch wie Sie anhand der kleinen Beispiele erahnen, kann es selbst bei einem einzelnen fehlerhaften Laut bereits zu gravierenden Missverständnissen kommen. Vor allem dann, wenn dadurch Bedeutungsunterschiede, wie an dem Wortpaar »Kanne - Tanne« deutlich wurde, nicht entsprechend lautlich gekennzeichnet sind.

 

Entwicklungsstörung des Wortschatzes

Probleme zeigen sich sowohl in einem reduzierten Umfang an »Wörtern« sowie in spezifischen Lösungsstrategien des Kindes bei sprachlichen Anforderungen. Eine beobachtbare Strategie ist, unbekannte Wörter zu ersetzen. Dies kann auf verschiedene Weise geschehen, z. B. durch Umschreibung. So bezeichnete ein Kind beispielsweise ein Glas Limonade als »Glas mit Gelbes drin«. Manchmal antworten sprachgestörte Kinder mit Wörtern aus dem benachbarten Umfeld dessen, was sie sagen wollen. Zum Beispiel benannte ein Kind die Abbildung einer Nase als Ohr, eine Laterne als Lampe bzw. Taschenlampe, eine Zitrone als Aprikose sowie einen Rock als Kleid. Deutlich wird hier, dass es sich nicht lediglich um einen einzelnen Versprecher handelt, sondern um eine systematische Fehlleistung. Oft finden Annäherungen statt, so als erarbeite sich das Kind das Zielwort über »Eselsbrücken«, was sich in folgender Wortreihe widerspiegelt: »Schuhe - nein, Schuhmann - nein, - Schuster!«
    Diese Formen und Beispiele von Ersetzungen ließen sich noch fortsetzen. Sie zeigen uns, dass die Wörter im »Kinderlexikon« fehlen, der schnelle Zugriff darauf erschwert ist oder die Bedeutung eines Wortes noch nicht ausdifferenziert ist. Wenn Kinder um ihre Schwierigkeiten wissen, versuchen sie teilweise geschickt den Situationen aus dem Weg zu gehen, indem sie bestimmte Spiele oder Aufgaben meiden. Andere wiederum schweigen, sind wortkarg oder greifen auf frühkindliche Verständigungsmöglichkeiten zurück. Dies kann nichtsprachlich durch das Zeigen auf einen Gegenstand geschehen oder sprachlich durch »Zeige-Wörter« wie »das da« oder »die da«. Manche Kinder führen ihr Gegenüber zu dem Gegenstand, den sie meinen.

 

Grammatik

Wendet ihr Kind im Alter von ca. vier Jahren die Regeln für die Stellung und Formung der Tätigkeitswörter bei einfachen Sätzen überwiegend fehlerhaft an, ist dies ein herausragender Hinweis auf eine Störung der Grammatikentwicklung (Dysgrammatismus). Charakteristisches Kennzeichen für diese gestörte Entwicklung ist, gebeugte Tätigkeitswörter bei einfachen Aussagesätzen an das Satzende zu stellen. Oder aber bei richtiger Position im Satz eine unpassende Form auszuwählen, die mit anderen Satzteilen nicht übereinstimmt. Bei Sätzen wie

sind daher weitere Beobachtungen notwendig. Oft ist dies nur die »Spitze des Eisberges«. Der Artikelgebrauch sowie die Mehrzahlbildung bei Hauptwörtern und deren Eingliederung in einfachen Sätzen bereitet sprachentwicklungsgestörten Kindern ebenfalls Probleme, wie in folgendem kurzen Gespräch sichtbar wird:

Andere Abweichungen kommen meist hinzu, wie beispielsweise der unzutreffende Einsatz der Hilfsverben »sein« und »haben« in folgenden Kinderäußerungen:

Deutlich wird hieran ebenfalls, dass die korrekte Verwendung von Präpositionen schwer fällt - und das in der Regel auch noch über das 4. Lebensjahr hinaus. Sprachgestörte Kinder benutzen jedoch auffällig oft lediglich eine bestimmte Präposition durchgehend (wie hier: »bei die«) als Platzhalter für die sprachliche Einheit. Eine besondere Herausforderung stellen für sie weiterhin solche sprachlichen Feinheiten wie die Anwendung von grammatischen Fällen innerhalb von Sätzen dar: »Ist das ein echter Ei?« statt »Ist das ein echtes Ei?«.

 

Entwicklungsstörungen des Redeflusses

Kinder zeigen während der Sprachentwicklung vielfältige Formen unflüssigen Sprechens, die im Zusammenhang mit der allgemeinen Sprachentwicklung stehen. Sie erfordern einen geduldigen und sprachmotivierenden Umgang, sind jedoch in aller Regel nicht behandlungsbedürftig. Es gibt allerdings Redeunflüssigkeiten, die sich hinsichtlich der Art und der Häufigkeit von den zuvor geschilderten unterscheiden.
Folgende Merkmale werden als Anzeichen für beginnendes Stottern gewertet:

Viele Kinder entwickeln ungünstige Strategien wie Vermeiden bestimmter Wörter, Mitbewegungen anderer Körperteile etc., um solche Auffälligkeiten zu überwinden. Dies wird umso eher der Fall sein, wenn sein Umfeld unangemessen damit umgeht. Bei einigen Kindern ist die Sprechgeschwindigkeit erhöht. Hinzu kommt u. a., dass sie beim Sprechen Teile eines Wortes auslassen oder umstellen. Diese Form von Redeunflüssigkeiten nennt man »Poltern«.

 

Ursachen

Bei der Frage nach den Ursachen muss man sowohl physiologische als auch psycho-soziale Faktoren in Betracht ziehen. Verursachende Bedingungen im physiologischen Bereich betreffen die Körperbeschaffenheit und die Funktionsweise von Organen und Organgruppen. Hier können beispielsweise Fehlbildungen der Sprechwerkzeuge (Mund, Kehlkopf und Nasen-Rachenraum), hirnorganische Störungen, Hörstörungen oder Schwächen in verschiedenen Teilleistungsbereichen wie Verarbeitung von Sinnesreizen, insbesondere von Gehörtem eine Rolle spielen. Mit »psycho-sozial« ist der enge Zusammenhang von sozialen Bedingungen und psychischem Erleben und Verhalten gemeint. Kinder und ihre Eltern leben heute teilweise unter erschwerten Lebensbedingungen: eine hohe Arbeitslosenquote, berufliche Anforderungen, ein eingeschränkter kinderunfreundlicher Lebensraum, ein verändertes Freizeitverhalten, das durch vermehrten passiven Konsum (z. B. Fernsehen) gekennzeichnet ist. Dies alles wirkt negativ auf das familiäre Miteinander und die Qualität des »Miteinander-Redens«.
    Manchmal finden sich bei Sprachentwicklungsstörungen jedoch keine verursachenden Hinweise aus einem der beiden Bereiche. Die Sprachstörung scheint für sich zu bestehen. Fördern Sie ihr Kind, indem Sie sich viel mit ihm beschäftigen, mit ihm spielen und sprechen.

Quelle:
Informationsbroschüren der Deutschen Gesellschaft für Sprachheilpädagogik
Nr. 3 Störungen des Spracherwerbs (Autorin: Angelika Schindler)
Nr. 4 Förderung des Spracherwerbs (Autorin: Angelika Schindler)

 

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»Die spielen ja nur!«

 

Ein paar Gedanken zu unserer Arbeit als Akademische Sprachtherapeuten/innen und Logopäden/innen

Auf den ersten Blick erscheint unsere Arbeit vielen wie jene Tätigkeiten, die Sie bereits aus der Kinderbetreuung durch Erzieherinnen kennen. Da wird gebastelt, gelacht - und eben gespielt. Gut, nebenher achten wir als Fachleute für Sprache und Aussprache natürlich auch auf die sch-, k- und s-Laute unserer Schützlinge oder berichtigen Sätze wie »Ich da hindefallt.«

 

Aber halt! Nicht so schnell!

All unsere Aktionen haben nur ein Ziel, nämlich die Sprach- und Sprechfähigkeit ihres Kindes, und damit seine Kommunikation insgesamt zu verbessern. Dies kann aber nur gelingen, wenn wir die Aufmerksamkeit des Kindes, sein Interesse und seine Sympathie haben. Dazu ist es notwendig, dass wir uns als Erwachsene auf die Ebene der Kinder  begeben. Diese besteht im Allgemeinen nicht aus Diskussionen, sturem Nachsprechen oder Auswendiglernerei. Die Erlebniswelt des Kindes besteht aus dem Spiel, welches sich, je nach Alter unterschiedlich ausdrückt.
    Im Spiel weiß sich das Kind in einer natürlichen Situation, die es bereits kennt, in der es sicher ist und auch bereit ist, Neues kennen zu lernen. Eine pure Drill-Situation verunsichert es, macht ihm Angst und blockiert es. Unter solchen Bedingungen ist sicher kein Kind offen für Hinweise zur korrekten Aussprache oder Erklärungen, wie Sätze in der richtigen Reihenfolge gebaut werden. Klar! Daher betten wir Akademischen Sprachtherapeuten und Logopäden/innen, unabhängig davon, ob wir uns gerade um die Mundmotorik, die Artikulation oder die grammatikalischen Fehlbildungen kümmern wollen, die uns zur Verfügung stehenden wissenschaftlichen Erkenntnisse, Ansätze und Methoden meist in den Rahmen eines Rollen- oder Regelspiels, in welchem sich das Kind nicht in erster Linie um die Lernsituation kümmert, sondern sich zunächst einmal für die Inhalte der Therapie öffnet. Diese werden dann fast automatisch zur Kenntnis genommen, in die eigene Sprache übernommen und schließlich von alleine aufgenommen, so dass sich Erfolge zeigen, die auch von Nachbarn, Erziehern und Freunden gesehen werden.
    Als konkrete Beispiele beschreiben wir Ihnen kurz ein Rollen- und ein Regelspiel, welche mit dem Ziel gemacht werden, eine bestimmte Sprach- oder Sprechstörung zu beseitigen.

 

Konkretes Beispiel: kleinere Kinder

Für kleinere Kinder, die sich noch nicht auf die einzuhaltenden Regeln eines Brettspiels einlassen können, wählen wir häufig so genannte Rollenspiele, um auf diese Weise die natürliche Erfahrungswelt des Kindes zu berücksichtigen. Mit Hilfe von Hand- oder Stabpuppen können beispielsweise reale oder märchenhafte Situationen dargestellt, weiterentwickelt und Lösungen erprobt werden. Dabei gilt unser Augenmerk stets den sprachlichen Auffälligkeiten des Kindes. So kann es in einer Therapiesitzung vorkommen, dass ein böser Zauberer in die heile Welt eines Schlosses eindringt, um dort die kleine Prinzessin zu entführen. Er hext sich einen gefährlichen Drachen, der gewaltig Zischen oder Fauchen kann, um die Wachen des Schlosses auch tüchtig zu erschrecken. Schließlich nimmt sich der Zauberer die Prinzessin und fliegt eilig und mit lautem Knall bzw. lautem Zischen des schnellen Besens davon. 
    Der Zauberer kann zum Beispiel im Fall einer fehlerhaften S-Bildung des Kindes (»Lispeln«) einen Drachen Feuer spucken und in dem Zusammenhang zischen lassen. Bei einem Kind, welches den Laut »k« oder »CH« noch erlernen soll, könnte der Drache auch fauchen: »CHCHCHCHCH!!!!!«. Im weiteren Spielverlauf wird der jeweilige Problemlaut aufgenommen, was Kinder häufig auch unbewusst von selbst tun. Das Kind wird in seiner Aufmerksamkeit geschult und lernt mit unserer Hilfe sein eigenes Sprechen und dann auch seine sprachlichen Schwächen bewusster zu beobachten und zu korrigieren. Die Herausforderung für uns liegt dabei in der Beurteilung der Interessenlage des Kindes, denn schließlich findet nicht jedes Kind »Prinzessinnen klauen« oder fauchende Drachen »cool« und akzeptabel.

 

Konkretes Beispiel: ältere Kinder

Kinder, die schon etwas älter sind, spielen lieber Gesellschaftsspiele und geben sich nicht mehr mit »Babykram« ab. Hier nutzen wir beispielsweise das beliebte »Aquarium« - Spiel, in dessen Verlauf wir, je nach Stand der Therapie, verschiedene »Übungen«, die das Kind oft überhaupt nicht als solche erkennt, einbauen. Soll zum Beispiel ein Laut zunächst noch isoliert geübt werden, bietet es sich an, die Angel dabei ein bestimmtes Geräusch machen zu lassen, welches selbstverständlich sinnerfüllt sein muss und vor Spielbeginn besprochen wurde. So kann aus der einfachen Angel auch schon mal eine »Motor-Turbo-Angel« mit dem entsprechenden Geräusch werden. Ist die Therapie schon fortgeschritten, wird der Angelvorgang mit entsprechenden Worten oder Sätzen begleitet, in welchen der betreffende Laut vorkommt. Das Spiel ist also in jedem Falle, egal ob für jüngere oder für ältere Kinder, stets ein Zugang zum Lernprozess.

Sollten Sie noch Fragen haben, wenden Sie sich bitte an uns, denn auch wir sind froh und dankbar, wenn Eltern und Fachleute an einem Strang ziehen - zum Wohl der Kinder.

 

Mit freundlicher Genehmigung der Autorin: Vera Lüttgen

 

Informationen zum Thema
Spielen und kindliche Entwicklung

 

»Spielen ist im Vorschulalter nicht irgendeine Tätigkeit, die ausgeübt wird oder nicht, sondern es handelt sich dabei um eine lebensnotwendige Aktivität des Kindes.«
(Oerter 1993)

Lebensnotwendig?! Das klingt im ersten Moment zugegebenermaßen sehr verwirrend. Schaut man sich aber die Bedürfnisse und Lernprozesse von Kindern genauer an, so wird klar, dass sie großen Nutzen aus dieser intensiv erlebten Tätigkeit ziehen. Dabei ist zu betonen, dass vom Säugling bis zum Vorschulkind und darüber hinaus gerne gespielt wird, jedoch auf anderen Entwicklungsebenen.

 

Spielen als Motor der kindlichen Entwicklung

Kinder können in einer gedachten Wirklichkeit (z.B. innerhalb eines Rollenspiels) Verhaltensmöglichkeiten, soziale Regeln und die Macht der Wörter ausprobieren, ohne reale Konsequenzen befürchten zu müssen. So »darf« ein Handpuppenkrokodil beißen, schnappen, gemein sein und böse Beschimpfungen aussprechen. Durch die Reaktion des Gegenübers, z.B. einer Prinzessin, erfährt das Kind auf spielerischer Ebene inwieweit ihm Grenzen gesetzt werden. Es lernt im Austausch mit Anderen, neue Lösungswege kennen, andere verbale Ausdrucksmittel einzusetzen oder eine veränderte Sichtweise anzunehmen, z.B. durch einen Rollentausch (»Ich bin jetzt wohl mal das Krokodil und du bist die blöde Prinzessin!«). Auf diese Weise entdecken Kinder die Welt im wahrsten Sinne des Wortes »mit anderen Augen«, so dass sie ihre Erfahrungen erweitern und in ihrer Entwicklung voranschreiten.

 

Training aller Sinnesleistungen

Im Spiel gebraucht das Kind nahezu alle Sinnesleistungen, die in Folge dessen »trainiert« werden. Das heißt, ein spielendes Kind, z.B. bei »Mutter-Vater-Kind« achtet intuitiv darauf leise zu sprechen (Hören), wenn das »Baby« schläft, streichelt es vorsichtig, um es zu beruhigen (Fühlen), rennt schnell fünf bis sechs Mal um den Tisch, weil der »Supermarkt« gleich schließt und noch Babynahrung fehlt (Motorik), achtet darauf diese möglichst genau zuzubereiten, dabei wird »abgeschmeckt« und geschnuppert, ob alles gelungen ist (Riechen).

 

Spielen als konkretes Lernerlebnis

Um zu lernen brauchen wir konkrete Erlebnisse, die uns helfen die Erfahrungen damit einzuordnen und abzuspeichern, also zu behalten. Im Spiel geschehen diese Erlebnisse automatisch und ungezwungen. So entsteht eine natürliche Lernumgebung.

 

Spielen ist Ausdruck der Persönlichkeitsentwicklung

Das Spiel ermöglicht die Auseinandersetzung mit mir selbst, das heißt, das Kind kann sich selber ausprobieren, indem es im Spiel fies oder feige ist. Es kann die Erfahrung machen:

Das heißt, das Spiel führt nicht nur in eine Richtung, nämlich zu einer fortschreitenden Entwicklung, sondern es zeigt uns und dem Kind selbst inwieweit es sich bereits von Anderen abgrenzen kann, ob es die Meinung Anderer akzeptieren kann, eine eigene Meinung vertritt oder gewisse persönliche Vorlieben bzw. Abneigungen entwickelt hat. Dieses Wissen ist auch für den (Sprach-) Therapeuten von großer Bedeutung.

 

Verarbeitung von Erlebnissen

Das Spiel ermöglicht es, frustrierende Erlebnisse zu verarbeiten und somit eine bessere Toleranz gegenüber niederschmetternden Erfahrungen zu entwickeln. Das kann im ganz kleinen Rahmen geschehen, z.B. wenn ein Kind des öfteren beim Mensch-ärgere-dich-nicht-Spiel verloren hat, das wurde jedoch auch in weit problematischeren und psychologisch höchst sensiblen Bereichen wie z.B. dem Holocaust beobachtet. George Eisen (Children and play in the holocaust, 1988) berichtet in vielen Untersuchungen von der sehr intensiven Spielgestaltung von Kindern in Ghettos und Konzentrationslagern. Dieses Spiel in der permanent lebensbedrohlichen Umgebung diente der reinen Lebensbewältigung. Zum einen in psychologischer Hinsicht, da im Spiel ein glückliches Ende vorstellbar war, also eine Perspektive geschaffen wurde. Zum anderen in sehr konkreter Hinsicht. Unter dem Deckmantel des Spiels wurden Lebensmittel o.ä. geschmuggelt, um zu überleben.

 

Erkunden der Umwelt

Im Spiel kann das Kind Gegenstände neu erkunden und so ihre Funktion immer genauer kennen lernen. Das Telefon zum Beispiel, wird im Alter von etwa 12 Monaten an den Kopf und nicht ans Ohr gehalten. Doch im Laufe der Zeit beobachtet das Kind immer genauer die Aktionen der Erwachsenen, so dass es schon bald, mit ca. 2 Jahren, einfache Sequenzen imitieren kann: das Telefon ans Ohr halten, etwas »sagen«, den Hörer ablegen. Im Zuge dieser Entwicklung wächst auch die Kompetenz, mit unbekannten Gegenständen umzugehen.

 

Die Realität im Zeitraffer

Indem Kinder Elemente des Erlebten aus der realen Welt innerhalb ihrer Spielwelt (»Nebenrealität«) nachspielen können, begreifen sie Stück für Stück Vorgänge und Handhabung der Erwachsenenwelt. Gäbe es das Spiel nicht, bliebe die Welt für das Kind unverständlich und chaotisch.

 

Das Spiel als Weg in die Selbstständigkeit

Fast alle Eltern kennen das: ohne das Lieblingsstofftier, das »Schnuffeltuch« oder ein Erinnerungsstück an die Mama gibt es ein Riesentheater, wenn es ums abendliche Einschlafen oder das Alleinsein im Kindergarten geht. Dieses Verhalten ist jedoch keinesfalls ein Zeichen für Dickköpfigkeit, sondern mehr ein mutiger Ausdruck für die beginnende Selbstständigkeit des Kindes. Ein persönlich besetzter Gegenstand ist immer dabei, so dass es dem Kind das Gefühl von Schutz vermittelt mit dem es dann Neues entdecken kann.

 

Das Spiel als sicherer Rückzugsort

Häufig zeigen Kinder immer wieder die gleichen Spielrituale. Dabei werden oft auch die gleichen Kommentare oder Lautmalereien verwendet. Diese immerwiederkehrenden Handlungen dienen dem Kind als sicheres Terrain, in dem es seine bisher erlernten Kompetenzen festigen und sich ganz versunken hingeben kann.

 

Erfahren von Vertrauen

Indem sie sich ganz auf die vorher »vereinbarten« Spielregeln verlassen, erfahren und erlernen Kinder das Gefühl von Vertrauen. 
So werfen Väter gerne ihre Sprösslinge hoch in die Luft, um sie danach sicher aufzufangen. Durch diese Erfahrung wird dem Kind das Gefühl vermittelt »Ich bin für dich da«. Mit diesem Wissen kann sich Kind auch Fremdem öffnen und in seiner Entwicklung sorglos voranschreiten.

 

Spielen und sprachliche Entwicklung

Die herausragende Bedeutung des Spielens auch für die sprachliche Entwicklung des Kindes ist anhand der nachfolgenden Tabelle deutlich zu erkennen. Sie wurde  in Anlehnung an B. Zollinger (Hrsg.: Kinder im Vorschulalter, 2000) erstellt.

 

3 Monate bis 2 Jahre:

Art des Spiels

Sprach-
verständnis

Sprach-
produktion

Entwicklungs-
schritt

Erste Funktionsspiele:
Viele Dinge werden erprobt, indem sie in den Mund genommen oder fallengelassen werden.

Variationen von Handlungen: Telefon an den Hals führen, später an den Kopf halten; Haarbürste zum Kopf führen.

Zunehmend immer korrektere Durchführung der Handlungen.

 

Nicht-situationale Aufforderungen werden mit 2 Jahren verstanden. »Iss die Suppe mit dem Malstift!«: Das Kind hat bereits die Erfahrung gemacht, dass das SO sicher nicht funktioniert.

Immer wiederkehrende Lautketten über Silbenplappern bis hin zu ersten Wörtern und Wortverbindungen.

Die Welt der Gegenstände wird entdeckt.

Das Kind lernt, wie die Dinge funktionieren und was die Erwachsenen damit machen, um so selbst zu experimentieren.

2-4 Jahre:

Art des Spiels

Sprach-
verständnis

Sprach-
produktion

Entwicklungs-
schritt

Symbolspiele:
»So-tun-als-ob«, bei denen Dinge als etwas Reales behandelt werden. So kann aus einer Banane ein Telefon werden. Noch findet das Spiel zwischen dem Kind und dem Gegenstand statt. Erst allmählich kann es sich auch für andere Kinder öffnen und dann mit ihnen zusammen spielen und Handlungen gestalten.

Erste Gesellschaftsspiele:
»Vier erste Spiele«, »Aquarium« oder »Quips« führen Farben, Formen und Zahlen ein, fördern soziale Regeln und erweitern die Frustrationstoleranz.

 

Wörter werden verstanden und können in der Vorstellung vergegenwärtigt werden.

Sie werden zunehmend Stellvertreter der Gegenstände selbst: Das Telefon muss nicht mehr gesehen werden, um zu wissen, dass es das Telefon gibt.

Wörter bekommen eine kommunikative Bedeutung.

Der Wortschatz wird erweitert und die Lautbildung weiter erworben.

In dieser Phase lernen Kinder neben der Welt der Gegenstände und der Wörter, auch die Welt der Anderen zu entdecken.

4-6 Jahre:

Art des Spiels

Sprach-
verständnis

Sprach-
produktion

Entwicklungs-
schritt

Rollenspiele:
Aktives Erschaffen. Gegenstände werden Mittel zum Zweck: Höhle bauen, in der die Familie lebt oder ein »Arztkoffer« wird Auslöser einer komplexeren Spielgeschichte.

Abwechselnde Rollenverteilung (z.B. mit dem Teddy sprechen, Kind antwortet für Stofftier).

Ideen und nicht mehr die Gegenstände selbst sind handlungsbestimmend.

 

Innere Vorstellungen von Alltagshandlungen werden aufgebaut. Infolge dessen entsteht ein immer größerer Wortschatz.

Nur was gedanklich gespeichert ist, kann auch verstanden und wiedergegeben werden.

Geschichten werden verstanden.

Satzbildungen werden zunehmend komplexer.

Kinder können sich auf das Gesagte von Anderen beziehen, selbst Informationen geben und Fragen stellen.

Sprache ist wichtiges Mittel, um die eigenen Vorstellungen mitzuteilen.

Kinder können zunehmend die Bedürfnisse anderer Kinder akzeptieren und diese mit in den Spielplan einbeziehen. Dieses Verhalten spiegelt sich auch in der Sprache wieder.

Ab 6 Jahre:

Art des Spiels

Sprach-
verständnis

Sprach-
produktion

Entwicklungs-
schritt

Regelspiele:
Spiele in der Gruppe, Tischspiele.

Bevorzugt auch Spiele, bei denen erstes schulisches Wissen gefragt ist z.B. einfache Rechenaufgaben oder Buchstabenformen.

Rollen und Inhalte sind sehr realitätsnah.

 

Hohes Sprachverständnis als Grundlage für schulisches Lernen.

Höheres grammatikalisches Niveau und Erwerb der Schriftsprache

Soziale Beziehungen rücken in den Vordergrund.

Das abstrakte Denken schreitet voran.

 

Mit freundlicher Genehmigung der Autorin: Vera Lüttgen

 

Informationen zum Thema
Die normale Sprachentwicklung

 

Voraussetzungen für einen ungehinderten Spracherwerb sind:

Eigentlich ist es immer wieder ein kleines Wunder, dass viele Kinder ohne große Mühe sprechen lernen. Doch haben auch zahlreiche Kinder Schwierigkeiten dabei. Die Voraussetzungen für einen ungestörten Spracherwerb beginnen bereits in der Schwangerschaft. Hierbei entwickelt das noch ungeborene Kind seine biologischen Anlagen, um Sprache erwerben und anwenden zu können. Nach der Geburt kommt die sprachliche Zuwendung der Eltern, Geschwister, Verwandten und anderer Menschen dazu. Der Spracherwerb beginnt lange bevor das Kind selber sprechen kann.

 

Welche sprachlichen Fähigkeiten erwirbt das Kind?
Entwicklung der Aussprache

In den ersten Lebensmonaten experimentiert der Säugling mit seiner Stimme. Er produziert zahlreiche Geräusche und macht auf diese Weise erste  Erfahrungen mit Sprachlauten und den dafür erforderlichen Sprechbewegungen, auch wenn diese Laute noch nicht mit festen Bedeutungen verbunden sind. So erwirbt er allmählich die willentliche Kontrolle über die für das Sprechen notwendigen Bewegungen. Mit zunehmendem Lebensalter vergleicht es die gehörten Sprachlaute aus seiner Umgebung mit seinen eigenen und passt diese entsprechend an. Selbst gehörlose Säuglinge durchlaufen die erste sogenannte Lallphase. Sie verstummen erst dann, wenn es um den Vergleich mit den sie umgebenden Sprachlauten und deren Nachahmung geht. Bei dem hier beschriebenen Aspekt des Spracherwerbs handelt es sich um die Aussprache. Dazu gehört, dass das Kind alle in seiner Muttersprache vorhandenen Laute bilden und sie entsprechend den Regeln des jeweiligen Sprachsystems anwenden lernt.

 

Entwicklung des Wortschatzes

Nach und nach formt das Kind Sprachlaute dahingehend, dass erkennbare Worte entstehen. Damit gehen andere wichtige Erkenntnisprozesse einher. Zum einen ist es die Tatsache, dass Gegenstände auch dann noch existieren, wenn sie für das Kind nicht greifbar vorhanden sind.  Dies zeigt sich beispielsweise darin, dass ein Kind einen Spielgegenstand sucht, obwohl er nicht in seinem Blickfeld ist. Zum anderen sind es die vielfältigen konkreten, von seinem Umfeld sprachlich begleiteten Erfahrungen mit sich selbst, mit Dingen und Handlungen, die ihm die Bedeutung der Worte vermitteln. Allmählich verbindet sich dieses Wissen mit sprachlichen Erkenntnissen: Ein Wort wird zum Stellvertreter für den realen Gegenstand, eine Tätigkeit oder für Gefühle. Später kommen komplexere Wörter hinzu, die abstraktere Inhalte und grammatische Bezüge ausdrücken. Auch die Erwerbsstrategie ändert sich mit dem Lebensalter. Das Kind wird zunehmend unabhängiger von der konkreten Anschauung. Der Wortschatz des Kindes entwickelt sich. Dabei zeigt sich, dass der passive Wortschatz, also der Wortschatz des »Sprache-Verstehens«, stets deutlich größer ist als der aktive Wortschatz des »Sich-Ausdrücken-Könnens«.

 

Entwicklung der Grammatik

Eng verbunden mit der Entwicklung des Wortschatzes ist der Aufbau von Sätzen. Vorläufer davon stellen bereits die Doppelungen derselben Wörter und die ersten Kombinationen verschiedener Wörter beim Übergang von der Einwort- zur Zweiwortphase dar. So kann beispielsweise die Äußerung »Mami Tasse!« abhängig von der Situation verschiedenes Bedeuten: Vielleicht möchte das Kind den Wunsch nach einer Tasse übermitteln, möglicherweise will es lediglich feststellen, dass die Mutter eine Tasse hat.
    Dies Beispiel verdeutlicht, dass das Kind mehr sagen möchte, als ihm an sprachlichen Mitteln zur Verfügung steht. Die Bedeutung seiner Äußerung zu verstehen und angemessen zu übersetzen und zu erweitern, ist Aufgabe seines sozialen Umfeldes. Im Laufe seiner Sprachentwicklung hat das Kind ein komplexes Regelsystem »zu knacken«. Es lernt zum Beispiel die Regeln der Wortstellung, wobei die Stellung des Tätigkeitswortes zunächst herausragend ist. Des weiteren ist es die Veränderung einzelner Wörter, die innerhalb eines Satzes aufeinander abgestimmt sind. So ist die Endung des Tätigkeitswortes abhängig vom Hauptwort: Ich gehe - du gehst. Das Kind erwirbt also das grammatische Regelsystem unserer Sprache.

 

Entwicklung der Kommunikation

Lange bevor der heranwachsende kleine Mensch ein Gespräch führen kann, werden ihm grundlegende Anreize dazu vermittelt. Bei der genaueren Betrachtung früher Unterhaltungen mit  Säuglingen wurde festgestellt, dass Sprechende zwischen ihren Äußerungen eine kleine Pause einhalten. Diese Pausen signalisieren, dass eigentlich an dieser Stelle eine Antwort erwartet wird. Mit den zunehmenden sprachlichen Fähigkeiten füllt das Kind diese Lücken tatsächlich aus. Natürlich unterscheiden sich Gespräche mit Kindern von denen mit anderen Gesprächspartnerinnen und -partnern. Dennoch: das »Sich-Mitteilen und Sich-Austauschen mit anderen« und später das Erzählen von Erlebtem etc. geschieht von Beginn an in altersgemäßer Weise. Dieser Bereich des Spracherwerbs umfasst die gesamte Anwendung der sprachlichen und nicht-sprachlichen Kenntnisse (Mimik und Gestik), also die Kommunikation.

 

Entwicklung des Sprachverständnisses

Das Verstehen von Sprache entwickelt sich in demselben Rahmen wie die anderen sprachlichen Bereiche auch. Zeitlich geht es der Fähigkeit, Sprache anzuwenden voraus, d.h. das Kind versteht uns, bevor es sich selber äußern kann. Lange Zeit ist diese Verständnis jedoch eng an die Jeweilige Situation gebunden. Ein echtes Sprachverständnis entwickelt sich schrittweise, bis es sich von der konkreten Situation löst.

 

Entwicklung des Redeflusses

Die Planung und Ausführung von mündlichen Äußerungen stellen eine hohe Anforderung an das Kind dar. So verwundert es nicht, dass damit häufig Satzabbrüche, Umformulierungen, Wortwiederholungen und kleine Denkpausen einhergehen. Sie bewirken, dass das Sprechen des Kindes unflüssig klingt. Außerdem muss die Feinabstimmung der Muskelbewegungen, die für das Reden notwendig sind, sich erst entwickeln und reifen. Dies ist eng verbunden mit den hier geschilderten sprachlichen Entwicklungsbereichen und solchen, die für die Bewegungskontrolle zuständig sind. Der Redefluss unterliegt also ebenfalls einem längeren Entwicklungsprozess.

 

Entwicklung des Sprachgefühls

Nicht zuletzt lernt das Kind während seiner Sprachentwicklung quasi »nebenbei« etwas, was nichts mit einzelnen Lauten, Wörtern oder grammatischen Strukturen zu tun hat, aber dennoch die Verständlichkeit unserer Lautsprache beeinflusst: Betonungen, Pausen, Sprechrhythmus, Tonhöhen und -tiefen etc. Denken Sie nur einmal daran, dass der Anstieg einer Tonhöhe am Ende des Satzes eine Frage anzeigt. Man könnte dies alles mit Sprachgefühl bezeichnen.

 

Sie haben nun eine Vorstellung davon bekommen, welches enorme Lernpensum das Kind während seiner Sprachentwicklung zu bewältigen hat. Auch wenn diese Bereiche zum besseren Verständnis hier getrennt vorgestellt wurden, heißt dies nicht, dass das Kind sie nacheinander erwirbt. Vielmehr ist es so, dass sie sich gegenseitig bedingen. Denken Sie noch einmal daran, dass auch grammatische Regeln wie z. B. Einzahl- und Mehrzahlbildung mit einem Bedeutungsunterschied einhergehen, der in den Wortschatz eingreift. Auch müssen beispielsweise die Voraussetzungen der Aussprache von grammatikalischen Endungen (Beispiel: du singst) bei Tätigkeitswörtern gegeben sein.

Quelle:
Informationsbroschüren der Deutschen Gesellschaft für Sprachheilpädagogik
Nr. 3 Störungen des Spracherwerbs (Autorin: Angelika Schindler)
Nr. 4 Förderung des Spracherwerbs (Autorin: Angelika Schindler)

 

 

Entwicklung der Sprache nach dem
sensomotorischen Entwicklungsgitter von Dr. Ernst J. Kiphard

 

Hinweis:
Die Alterswerte gelten für Spätentwickler, d.h. 90% der Kinder erfüllen diese Aufgaben.

6 Monate:

1 Jahr:

1 Jahr 6 Monate:

2 Jahre:

2 Jahre 6 Monate:

3 Jahre:

3 Jahre 6 Monate:

4 Jahre:

4 Jahre 6 Monate:

5 Jahre:

5 Jahre 6 Monate:

6 Jahre:

6 Jahre 6 Monate:

7 Jahre:

7 Jahre 6 Monate:

 

Bitte beachten Sie, dass die Sprachentwicklung nicht isoliert von der übrigen Entwicklung wie z.B. der Entwicklung der motorischen Fähigkeiten gesehen werden sollte!  Insbesondere in der frühen Kindheit steht die allgemeine körperliche und geistige Entwicklung in sehr engem Zusammenhang mit der Sprachentwicklung. Im Laufe seiner Entwicklung und mit den zunehmenden Fähigkeiten des Kindes, seinen Körper kontrolliert einzusetzen, weitet es selber die Auseinandersetzung aktiv auf die es umgebenden Dinge aus. Es beschäftigt sich mit ihnen, lernt seine Beschaffenheit kennen und die Möglichkeiten, sie einzusetzen und sie zu verändern. Seine soziale Umwelt hilft ihm sowohl bei der Beschäftigung mit diesen Dingen als auch dabei, die gesammelten Erfahrungen in Worte umzusetzen. Fördern Sie ihr Kind dabei.

 

Informationen zum Thema
Förderung der Sprachentwicklung

 

Richtiges Sprechen muss wie viele andere Fähigkeiten im Kindesalter erlernt werden. Auch hier gilt das Sprichwort »Übung macht den Meister«. Ein Kind lernt schneller richtig sprechen, wenn es viel Gelegenheit bekommt, seine Sprache zu üben. Dazu ist als erste Voraussetzung wichtig, dass es trotz seiner Sprachstörung Freude am Sprechen hat! Sie wissen selbst: Man lernt leichter, wenn man an einer Sache Spaß hat. Folgende Hinweise sollen Ihnen aufzeichnen, wie Sie trotz der Sprachstörung die Sprechfreude Ihres Kindes erhalten oder wecken können und wie Sie seine Sprachentwicklung fördern können:

 

Sind Sie ein guter Zuhörer?

Es ist bekannt, dass man viel lieber und auch viel mehr spricht, wenn man einen guten Zuhörer hat. Nehmen Sie sich also Zeit, Ihrem Kinde zuzuhören. Lassen Sie es ausreden, ohne ungeduldig zu werden. Achten Sie darauf, was das Kind Ihnen erzählen will, nicht auf seine ja noch fehlerhafte Aussprache. Am Anfang wird Ihnen das schwer fallen, weil Sie sich vielleicht über sein falsches Sprechen ärgern. Mit der Zeit werden Sie aber lernen, dies weitgehend zu überhören und nur auf den Inhalt dessen zu achten, was das Kind Ihnen erzählen will. Sie können Ihrem Kind aber auch behilflich sein, das richtige Sprechen zu erlernen.

 

Wie können Sie beim Sprechen lernen helfen?

Freuen Sie sich mit Ihrem Kind, wenn es versucht, Sie nachzuahmen und etwas richtig zu sagen. Gelingt es dem Kind noch nicht, alle Worte richtig zu sprechen, so können Sie die noch fehlerhaften Worte in einem Satzzusammenhang richtig und deutlich wiederholen, z. B. Kind: »Bume haben«, Mutter: »Ja, wir wollen eine Blume holen«. Weisen Sie Ihr Kind aber nicht auf Fehler in seiner Aussprache oder im Satzbau hin und verbessern Sie es nicht, wie z. B. »Das heißt nicht Bume sondern Blume!«

 

Sind Sie ein gutes Sprachvorbild?

Kinder lernen vieles durch Nachahmung; auch bei der Entwicklung der Sprache spielt die Nachahmung eine große Rolle. Seien Sie deshalb ein gutes sprachliches Vorbild für Ihr Kind. Achten Sie darauf, dass Sie selber alle Wörter klar und deutlich aussprechen. Ihr Kind kann Sie dann besser verstehen und leichter nachahmen. Verwenden Sie häufig gebrauchte Wörter und sprechen Sie in einfachen aber vollständigen und richtigen Sätzen. Sprechen sie vor allem nicht zu schnell. Wenn Sie Ihr Kind mit einem Redeschwall überfallen, kann es die einzelnen Wörter nicht heraushören. Es besteht die Gefahr, dass es sich angewöhnt, nicht mehr hinzuhören, wenn Sie reden. Sprechen Sie nicht zu viel aber auch nicht zu wenig. Die richtige Dosierung ist wichtig! Besonders leicht wird Ihnen die richtige Dosierung gelingen, wenn im Gespräch Sprechen und Zuhören wechseln.

 

Führen Sie regelmäßig einmal am Tag ein Gespräch mit Ihrem Kind?

Es ist erwiesen, dass viel Fernsehen bei Kindern mit Sprachentwicklungsstörungen die Sprachentwicklung nicht fördert.
Die Gründe:
Das Kind spricht beim Fernsehen nicht selbst und übt daher seine Sprache nicht. Es versteht viele Begriffe noch nicht und gewöhnt sich daher schnell daran, sich berieseln zu lassen und nicht mehr zuzuhören, was gesagt wird und sich nur die Bilder anzusehen. Es ist erwiesen, dass, wenn sich Mutter, Vater oder eine andere erwachsene Person nur etwa eine halbe Stunde pro Tag regelmäßig Zeit für ein Gespräch mit dem Kind allein nehmen, die Sprachentwicklung entscheidend gefördert wird. Versuchen Sie, es so einzurichten, dass Sie in dieser Zeit mit dem Kind allein sind und ihm Ihre volle Aufmerksamkeit widmen können und dass Sie nicht z. B. durch jüngere Geschwister abgelenkt werden. Am besten nutzen Sie die Zeit, wenn Sie gemeinsam ein altersgemäßes Bilderbuch, das Ihnen beiden gefällt, ansehen (evtl. in einer Bücherei ausleihen) und sich gegenseitig erzählen, was Sie auf den Bildern sehen und was die Personen oder Tiere tun. Beachten Sie dabei immer die Regel 1., 2. und 3. über gutes Zuhören, richtiges Korrigieren und gutes Sprachvorbild! Nach einiger Zeit werden Sie diese Gesprächsstunden mit Ihrem Kind nicht mehr missen wollen, sie fördern sehr die gute Beziehung zwischen Eltern und Kind. Zusätzlich außerhalb der gemeinsamen täglichen Gesprächszeit sollten Sie daran denken, manchmal mehr zu sprechen als Sie es sonst wohl täten, denn Ihr sprachgestörtes Kind muss viele Wörter und Sätze mehrmals hören, ehe es sie behalten kann.

Bei jüngeren Kindern:
Sprechen Sie zu den Tätigkeiten, die Sie im Haushalt oder beim Werken und Basteln ausführen. Beim Baden benennen Sie seine Körperteile, beim Ausziehen die Kleidungsstücke, beim Spülen und Aufräumen die Sachen, die Sie gerade in der Hand haben. Und spielen Sie viel mit Ihrem Kind.

Bei älteren Kindern:
Machen Sie Spaziergänge und erzählen sie sich gegenseitig, was Sie sehen. Spiele machen die ganze Sache abwechslungsreicher, z. B. »Ich sehe was, was du nicht siehst«. Unternehmen Sie gemeinsam Ausflüge, Z. B. zum Zoo, zu einem See. Sprechen Sie vorher darüber, was Sie sehen und erleben werden. Wenn Sie an Ihrem Ausflugsort sind, sagen Sie, was Sie sehen und was Sie tun. Später zu Hause erinnern Sie sich gemeinsam daran, was Sie gesehen und erlebt haben. Vielleicht haben Sie auch Fotos gemacht, zu denen dann erzählt werden kann. Wenn Ihnen dies zu viel erscheint, bedenken Sie, dass die meisten sprachgestörten Kinder ein schlechtes Sprachgedächtnis haben (nicht Gedächtnis für Ereignisse!) und daher die Wörter und Sätze öfter üben müssen, ehe sie sie behalten.

 

Wie können Sie das Sprachgedächtnis fördern?

Das schlechte Sprachgedächtnis können Sie entscheidend verbessern, indem Sie mit Ihrem Kind Reime, Gedichte, Sprachspiele und Lieder auswendig lernen und gemeinsam sprechen oder singen. Der Rhythmus der Reime und die Melodie der Lieder unterstützen und fördern das Gedächtnis für Sprache. Lassen Sie sich von der Erzieherin im Kindergarten die Texte der Reime und Lieder geben, die gerade gelernt werden, und üben Sie diese zu Hause. Bei längeren Autofahrten kann man auch gut gemeinsam singen.

 

Wie können Sie die Geschicklichkeit Ihres Kindes und seine Sinnesleistungen fördern?

Viele sprachgestörte Kinder sind sehr ungeschickt. Machen Sie deshalb Ballspiele, gehen Sie zum Kinderturnen und Schwimmen. Es ist auch nachgewiesen, dass sich die Geschicklichkeit der Hände auf eine bessere Aussprache auswirkt. Also lassen Sie Ihr Kind malen, kneten, ausschneiden, Perlen auffädeln, mit Knöpfen spielen und vieles tun, was eine gewisse Fingergeschicklichkeit erfordert. Die Geschicklichkeit der Mundbewegungen muss häufig auch gefördert werden. Achten Sie darauf, dass Ihr Kind feste Speisen isst und ordentlich kaut. Geben Sie ihm rohe Äpfel oder rohe Möhren zum Knabbern, auch - bei entsprechendem Alter - Kaugummi. Lassen Sie es seine Getränke mit dem Strohhalm trinken. Machen Sie viele Pustespiele mit Watte, Seifenblasen oder Pfeifen, die sich aufrollen. Viele Kinder sind auch extrem unaufmerksam gegenüber dem, was sie in ihrer Umgebung hören und sprechen deshalb falsch. Machen Sie daher mit Ihrem Kind Hörübungen der folgenden Art: Seien Sie still und lauschen Sie, welche Geräusche Sie in Ihrer Umgebung hören. Zählen Sie sie auf und erklären Sie sie gemeinsam. Umgebung: Im Wald, auf einem Bauernhof, bei Bekannten. Sprechen Sie beim Bilderansehen auch ab und zu mal ein Wort falsch aus und beobachten Sie, ob Ihr Kind das merkt! Wenn nicht, machen Sie das Kind darauf aufmerksam und spielen Sie dieses Spiel häufiger.

 

Sollte das nicht selbstverständlich sein?

Sorgen Sie für einen gleichmäßigen, ruhigen Tagesablauf, gesunde Ernährung, viel Schlaf, viel Bewegung im Freien, ausreichend Zeit zum ungestörten Spielen, wenig Fernsehen, möglichst keine Überforderungen.  Seien Sie selbst nicht hektisch und ungeduldig im Umgang mit Ihrem Kind, sondern möglichst ruhig und ausgeglichen.  Sorgen Sie dafür, dass Ihr Kind sich nicht abkapselt, sondern mit anderen Kindern spielt. Achten Sie darauf, dass es Kinder sind, die Ihr Kind nicht wegen seiner Sprachstörung hänseln oder verspotten. Stärken Sie das Selbstbewusstsein Ihres Kindes. Versuchen Sie herauszufinden, was Sie an ihm loben können und tun sie das auch. Allgemein fördert der Besuch des Kindergartens die Sprachentwicklung.

Zum Spielzeug:
Das Spiel mit Bauklötzen und Autos fördert die Sprachentwicklung nicht besonders gut. Besser sind Spiele mit Puppen, Stofftieren, Fingerpuppen und Kasperfiguren, so dass beispielsweise mit verteilten Rollen gesprochen werden kann.

 

Welche Auswirkungen haben Zweisprachigkeit und Dialektgebrauch?

Sprachlich gut begabte Kinder können bereits im Vorschulalter zwei Sprachen gleichzeitig lernen, sprachlich weniger begabte haben dagegen schon Mühe, nur eine Sprache richtig zu erlernen. Dies gilt auch für den Gebrauch einer Mundart (Dialekt). Plattdeutsch und Hochdeutsch unterscheiden sich beträchtlich voneinander, dass es sich fast um zwei verschiedene Sprachen handelt. Ein sprachlich retardiertes Kind Kind sollte erst nur eine Sprache erlernen, am besten Hochdeutsch, da das auch in der Schule gebraucht wird. Am besten ist es, wenn alle Familienmitglieder einschließlich Großeltern hochdeutsch sprechen. Es genügt nicht, wenn nur zum Kind hochdeutsch gesprochen wird, auch untereinander sollten die Erwachsenen möglichst vorwiegend hochdeutsch sprechen und zwar aus folgendem Grunde: Ein Kind erlernt die Sprache nicht nur aus dem, was zu ihm direkt gesprochen wird, sondern zu einem großen Teil auch durch Zuhören bei den Unterhaltungen der Erwachsenen.

Wenn Sie diese Hinweise beachten, wird Ihr Kind sicher bald Fortschritte in seiner Sprachentwicklung machen.

 

Informationen zum Thema
Stimmstörungen

 

Bei Stimmstörungen wird grundsätzlich zwischen organischen Veränderungen einerseits (d.h. Veränderungen der Gestalt und Beweglichkeit der Stimmlippen) und den so genannten funktionellen Stimmstörungen unterschieden, wobei beide Formen sich auch gegenseitig bedingen können.

Das Behandlungsziel einer logopädischen Stimmtherapie ist in jedem Fall eine leistungs- und adaptionsfähige Stimmfunktion und eine optimale Koordination und Beweglichkeit aller für das Sprechen notwendigen Organe, d.h. der Atmungs-, Körper-, Phonationsmuskulatur und des Bereiches oberhalb des Kehlkopfes (Ansatzrohr).

Eine HNO-ärztliche Untersuchung erfolgt zunächst meist mittels einer Kehlkopfspiegelung (Lupenlaryngoskopie), bei welcher der Arzt feststellen kann, ob organische Veränderungen im Kehlkopf und insbesondere an den Stimmlippen vorliegen. Weitere bildgebende Verfahren wie Stroboskopie und Ultraschall können indiziert sein.

Generell gelten bei Stimmstörungen folgende Regeln:

 

Aphonie

Eine Aphonie beruht meist auf länger andauernden psychischen Problemen (psychogene Aphonie) und ist in der überwiegenden Anzahl des Auftretens ein eher weibliches Phänomen. Dabei ist die Stimme nur beim mitteilenden Sprechen völlig tonlos und flüsternd, während die übrigen (reflektorischen) Stimmäußerungen wie Weinen, Lachen, Husten u.ä. keine stimmliche Auffälligkeit zeigen. Die Stimme als solche ist insofern völlig intakt.

Die Behandlung erfolgt durch

Bereits nach den ersten Sitzungen sollten sich bei professioneller Therapiedurchführung Erfolge zeigen.

 

Hyperfunktionelle Dysphonie

Eine hyperfunktionelle Dysphonie, auch Berufsdysphonie genannt, kann entstehen infolge

Symptomatisch für hyperfunktionelle Dysphonien sind

Die Behandlung erfolgt durch

 

Taschenfaltenstimme

Bei stärkster muskulärer Hyperfunktionalität ist die Ausbildung der so genannten Taschenfaltenstimme möglich, bei der nicht die Stimmlippen überspannt werden (wie bei der hyperfunktionelle Dysphonie), sondern ein Zusammenziehen des gesamten Kehlkopfeingangs erfolgt. Die Stimmgebung erfolgt dann nicht mehr über die Stimmlippen selbst sondern über die seitlich oberhalb der Stimmlippen liegenden Schleimhautfalten (Taschenfalten), welche statt der Stimmlippen in Schwingung gebracht werden. Die dabei produzierte Stimme erfordert einen großen Kraftaufwand, klingt tief, gepresst, rau und heiser und fällt durch den geringen Stimmumfang auf.

Bei nicht funktionsfähigen Stimmlippen z.B. nach operativen Eingriffen wie z.B. dem Entfernung einer Stimmlippe kann der Einsatz der Taschenfaltenstimme durchaus erwünscht sein und logopädisch trainiert werden.

 

Hypofunktionelle Dysphonie

Im allgemeinen entsteht eine hypofunktionelle Dysphonie mit fehlendem Schluss der Stimmritze infolge

Charakteristisch erscheinen dabei

Die Behandlung erfolgt durch

Die intensive Mitarbeit und Motivation des Patienten in Richtung einer Verbesserung der Stimme ist dabei unabdingbar.

 

Stimmstörungen infolge von Lähmungen der Kehlkopfnerven

Die Muskeln des Kehlkopfes werden durch den 10. Hirnnerv (Nervus vagus) gesteuert. Infolge Quetschung, Zerrung, Durchtrennung, Neuritis oder Neuralgie kommt es zu Ausfallerscheinungen.
Die isolierte oder beidseitige Schädigung des Nervus recurrens, eines abgehenden Astes des Nervus vagus, kann beispielsweise durch

bedingt sein.

Durch die Nervenschädigung können die davon betroffenen Muskeln ihre Aufgabe nicht mehr wahrnehmen. Im Falle einer Schädigung des N. recurrens ist eine Stimmlippe (oder möglicherweise beide) in ihrer Stellung fixiert und kann nicht mehr in den für die Stimmgebung erforderlichen Kontakt zur anderen Stimmlippe treten, da die entsprechenden Kehlkopfmuskeln nicht mehr innerviert werden.

Die Stellung der Stimmlippen kann folgendermaßen unterschieden werden:

Die Symptomatik

kann dieselbe sein wie bei einer Dysphonie.
Je nachdem, ob nur eine oder beide Stimmlippen betroffen sind und in welcher Stellung sie fixiert ist bzw. sind, zeigt sich eine unterschiedliche Symptomatik von »kaum auffällig/leicht heiser« bis »vollständige Stimmlosigkeit«. Liegt eine beidseitige Paramedianstellung vor (d.h. gehen beide Stimmlippen nicht mehr in die Atmungsstellung), kann es zu Atemnot und Erstickungsgefahr kommen, so dass eine Tracheotomie (Luftröhrenschnitt) und der Einsatz einer Sprechkanüle erforderlich wird.

Behandlung:

Je nach Beeinträchtigung besteht die Therapie aus

 

Mutationsstörungen

Mutationsstörungen beruhen auf einem gestörten Zusammenspiel der Kehlkopfmuskeln in der Zeit des Übergangs von der Kinder- zur Erwachsenenstimme mit etwa 12 bis 14 Jahren (im Volksmund »Stimmbruch« genannt). Dabei sinkt die mittlere Sprechstimmlage bei Jungen um etwa 8 Töne (eine Oktave), bei Mädchen etwa um 3 Töne (eine Terz). Obwohl beide Geschlechter diesen Übergang mitmachen, ist er besonders bei den Jungen deutlicher zu beobachten. Beim Sprechen kommt es dann häufig zu den so genannten Registersprüngen, d.h. die Stimme »kickst« und schwankt zwischen der Kinder- und Erwachsenenstimme hin und her. Von einer Mutationsstörung im Sinne einer Stimmstörung spricht man erst dann, wenn dieser Übergang zu lange andauert bzw. wenn die Mutationsphänomene noch bei (jugendlichen) Erwachsenen zu beobachten sind.

Symptomatisch sind dabei

Die Behandlung erfolgt durch

bis die Stimme stabil geworden ist.

Der Patient sollte lernen, seine »neue« Stimme zu akzeptieren und in allen Situationen anzuwenden. Eventuell ist bei einer entsprechenden psychischen Disposition (z.B. bei Problemen mit der kulturellen Herkunft oder der eigenen sexuellen Orientierung) auch eine Psychotherapie erforderlich.

 

Spastische Dysphonie

Die spastische Dysphonie, auch als »Stimmstottern« oder »spasmodische Dysphonie« bezeichnet, ist selten und kommt gleichermaßen bei beiden Geschlechtern vor. Sie ist Resultat jahr(zehnt)elanger schwerer psychischer Belastung. Sie gilt als Form der Neurose und wird aus psychogener u./o. neurologischer Sicht diagnostiziert. Dabei unterscheidet man

Behandlung:

Die Therapie erfolgt im allgemeinen auf psychologischer, somatischer und psychosomatischer Basis sowie logopädisch-pädagogischer Behandlung mit Entspannungsübungen, Atemübungen, Artikulationsübungen und Stimmübungen. Daneben stehen folgende Optionen zur Verfügung:

 

Altersstimme

Sie wird auch Greisenstimme genannt, wobei zwischen der Altersstimme (Vox senium) und der vorzeitig gealterten Stimme (Senium praecox vocis) unterschieden wird.

Die Altersstimme zeichnet sich durch die folgenden Merkmale aus:

Als symptomatisch gilt dabei

Die therapeutische Behandlung geschieht durch

 

Reinke-Ödem

Als eine Sonderform einer chronischen Laryngitis (Kehlkopfentzündung) ist das Reinke-Ödem anzusehen, bei dem an bestimmten Stellen meist beider Stimmlippen Wassereinlagerungen zwischen Schleimhaut und Bindegewebe zu beobachten sind. Die Stimmlippen sind an den entsprechenden Stellen verdickt, so dass kein korrekter Stimmlippenschluss bei der Stimmgebung vorliegt. Nikotingenuss, häufig in Verbindung mit Alkohol und dem Stresshormon Adrenalin führt nicht selten zu Einlagerungen von Wasser in die die Stimmlippenschleimhaut, insbesondere wenn der Schluckvorgang und die Stimmgebung unökonomisch und mit zu starkem Druck ausgeführt werden. Aufgrund übermäßiger Sprechanstrengung ist dabei eine Stimmstörung mit

obligatorisch. Gleichzeitig zeigen sich häufig Missempfindungen in Form von

Zu den therapeutischen Maßnahmen gehören

 

Stimmlippenknötchen

Knötchen auf den Stimmlippen zählen zu den organischen Stimmstörungen und stellen eine Extremform der hyperfunktionellen Dysphonie dar. Stimmlippenknötchen entstehen durch mechanische Überbelastung der Stimmlippen. Bei zu starker Anspannung schwingen die Stimmlippen nicht mehr frei sondern schlagen aufgrund zu großen Drucks gegeneinander. An den Stellen der höchsten Belastung entstehen dabei zunächst zähe Schleimfäden, welche sich bei anhaltendem unphysiologischen Stimmgebrauch verhärten können. Dies kann schon im Säuglingsalter passieren. Durch lautes und übermäßiges Weinen und Schreien können sich bereits beim Kleinkind die so genannten »Schreiknötchen« bilden. Später zeigen sich »Schreiknötchen« z.B. häufig bei Kindern, die Mannschaftssportarten betreiben. Stimmüberlastung und Stimmfehlbelastung z.B. in Lärm- oder Sprechberufen, falsche Stimmtechnik mit zu hohem Druck und Kraftaufwand oder das Singen in falscher Stimmlage bzw. Stimmüberforderung bei Sängern können zur Knötchenbildung führen (»Sängerknötchen«).

Symptomatisch bei Stimmlippenknötchen sind

Die therapeutischen Maßnahmen sind abhängig von der Konsistenz und Beschaffenheit der Knötchen:

Weiche Stimmlippenknötchen
können sich zurückbilden, wenn durch Stimmruhe und Stimmtherapie (wie bei der Therapie hyperfunktioneller Stimmstörungen) eine Veränderung in Richtung eines physiologischen und ökonomischen Umgangs mit der Stimme erzielt wird.

Harte Stimmlippenknötchen
werden meist durch einen mikrolaryngoskopischen Eingriff chirurgisch abgetragen. Stimmruhe vor und nach dieser Behandlung ist vorteilhaft. Eine sich anschließende logopädische Stimmtherapie wie bei der Therapie hyperfunktioneller Stimmstörungen ist zum Erwerb eines physiologischen und ökonomischen Umgangs mit der Stimme und einer besseren Stimmhygiene auch in diesen Fällen angebracht.

 

Stimmlippenpolypen

Stimmlippenpolypen sind die häufigsten gutartigen Stimmlippenveränderungen und treten meist nur auf einer Seite des Kehlkopfes auf und zeigen ein variables Bild betreffend Lokalisation, Form und Größe bzw. Ausdehnung. Häufig sitzen sie oft auf einem kleinen Stiel auf der Stimmlippenschleimhaut. Sie treten oft in Verbindung mit einer akuten Kehlkopfentzündung bei zusätzlicher bzw. gleichzeitiger unökonomischer Überforderung des Kehlkopfes auf (z.B. Schreien bei Sportveranstaltungen). Zigarettenrauch und/oder die Inhalation von Reizstoffen wie Industrieabgasen fördert die Entstehung.

Symptomatisch bei Stimmlippenpolypen sind

Therapeutisch ist die Abtragung (Polypenresektion) unter direkter Laryngoskopie indiziert. Um Karzinome auszuschließen, werden pathologische Veränderungen meist mittels Biopsie untersucht. Zur Wiederherstellung der Stimme und Ausschaltung der zugrunde liegenden Ursachen ist eine postoperative logopädische Stimmtherapie erforderlich, insbesondere, wenn die Fehlbelastung der Stimme zu einer hyperfunktionellen Stimmstörung geführt hat.

 

Kontaktgranulom

Das Kontaktgranulom gehört ebenfalls zu den organischen Stimmstörungen. Dabei handelt es sich um eine Geschwulstbildung an den Stimmlippen. Es tritt nahezu ausschließlich bei Männern auf. 

Symptome sind 

Als Ursachen dieser organischen Veränderungen werden

angenommen.

Durch kompensatorische Hyperaktivität bei den o.g. Ursachen schlagen die Stimmlippen hart gegeneinander, so dass an diesen Stellen Schädigungen in Form von Schwellungen, später kleinen Schleimhautdefekten entstehen, welche durch ständige Überbeanspruchung in Kontaktgranulome übergehen können.

Bei der Behandlung von Kontaktgranulomen umfasst

Nach einer logopädischen Stimmtherapie mit den Schwerpunkten Erwerb eines physiologischen und ökonomischen Umgangs mit der Stimme und bessere Stimmhygiene bildet sich ein Kontaktgranulom häufig zurück. Bei größeren Granulomen oder falls dies nicht der Fall ist, können Kontaktgranulome operativ abgetragen werden. Operative Maßnahme führen jedoch, insbesondere in Fällen ohne begleitende logopädische Stimmtherapie, häufig zu Rückfällen (Rezidiven).

 

Autor: Uwe Kurz

 

Quellen:
Wirth: Stimmstörungen, Deutscher Ärzte Verlag, Köln
Geier-Bruns: Skript zum Kurs »Die Akzentmethode«
Boenninghaus: Hals-Nasen-Ohrenheilkunde, Springer Verlag, Berlin, Heidelberg

 

Informationen zum Thema
Redeunflüssigkeiten bei Kindern

 

Was Sie wissen sollten:

Bei vielen Kindern im Vorschulalter (etwa zwischen dem 3. und 5. Lebensjahr) treten im Rahmen der normalen Sprach- und Sprechentwicklung Redeunflüssigkeiten auf. Dabei handelt es sich zum Beispiel um das ein- oder mehrfache Wiederholen von Silben, Wörtern oder Satzteilen, um Dehnungen von Lauten oder Pausen. Für das Auftreten dieser entwicklungsbedingten Unflüssigkeiten gibt es zahlreiche unterschiedliche Erklärungsansätze. Folgende Beispiele seien genannt:

In den meisten Fällen klingen diese sprachlichen Unflüssigkeiten nach einer Durchgangsphase von alleine ab, wobei sich angemessene Verhaltensweisen der Umwelt meist günstig auswirken. Bei einigen Kindern entwickelt sich aus diesen Unflüssigkeiten jedoch ein beginnendes oder bleibendes Stottern. Bei einigen Kindern tritt auch erst nach vollendeter Sprachentwicklung plötzlich Stottern auf. Stottern kann sich durch die folgenden Kennzeichen ausdrücken:

Stottern kann auch je nach Gesprächspartner, Situation oder Zeitpunkt unterschiedlich ausgeprägt beim Kind auftreten, auch die jeweilige Befindlichkeit des Kindes, wie z. B. Erregung, Freude, Angst oder Wut kann eine Rolle spielen. Redeunflüssigkeiten und Stottern können nicht durch den Willen beeinflusst und auch nicht absichtlich erzeugt werden. Die verbreitete Ansicht, das Kind müsse sich nur recht bemühen, um fließend zu sprechen, ist grundlegend falsch. Aufgrund der Vielzahl möglicher Ursachen, die das Stottern bedingen oder begünstigen können (wie etwa psychische Hintergründe, allgemeine Sprachentwicklungsauffälligkeiten, organische, anlagebedingte oder umweltbedingte Ursachen), steht für die Behandlung des Stotterns leider kein Patentrezept zur Verfügung. Es gibt jedoch zahlreiche Therapieansätze, die auf das einzelne Kind zugeschnitten werden können. Die Unterstützung der Therapie durch die Eltern und weitere wichtige Bezugspersonen kann von großer Bedeutung sein.

 

Was Sie tun können:

Stärken Sie das Selbstvertrauen Ihres Kindes
indem Sie z. B. all die vielen Dinge beachten und loben, die Ihr Kind schon kann und selbständig ausführt. Trauen Sie ihm Dinge zu, kleine Rechte und Pflichten, ohne es zu überfordern. Jeder Mensch braucht Zuwendung, Sicherheit und Geborgenheit, besonders die Kleinen und ganz besonders in einer kritischen Phase.

Zeigen Sie Ihrem Kind, dass Sprechen Spaß macht
Je mehr sprachliche Anregungen Ihr Kind bekommt und je mehr es zum Sprechen ermutigt wird, um so besser und begeisterter wird es seine unvollkommene Sprechfähigkeit in unterschiedlichen Situationen üben:
Kasperltheater spielen, Puppenspiele, Singen, Rollen- und Fingerspiele, rhythmisch-musikalische Spiele, Verse und Reime, Erzählen und Nacherzählen.
Lenken Sie dabei Ihre Aufmerksamkeit auf die flüssigen Teile des Sprechens, und beachten sie all das, was Ihr Kind sprachlich schon ausdrücken kann.

Seien Sie ein gutes Sprachvorbild
Sprechen wird durch Nachahmung gelernt. Helfen Sie Ihrem Kind, indem Sie sich selbst bemühen, langsam, ruhig und einfach zu sprechen ohne gekünstelt, unnatürlich oder übertrieben zu wirken.

Achten Sie auf den Inhalt und nicht auf die Form der Botschaft
Lenken Sie in der Zeit der Redeunflüssigkeiten Ihres Kindes Ihre Aufmerksamkeit ganz auf den Inhalt des Gesagten und nicht darauf, wie es gesagt wird. Gehen Sie darauf ein, was Ihr Kind Ihnen mitteilen will, aber korrigieren Sie Ihr Kind nicht, wenn es etwas falsch ausspricht.

Versuchen Sie, möglichst viele »stotterfreie« Situationen zu schaffen
Beobachten und notieren Sie, wie Ihr Kind auf bestimmte Personen, Situationen und Ereignisse reagiert. Wann stottert es viel, wann wenig, wann gar nicht? Versuchen Sie Situationen, in denen Ihr Kind häufiger stottert, zu vermeiden. Führen Sie statt dessen möglichst viele stotterfreie Situationen herbei, in denen Sie Ihr Kind loben und bekräftigen. Das erhöht seine Sprechfreude und steigert die Zuversicht und das Selbstvertrauen in die eigenen sprachlichen Leistungen.

Versuchen Sie, möglichst viele stressfreie Gesprächssituationen zu schaffen
Wenn man andauernd beim Sprechen unterbrochen wird, unter Zeitdruck steht (»Nun sag schon endlich.«) oder unter Konkurrenzdruck steht (»Dein kleiner Bruder kann das schon viel besser sagen.«), entsteht Stress beim Sprechen. Nehmen Sie sich deshalb Zeit für das Zuhören und Sprechen.

Diese Regeln für Gespräche in der Familie sollten für alle Familienmitglieder gelten:

Beruhigen Sie Ihr Kind und sich
Wenn Ihr Kind äußert, dass es heute wieder nicht richtig sprechen könne und darüber unglücklich ist, ermutigen und beruhigen Sie es indem sie ihm erklären, dass so etwas jedem passieren kann, dass jeder mal hängen bleibe, wenn man etwas ganz schnell sagen möchte, müde oder aufgeregt ist.

 

Was Sie nicht tun sollten:

Weisen Sie nicht auf die Unflüssigkeiten oder das Stottern hin
Aus alledem, was Sie bisher über das Stottern erfahren haben, können Sie sich bereits selbst vorstellen, das es zwecklos ist, das Kind zu bestrafen, es zu ermahnen oder ihm Ratschläge zu erteilen. Sie bewirken dadurch eher das Gegenteil. Weil dieser Punkt so wichtig ist, soll nochmals ausdrücklich darauf hingewiesen werden, das alle Äußerungen wie

oder in ähnlicher Form Ihrem Kind in keiner Weise helfen sondern seine Stottersymptomatik nur verstärken und sein Selbstwertgefühl untergraben. Ebenso falsch wäre es, das gestotterte Wort wiederholen zu lassen oder gar das Sprechen zu verbieten. Sie helfen Ihrem Kind auch nicht, indem Sie das gestotterte Wort für Ihr Kind zu Ende sprechen. Vermeiden Sie alles, was Ihr Kind auf seine Sprechprobleme hinweist und seine Sprechfreude hemmt.

Setzen Sie Ihr Kind keinen hektischen Situationen aus
Eile, Hektik, Zeitdruck, Nervosität, Aufregung beeinflussen das allgemeine Wohlbefinden Ihres Kindes und damit auch seine Sprechfähigkeit. Vermeiden Sie nach Möglichkeit solche zusätzlichen Belastungen für Ihr Kind in dieser sensiblen Entwicklungsphase.

Verlangen Sie keine sprachlichen Darbietungen oder Vorführungen
Wenn Ihr Kind von sich aus gerne Ihnen oder anderen Personen Reime, Gedichte oder Zahlen vortragen möchte, dann lassen Sie es. Drängen Sie Ihr Kind jedoch nicht zu solchen Vorträgen, auch wenn Sie wissen, was es kann.

Keine Kreuzverhöre oder drängenden Fragen
Für Kinder haben Ereignisse oder Zeitabläufe eine andere Bedeutung als für Erwachsene. Was dem Erwachsenen als wichtig und interessant erscheint, ist für Kinder oft nicht erwähnenswert. Man kann Kinder verunsichern und ihnen die Freude am sprechen nehmen, wenn man sie mit Fragen bedrängt, die sie nicht beantworten können. Geben Sie dem Kind die Möglichkeit zu erzählen, was es loswerden möchte. Akzeptieren Sie es, wenn das Mitteilungsbedürfnis des Kindes Ihnen unbefriedigend erscheint.

Geben sie Ihrem Kind keine Sonderstellung in der Familie nur weil es stottert
So wie das unflüssig sprechende Kind nicht benachteiligt oder bestraft werden darf, soll es andererseits auch nicht wegen seiner Redeweise verwöhnt oder bevorzugt werden. Nehmen Sie deshalb Ihrem Kind auch keine Arbeiten und Verrichtungen ab, die es selbst erledigen könnte, das wäre falsche Rücksichtnahme. Nehmen Sie ihm ebenso wenig sprachliche Tätigkeiten ab, die Ihr Kind selbst tun kann und möchte, auch wenn es dabei stottert. Wenn Sie Ihr Kind für eine bestimmte Handlung bestrafen müssen, lassen Sie sich nicht dadurch abhalten, dass Ihr Kind in dieser Situation gestottert hat. Das Kind muss jedoch klar wissen, dass es für eine bestimmte unerlaubte Handlung und nicht für sein Stottern bestraft wird.

 

Was Sie bemerkt haben werden:

Fast alle hier ausgesprochenen Empfehlungen gelten nicht nur für sprechunflüssige / stotternde Kinder, sondern sollten bei vielen Problemen bedacht werden, die in der Entwicklung des Kindes auftreten können. Stottern ist kein so ausgefallenes Problem, sondern eine Auffälligkeit in der kindlichen Entwicklung, mit der man sich auseinandersetzen kann.
    Vielfach können äußere Umstände die Sprechstörung auslösen und bedingen. Was aber durch äußere Bedingungen entsteht, kann aber auch häufig von der Umwelt positiv beeinflusst werden. Das sollte Sie zuversichtlich stimmen!

 

Informationen zum Thema
Stottern bei Jugendlichen und Erwachsenen

 

Was ist Stottern?

Stottern ist ein vielschichtiges sprachliches Phänomen, welches sich am auffälligsten in deutlich wahrnehmbaren Unterbrechungen und/oder Verzögerungen des Redeflusses zeigt. Dabei ist Stottern eine ganz individuelle Störung, die bei jedem Stotternden anders ausgeprägt ist und auch anders empfunden wird. Stottern kann sich in Wiederholungen oder Dehnungen von Lauten, Silben oder Wörtern oder in der Blockierung des Redeflusses mit stummem Pressen oder Pressen mit hörbaren Stimmgebungsversuchen äußern.
Teilweise treten auch sprechbegleitende Mitbewegungen an Augen, Armen, Beinen oder anderen Körperteilen auf. Auch Erröten, Herzklopfen, vermehrtes Schwitzen sowie psychische Probleme in Form von Sprechscheu, Erwartungsängsten, Einzelgängertum, Versagensängste oder Depressionen können Begleiterscheinungen bzw. Folgeerscheinungen des Stotterns sein.
Die Art und Weise wie jemand stottert hängt in hohem Maße vom körperlichen und seelischen Befinden und von der psychischen und physischen Belastung ab. Stottern tritt bei den Betroffenen in unterschiedlichen Gesprächssituationen unterschiedlich stark auf. Für den Stotternden sind in erster Linie nicht die Blockaden im Sprechablauf, die Verzögerungen und Wiederholungen das eigentliche Problem sondern die begleitenden Empfindungen. Insbesondere Stotternde, die noch nicht an ihrem Stottern gearbeitet haben fühlen sich ihrer Redefluss-Störung meist hilflos ausgeliefert und geraten, im Versuch dagegen anzukämpfen, zunehmend stärker unter Druck, verspannen sich noch mehr und stottern noch heftiger. Viele fürchten sich vor dem Stottern, schämen sich, äußern sich nur ungern und auch nur dann, wenn es unumgänglich ist.

 

Wie häufig tritt Stottern auf?

In der Gesamtbevölkerung tritt Stottern in jedem Land und jeder Kultur mit einer Häufigkeit von ca. 1% auf. Bei kleinen Kindern treten häufig entwicklungsbedingte Redeunflüssigkeiten auf, die sich jedoch bei ca. 80% der Kinder bei richtigem Verhalten der Eltern und Bezugspersonen ohne Therapie wieder verlieren. Bei Kindern werden ca. 4% mit Stottersymptomen festgestellt, wobei Mädchen mit 25% weitaus weniger betroffen sind als Jungen.

 

Kann man verschiedene Formen des Stotterns unterscheiden?

Nach Entstehung und Verlauf lassen sich verschiedene Formen des Stotterns unterscheiden.

 

Was kann man tun?

Ignorieren Sie Ihr Stottern nicht sondern informieren Sie sich und setzen Sie sich kritisch mit Ihrer Sprechstörung auseinander. Versuchen Sie in Ihrer Familie und Ihrem Freundeskreis über Ihr Stottern und die damit einhergehenden Probleme zu reden. Isolieren Sie sich nicht, versuchen Sie offen mit ihrem Stottern umzugehen - Sie werden feststellen, dass Sie umso weniger Probleme mit Ihren Mitmenschen haben werden, je offener Sie darüber sprechen. Sprechen Sie Ihr Stottern in der jeweiligen Situation selbst an, dadurch werden überflüssige Ängste bei beiden Gesprächspartnern abgebaut und ein »normales« Umgehen miteinander möglich. Treten Sie einer Stotterer-Selbsthilfegruppe bei und besprechen Sie dort Ihre gemeinsamen Probleme, lernen Sie nette Leute kennen und überlegen Sie gemeinsam was man tun kann. Besuchen Sie die Seminare der Stotterer-Selbsthilfegruppen und suchen Sie deren Beratungsstellen auf. Beginnen Sie eine Therapie bei einem Sprachheilpädagogen, Sprachtherapeuten oder Logopäden.

Informieren sie sich über die verschiedenen Möglichkeiten, probieren Sie aus, was Ihnen zusagt und entscheiden Sie dann, was für Sie am besten ist. Nur wenn Sie es selbst in die Hand nehmen, kann sich an Ihrem Problem auch etwas ändern.

 

Wie verhalte ich mich einem Stotternden gegenüber?

Für die meisten Stotternden ist die Angst vor dem Stottern und die Angst vor den Reaktionen der Mitmenschen das Schlimmste. In einer stress- und angstfreien Umgebung können viele von ihnen jedoch flüssig sprechen. Helfen sie diesen Menschen, indem Sie versuchen, sich in deren Situation hineinzudenken und zeigen Sie Verständnis. Stottern ist nichts Schlimmes sondern nur eine andere Art zu Sprechen. Reagieren Sie deshalb so »normal« wie bei Flüssigsprechenden, wenn jemand stottert. Halten Sie z.B. den Blickkontakt aufrecht als Zeichen ihrer Aufmerksamkeit, unterbrechen Sie ihn nicht und sprechen Sie nicht für ihn weiter, warten Sie ab, bis er zuende gesprochen hat, andernfalls missachten und entmündigen Sie ihn als Gesprächspartner. Setzen Sie sich über gängige Vorurteile hinweg und qualifizieren Sie den Stotternden gedanklich nicht einzig und allein wegen seines Stotterns ab. Wer über Stotternde lacht, versucht nur über seine eigene Unsicherheit im Umgang mit ihnen hinwegzutäuschen. Lachen Sie mit den Stotternden und nicht über sie. Wenn Sie merken, dass ein Stotternder über sein Problem mit Ihnen reden möchte, hören Sie ihm geduldig zu. Zeigen Sie Verständnis, vermeiden Sie aber Mitleid.

So wie Sie selbst von anderen behandelt werden wollen, sollten Sie auch dem Stotternden Aufmerksamkeit, Respekt, Geduld und Achtung entgegenbringen.

 

Autor: Uwe Kurz

 

Informationen zum Thema
Unterstützte Kommunikation

 

Was ist Unterstützte Kommunikation?

Kommunikation als wechselseitiger Austausch mit der Umwelt ist ein Grundbedürfnis des Menschen. Insofern kann man sich die enorme Belastung für Menschen vorstellen, die aufgrund einer stark beeinträchtigten oder verlorenen Sprach- bzw. Sprechfähigkeit unter den sozialen Einschränkungen leiden müssen, wenn die verbale Kommunikation weitgehend unmöglich geworden ist. Unterstütze Kommunikation kann man in diesem Zusammenhang als »Brücke« zu den lautsprachlich kommunizierenden Mitmenschen betrachten. Das englische »AAC = augmentative and alternative communication« weist deutlicher als die deutsche Bezeichnung auf ihre Inhalte hin: UK versucht angemessene sprachergänzende oder - ersetzende Kommunikationshilfen bereitzustellen, so dass der (vorübergehend) Nichtsprechende nicht in einer kommunikativen Isolation gefangen bleibt. Dabei stammt ein Großteil von alternativen Kommunikationssystemen aus dem Bereich der Gehörlosenpädagogik. In diesem Zusammenhang soll lediglich kurz auf die Abgrenzung zur Gestützten Kommunikation (FC = facilitated communication) verwiesen werden. FC stellt lediglich ein Teilgebiet insbesondere für die Arbeit mit autistischen Menschen dar, wobei ein Stützer physische, verbale und emotionale Hilfestellung beim Deuten auf Symbole o.ä. leistet.

 

An wen richtet sich UK?

Unterstützte Kommunikation richtet sich an sämtliche Personengruppen, die in ihrer Kommunikationsfähigkeit eingeschränkt sind. Dabei besteht der Personenkreis der Nichtsprechenden zum einen in der Gruppe der Frühgeschädigten, was impliziert, dass bereits die Sprachentwicklung behindert ist, und zum anderen in der Gruppe der Spätgeschädigten, die von vorübergehendem oder bleibendem Verlust der Sprech- und/oder Sprachfähigkeit nach vollendetem Spracherwerb betroffen sind. Neben Muskelerkrankungen, ALS, Multiple Sklerose, Parkinson-Syndrom und vielen weiteren Erkrankungen ist auch die häufig in der Sprachtherapie anzutreffende Aphasie eine verbreitete Ursache.

 

Formen der UK und ihre Besonderheiten

In der Unterstützten Kommunikation wird zunächst zwischen körpereigenen (= dynamisch) und extern unterstützten Kommunikationsformen (= statisch) unterschieden. Dabei beinhalten die körpereigenen Methoden zum einen allgemein gebräuchliche, wie z.B. Gestik und Mimik und andererseits kompensierende Methoden (auf Regeln basierende Gebärden, Fingeralphabet, das so genannte Lormen etc.). Unter die extern unterstützten Kommunikationsformen fallen sowohl Hilfen ohne technischen Aufwand, sogenannte statische Symbole, wie beispielsweise konkrete Gegenstände, Fotos oder graphische Symbole (BLISS, LÖB etc.) als auch tragbare elektronische Hilfsmittel, die heute in der Regel eine digitalisierte (= natürliche) oder synthetische (künstliche) Sprachausgabe aufweisen.
    Die wesentliche Besonderheit in allen alternativen Kommunikationshilfen liegt im Vergleich zur lautsprachlichen Kommunikation in erster Linie im sehr begrenzten »Sprechtempo«. Während das lautsprachliche Sprechtempo zwischen 120-185 Wörtern in der Minute variiert, wurden bei verschiedenen unterstützt Kommunizierenden 2-26 Worte in der Minute gezählt. In diesem Zusammenhang ist die stark verzögerte Reaktions- bzw. Pausenzeit sehr lang, was insbesondere der sprechende Kommunikationspartner häufig zunächst als unangenehm empfindet.
    Es handelt sich insofern um eine sogenannte Asymmetrische Kommunikation, auch deswegen, weil der unterstützt Kommunizierende viel seltener initiieren kann und insofern einen geringeren Gesprächsanteil und weniger Einflussmöglichkeiten auf den Gesprächsverlauf nehmen kann. Er muss sich auf die für ihn wichtigsten Äußerungen beschränken und kann nicht auf alles reagieren, da viele Reaktionsmomente längst veraltet sind, bis er eine Aussage tätigen konnte. Darüber hinaus können alle Kommunikationsmedien immer nur ein begrenztes Vokabular zur Verfügung stellen, so dass in diesem Kontext häufig Missverständnisse und Verstehenskrisen aufkommen, wenn der sprechende Kommunikationspartner das begrenzte Vokabular nicht korrekt zur gewünschten Äußerung »ko-konstruiert«. Die hier lediglich angedeuteten Schwierigkeiten machen bereits deutlich, wie notwendig Geduld und Konzentration beider Kommunikationspartner sind.

 

Ziele der UK in der Sprachtherapie

Wie bereits kurz angedeutet, besteht das Hauptziel der Unterstützten Kommunikation darin, den Menschen, die nicht mehr auf die allgemein gebräuchliche Lautsprache zurückgreifen können, aus ihrer kommunikativen Not zu verhelfen. Kommunikation soll sich aufgrund der Einschränkungen nicht zu einem einzigen Frustrationserlebnis entwickeln, so dass letztlich die noch vorhandenen kommunikativen Fähigkeiten »verschüttet« werden. Demnach knüpft UK an sämtlichen Möglichkeiten (z.B. an die motorischen Fähigkeiten für Gebärden, schriftsprachliche Fähigkeiten etc.) des Betroffenen an, so dass man in diesem Zusammenhang auch von totaler Kommunikation spricht.
    Setzt man sich mit der Bedeutung von »Sprechen können« auseinander, wird deutlich, dass die Bereitstellung von vorübergehenden bzw. ständigen Kommunikationshilfen (sowohl als Hilfe zum (Wieder-) Erwerb der Lautsprache als auch als Ersatz für Lautsprache) ein wichtiges Kriterium für die Lebensqualität der Betroffenen darstellt. So beinhaltet das Sprechen u.a. die Möglichkeit, Gefühle, Bedürfnisse, Bedingungen, Gründe etc. zu nennen, so dass darüber Erfahrungen des Verstandenwerdens, der Umweltbeeinflussung, der individuellen Lebensgestaltung und der Selbstdarstellung verbunden sind.
    Im Gegensatz dazu besteht für Nichtsprechende ohne wirksame Kommunikationsmedien die Gefahr, dass die Mitmenschen zu ihnen sprechen, für sie sprechen, aber nur leider selten mit ihnen sprechen. Über die Erarbeitung einer individuellen und multimodalen Kommunikationshilfe soll somit sowohl auf der kommunikativen Ebene als auch auf der sozialen Ebene eine möglichst umfassende Autonomie des Betroffenen wieder hergestellt werden.

 

Mit freundlicher Genehmigung der Autorin: Kathrin Werner

 

Informationen zum Thema
Zahnfehlstellungen

 

Grundbegriffe

Das bleibende (permanente) Gebiss besteht aus jeweils 16 Zähnen im Ober- und Unterkiefer. Pro Kieferhälfte finden sich

Um die einzelnen Zähne genau bezeichnen zu können, wird der Kiefer in 4 Quadranten aufgeteilt und jeder Zahn mit einer Zahl versehen, so dass sich folgendes Schema ergibt (Blick des Arztes auf den Patienten!):

Nomenklatur der Zähne

Die erste Ziffer bezeichnet dabei den Quadranten, die zweite den Zahn.
Beispiel: 23 (zwei-drei) = Eckzahn oben links.

Im Milchgebiss werden die Quadranten weiter durchnummeriert, so dass der rechte Oberkiefer die Vorziffer 5, der linke Oberkiefer die Vorziffer 6, der linke Unterkiefer die Vorziffer 7 und der rechte Unterkiefer die Vorziffer 8 erhält. Im kindlichen Milchgebiss fehlen die Prämolaren, hier sind zusammen nur 20 Zähne vorhanden.

Zur räumlichen Orientierung im Gebiss werden allgemein folgende Lagebezeichnungen verwendet:

Zur weiteren räumlichen Orientierung im Schädel dienen drei senkrecht aufeinanderstehende Bezugsebenen:

Körperebenen

Da der Unterkiefer als beweglicher Schädelknochen seine Lage zum Oberkiefer verändern kann, lassen sich Positionsveränderungen im Gebiss mit Hilfe dieser Bezugsebenen beschreiben.

 

Neutralbiss

Der Neutral- oder Regelbiss (Kl. I nach Angle) ist die normale, kaufunktionell optimale Lagebeziehung des Unterkiefers zum Oberkiefer und zum Gesamtschädel. Um die Lage des Kiefers im Mund zu klassifizieren, werden seit Angle (1900) Markierungspunkte benutzt, die sogenannten »Regelbissmarken«. Diese Regelbissmarken sind Grundlage für die Diagnostik. Im Neutralbiss okkludieren (schließen, verzahnen) bei vollständigen Zahnreihen die mesiobuccalen Höcker der Zähne 16 und 26 mit den Buccalfissuren der Zähne 36 und 46 sowie die Spitzen von 13 und 23 mit den Interdentalräumen von 33/34 und 43/44.

Im folgenden soll näher auf die wichtigsten pathologischen Gebissbefunde eingegangen werden.

 

Abweichungen in der Sagittalebene

Distalbiss (Kl. II nach Angle)
Mit Distalbiss wird eine zu weit rückwärtige Lage des unteren Zahnbogens gegenüber dem oberen bezeichnet, wobei diese Störung des Zusammenbisses der Zahnreihen durch eine Rücklage des ganzen Unterkiefers bedingt ist, was außerdem eine entsprechende Beeinträchtigung der Profilgestaltung bewirkt. Allgemein wird hierbei eine weitere Unterscheidung in Mundatmer und Nasenatmer vorgenommen. Bei den Mundatmern stehen die oberen Schneidezähne nach außen geneigt und meist lückenhaft (Spitzfront), bei den Nasenatmern stehen diese nach innen geneigt und zusammengeschoben (Steilstand/Flachfront).
Des weiteren erfolgt eine Unterteilung danach, ob es sich um eine ein- oder beidseitige Anomalie handelt. Ist der Oberkiefer im Ganzen überentwickelt, wird diese Anomalie auch PROGNATHIE bezeichnet. Handelt es sich um einen normal entwickelten Oberkiefer bei unterentwickeltem Unterkiefer, nennt man diese Kieferstellung auch OPISTOGENIE. Es besteht die Gefahr der Zahnfraktur bei Sturz durch die vorstehenden Zähne, hinzu kommen Kau- und Abbeißprobleme sowie Kiefergelenksprobleme.

Mesialbiss (Kl. III nach Angle)
Beim Mesialbiss führen in Umkehrung der gerade beschriebenen Verhältnisse ein oberer Schneidezahnrückstand oder unterer Schneidezahnvorstand ebenso wie ein Vorstand des gesamten Unterkiefers gegenüber dem Oberkiefer zu einem gestörten frontalen Überbiss in Form eines Vorbisses der unteren Schneidezähne vor die oberen. Auch hier wird unterschieden, ob es sich um eine ein- oder beidseitige Anomalie handelt. Bei überentwickeltem Unterkiefer und normal großem Oberkiefer wird diese Form PROGENIE auch genannt. Ist der Oberkiefer im Bereich der Frontzähne mangelhaft entwickelt und der Unterkiefer normal groß, bezeichnet man dies auch als OPISTOGNATHIE. Infolge des ungehemmten Unterkieferwachstums treten Probleme beim Kauen und Abbeißen auf, in vielen Fällen auch Kiefergelenksprobleme.

 

Abweichung der Frontzähne in der Sagittalebene

Eine sagittale Verschiebung des Unterkiefers kann auch Auswirkungen auf die Verzahnung der Schneidezähne haben:

 

Abweichungen in der Vertikalebene

Tiefer Biss
Der tiefe Biss beruht auf einer Störung der vertikalen Beziehungen der Zahnreihen zueinander. Dabei beißen die oberen und unteren Frontzähne zu weit übereinander. Als Norm für unsere Bevölkerung ist ein vertikaler Überbiss der oberen Schneidezähne über die unteren um etwa 1-2 mm anzusehen. Bei einem extrem tiefen Biss kann ein Überbiss um ein Vielfaches dieses Ausmaßes vorhanden sein. Unter Umständen können die unteren Frontzähne sogar in das parodontale Gebiet des Gegenkiefers einbeißen, was zu Schäden des Zahnhalteapparates (Parodontalschäden) führen kann.

Offener Biss
Eine umgekehrte Störung der vertikalen Okklusionsbeziehungen stellt der offene Biss dar. Hierbei finden einzelne Zähne oder Zahngruppen beim Kieferschluss keinen Kontakt mit ihren Gegenzähnen. Meist ist der offene Biss auf den Frontzahnbereich beschränkt (frontal offener Biss), mitunter sind jedoch auch Teile des Eck- und Seitenzahnbereichs betroffen (seitlich offener Biss). Je nach Ursache dieser Abweichung von der normalen Bisslage spricht man vom

Der offene Biss ist in der Regel immer mit einer Atemführung durch den Mund gekoppelt. Schäden finden sich in Form von Störungen der Aussprache und der Abbeiß- und Kaufunktion.

 

Abweichungen in der Transversalebene

Kreuzbiss
Die Abweichung in der Transversalebene führt vom normalen Überbiss der Zähne im Seitenzahnbereich zu dem verkehrten Überbiss der Seitenzähne, dem sogenannten Kreuzbiss. Diese Gebissanomalie kann an jedem Zahn oder in jeder Zahngruppe auftreten. Hierbei ist auf einer oder beiden Kieferseiten der regelrechte Überbiss der oberen Zähne über die unteren gestört, indem die betreffenden Seitenzähne des Oberkiefers von den äußeren Höckern der entsprechenden Zähne des Unterkiefers buccal überragt werden. Stehen die Höcker der unteren und oberen Seitenzähne aufeinander, spricht man vom Kantbiss. Wachsen die oberen Zähne buccal oder lingual an den unteren vorbei, spricht man von buccaler bzw. lingualer Nonokklusion. Beim frontalen Kreuzbiss ist das Oberkieferwachstum gehemmt, es treten vermehrt Parodontalschäden auf. Beim seitlichen Kreuzbiss wächst der Unterkiefer asymetrisch, hierdurch bedingt entwickelt sich häufig eine Gesichtsasymetrie.

 

Komplexe Kiefer- und Zahnstellungsanomalien

Deckbiss
Als erbliche, vertikal-sagittal-transversale Anomalie kann der Deckbiss schon im Milchgebiss auftreten und weist als charakteristische Merkmale eine Abflachung der oberen Frontzahnreihe mit einer Rückkippung und Steilstellung, insbesondere der oberen mittleren Schneidezähne auf. Diese Fehlstellung (schon der Zahnkeime) beeinflusst die Entwicklung des gesamten Gebisses und führt zum tiefen Biss und in 70 % der Fälle zum Distalbiss. Beim Deckbiss und tiefen Biss finden sich Schäden in Form von Einbiss in Gaumenschleimhaut und Schäden des Zahnhalteapparates (Parodontalschäden).

Kieferkompressionen
Hierbei handelt es sich um einen in transversaler Richtung relativ zu schmalen Zahnbogen, der mit Zahnstellungsabweichungen einhergeht. Bei der Kieferkompression mit frontalem Engstand weisen die Frontzähne infolge Einengung des ihnen zur Verfügung stehenden Platzes innerhalb des Zahnbogens eine unregelmäßige und ineinander verschachtelte Stellung auf. Bei der frontalen Protrusion stehen die Schneidezähne vor, und es ist eine spitzbogenartige Gestaltung des normalerweise gerundeten Frontzahnbogens zu beobachten. Dabei können die Schneidezähne in dichtgedrängte Stellung angeordnet sein (engstehende Protrusion) oder eine fächerförmige Anordnung mit großen interdentalen Zwischenräumen (lückige Protrusion) aufweisen. Beim Engstand treten vermehrt Karies, bedingt durch erschwerte Reinigung, und Parodontalschäden auf.

Protrusion
Bei lückiger »Auffächerung« der Zähne nach vorn, spricht man von einer Protrusion. Sind beide Zahnreihen aufgefächert und das Zahnfleisch geschwunden, kann dies eine Folge von permanentem Druck der Zunge gegen beide Frontzahnreihen sein. Dieses Bild wird als bimaxilläre Protrusion oder bialveoläre Protrusion bezeichnet. Die Kiefer sind hierbei normal breit, die Bisslage ist neutral. Erbliche Faktoren scheinen bei dieser Anomalie eine Rolle zu spielen, wobei Einflüsse der Zungenlage und des Zungendrucks hinzukommen. Der Platzüberschuss im Lückenstand führt in der Regel zu Störungen bei der Aussprache.

Vorzeitiger Zahnverlust
Vorzeitige Verluste von permanenten oder Milchzähnen können zu transversalen, sagittalen oder auch vertikalen Stellungsanomalien führen:

 

Autor: Uwe Kurz

 

Quellen:
FRISCHAUF, Hermann, KREGCJK, Konrad (1985):
Stellungsanomalien der Zähne und Bisslageanomalien. In:
Der Sprachheilpädagoge 17 (1985)

GARLINER, Daniel (1989):
Myofunktionelle Therapie in der Praxis.
Germering

MAYRHOFER-KRAMMEL, Ursula (1989):
Okklusionsstörungen und deren kieferorthopädische Therapie. In:
Der Sprachheilpädagoge 21 (1989)

SCHOEN, Manfred; HUBER, Martin (1986):
Zahnheilkunde
Stuttgart/New York

 

Informationen zum Thema
Zungenbändchen

 

Was ist das Zungenbändchen?

Das Zungenbändchen (Frenulum linguale) ist eine mit Schleimhaut überzogene muskuläre Falte, die die untere Zungenfläche mit dem Mundboden verbindet. Das Bändchen verläuft von der Unterseite der Zungenspitze nach hinten zum Mundboden. Allgemein unterscheidet man zwischen einem hoch, normal und tief ansetzenden sowie einem kurzen, normalen und langen Zungenbändchen.

 

Wann ist ein Zungenbändchen zu kurz?

Bei etwa fünf Prozent aller Neugeborenen wird ein ein zu kurzes Zungenbändchen beobachtet. Bei extremer Verkürzung lässt es daher die Zunge vorne eingekerbt bzw. zweigeteilt erscheinen, insbesondere, wenn diese heraus gestreckt wird (Ankyloglossie). Die Ankyloglossie ist eine angeborene Verwachsung der Zunge mit dem Mundhöhlenboden. Dabei ist das Zungenband weit zur Zungenspitze hin fixiert. In selteneren Fällen kann eine Ankyloglossie auch durch Vernarbung nach Verletzungen auftreten.

 

Welche Auswirkungen hat ein verkürztes Zungenbändchen?

Im allgemeinen bestehen bei einem Säugling mit kurzem Zungenbändchen während des Saugens, Trinkens und Schluckens selten Schwierigkeiten.
Lediglich bei sehr kurzen Bändchen (Ankyloglossie) ist eine eingeschränkte Zungenbeweglichkeit zu beobachten. Hierdurch kann das Stillen fast unmöglich werden, so dass selbst eine erfahrene Stillberaterin hier keine Abhilfe schaffen kann. Die Bewegungsmuster der Zunge lassen sich unschädlich mit Hilfe von Ultraschall auf abweichende Bewegungen hin untersuchen.
    Auf die Sprachentwicklung selbst hat ein verkürztes Zungenbändchen keine negative Auswirkungen. In einigen Fällen kommt es zur Behinderung bei der Bildung von Lauten, welche mit Hilfe der Zungenspitze entstehen (d, t, l, n, s), da die Zunge nicht weit genug an die korrekten Artikulationsstellen reicht. Die betroffenen Laute werden dann mit der Zungenmitte am Gaumen gebildet anstatt mit der Zungenspitze hinter den oberen Schneidezähnen.
    Fernerhin können aufgrund eines verkürzten Zungenbändchens Veränderungen des Zahnbogens, Zahnfehlstellungen (vor allem der Schneidezähne), Schwierigkeiten beim Anpassen von Zahnprothesen oder kieferorthopädischen Apparaten auftreten, so dass ein verkürztes Zungenbändchen operativ gelöst werden muss. Eine weitere Folgeerscheinung können myofunktionelle Störungen sein, wenn die Zunge beim Schluckvorgang nicht den korrekten Bewegungsmustern folgen kann oder in der Zungenruhelage auf dem Mundboden liegt, was wiederum zu Mundatmung mit erhöhter Infektanfälligkeit führt.

 

Was kann getan werden?

Da ein stark verkürztes Zungenbändchen zu Stillproblemen, starken Artikulationsstörungen (Dyslalien) beim Sprechen oder myofunktionellen Störungen führen kann, ist es in einigen Fällen sinnvoll, die Verwachsung so früh wie möglich, spätestens jedoch etwa im 5. Lebensjahr durch einen kleinen und einfachen chirurgischen Eingriff zu lösen. Die Beseitigung erfolgt chirurgisch entweder durch eine einfache Durchtrennung (Frenotomie) oder heute häufiger mittels einer so genannten Frenuloplastik (VY-Verschiebung oder Z-Plastik). Dieser Eingriff wird zumeist von einem Facharzt für Mund-Kiefer-Gesichtschirurgie/Oralchirurgie oder von einem Facharzt für HNO-Heilkunde in der Regel ambulant, jedoch unter Narkose durchgeführt und dauert ca. 20-25 Minuten. Dabei wird, um das Zungenbändchen zu verlängern, dieses Z-förmig oder VY-förmig durchtrennt und wieder vernäht. Die zu frühe Durchtrennung ohne Narkose, kann zu Blutungen oder ungünstigen Vernarbungen führen.

 

Gibt es noch andere Aspekte zu beachten?

Beim heute so beliebten Zungen-Piercing kann das Zungenbändchen beim Herausziehen der Zunge verletzt werden, wenn dieses zu kurz ist. Des weiteren kann sich die Piercing-Wunde in der Zungenmitte entzünden und eitern. Der fortschreitende Vereiterungsprozess kann schnell bis ins Gewebe des Zungenbändchens und des Mundbodens vordringen, so dass im schlimmsten Fall eine Teilamputation notwendig werden kann.

 

Autor: Uwe Kurz

 

 

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