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Zungenbändchen

Was ist das Zungenbändchen?

Das Zungenbändchen (Frenulum linguale) ist eine mit Schleimhaut überzogene muskuläre Falte, die die untere Zungenfläche mit dem Mundboden verbindet. Das Bändchen verläuft von der Unterseite der Zungenspitze nach hinten zum Mundboden.
    Allgemein unterscheidet man zwischen einem hoch, normal und tief ansetzenden sowie einem kurzen, normalen und langen Zungenbändchen.

 

Wann ist ein Zungenbändchen zu kurz?

Bei etwa fünf Prozent aller Neugeborenen wird ein ein zu kurzes Zungenbändchen beobachtet. Bei extremer Verkürzung lässt es daher die Zunge vorne eingekerbt bzw. zweigeteilt erscheinen, insbesondere, wenn diese heraus gestreckt wird (Ankyloglossie). Die Ankyloglossie ist eine angeborene Verwachsung der Zunge mit dem Mundhöhlenboden. Dabei ist das Zungenband weit zur Zungenspitze hin fixiert. In selteneren Fällen kann eine Ankyloglossie auch durch Vernarbung nach Verletzungen auftreten.

 

Welche Auswirkungen hat ein verkürztes Zungenbändchen?

Im allgemeinen bestehen bei einem Säugling mit kurzem Zungenbändchen während des Saugens, Trinkens und Schluckens selten Schwierigkeiten.
    Lediglich bei sehr kurzen Bändchen (Ankyloglossie) ist eine eingeschränkte Zungenbeweglichkeit zu beobachten. Hierdurch kann das Stillen fast unmöglich werden, so dass selbst eine erfahrene Stillberaterin hier keine Abhilfe schaffen kann. Die Bewegungsmuster der Zunge lassen sich unschädlich mit Hilfe von Ultraschall auf abweichende Bewegungen hin untersuchen.
    Auf die Sprachentwicklung selbst hat ein verkürztes Zungenbändchen keine negative Auswirkungen. In einigen Fällen kommt es zur Behinderung bei der Bildung von Lauten, welche mit Hilfe der Zungenspitze entstehen (d, t, l, n, s), da die Zunge nicht weit genug an die korrekten Artikulationsstellen reicht. Die betroffenen Laute werden dann mit der Zungenmitte am Gaumen gebildet anstatt mit der Zungenspitze hinter den oberen Schneidezähnen.
    Fernerhin können aufgrund eines verkürzten Zungenbändchens Veränderungen des Zahnbogens, Zahnfehlstellungen (vor allem der Schneidezähne), Schwierigkeiten beim Anpassen von Zahnprothesen oder kieferorthopädischen Apparaten auftreten, so dass ein verkürztes Zungenbändchen operativ gelöst werden muss.
    Eine weitere Folgeerscheinung können myofunktionelle Störungen sein, wenn die Zunge beim Schluckvorgang nicht den korrekten Bewegungsmustern folgen kann oder in der Zungenruhelage auf dem Mundboden liegt, was wiederum zu Mundatmung mit erhöhter Infektanfälligkeit führt.

 

Was kann getan werden?

Da ein stark verkürztes Zungenbändchen zu Stillproblemen, starken Artikulationsstörungen (Dyslalien) beim Sprechen oder myofunktionellen Störungen führen kann, ist es in einigen Fällen sinnvoll, die Verwachsung so früh wie möglich, spätestens jedoch etwa im 5. Lebensjahr durch einen kleinen und einfachen chirurgischen Eingriff zu lösen.
    Die Beseitigung erfolgt chirurgisch entweder durch eine einfache Durchtrennung (Frenotomie) oder heute häufiger mittels einer so genannten Frenuloplastik (VY-Verschiebung oder Z-Plastik).
    Dieser Eingriff wird zumeist von einem Facharzt für Mund-Kiefer-Gesichtschirurgie/Oralchirurgie oder von einem Facharzt für HNO-Heilkunde in der Regel ambulant, jedoch unter Narkose durchgeführt und dauert ca. 20-25 Minuten. Dabei wird, um das Zungenbändchen zu verlängern, dieses Z-förmig oder VY-förmig durchtrennt und wieder vernäht.
    Die zu frühe Durchtrennung ohne Narkose, kann zu Blutungen oder ungünstigen Vernarbungen führen.

 

Gibt es noch andere Aspekte zu beachten?

Beim heute so beliebten Zungen-Piercing kann das Zungenbändchen beim Herausziehen der Zunge verletzt werden, wenn dieses zu kurz ist. Des weiteren kann sich die Piercing-Wunde in der Zungenmitte entzünden und eitern. Der fortschreitende Vereiterungsprozess kann schnell bis ins Gewebe des Zungenbändchens und des Mundbodens vordringen, so dass im schlimmsten Fall eine Teilamputation notwendig werden kann.

 

Autor: Uwe Kurz

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