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»Die spielen ja nur!«

Ein paar Gedanken
zu unserer Arbeit als Akademische Sprachtherapeuten/innen und Logopäden/innen

Auf den ersten Blick erscheint unsere Arbeit vielen wie jene Tätigkeiten, die Sie bereits aus der Kinderbetreuung durch Erzieherinnen kennen. Da wird gebastelt, gelacht - und eben gespielt. Gut, nebenher achten wir als Fachleute für Sprache und Aussprache natürlich auch auf die sch-, k- und s-Laute unserer Schützlinge oder berichtigen Sätze wie »Ich da hindefallt.«

Aber haaaalt! Nicht so schnell.
All unsere Aktionen haben nur ein Ziel, nämlich die Sprach- und Sprechfähigkeit ihres Kindes, und damit seine Kommunikation insgesamt zu verbessern. Dies kann aber nur gelingen, wenn wir die Aufmerksamkeit des Kindes, sein Interesse und seine Sympathie haben. Dazu ist es notwendig, dass wir uns als Erwachsene auf die Ebene der Kinder begeben. Diese besteht im Allgemeinen nicht aus Diskussionen, sturem Nachsprechen oder Auswendiglernerei. Die Erlebniswelt des Kindes besteht aus dem Spiel, welches sich, je nach Alter unterschiedlich ausdrückt.
    Im Spiel weiß sich das Kind in einer natürlichen Situation, die es bereits kennt, in der es sicher ist und auch bereit ist, Neues kennen zu lernen. Eine pure Drill-Situation verunsichert es, macht ihm Angst und blockiert es. Unter solchen Bedingungen ist sicher kein Kind offen für Hinweise zur korrekten Aussprache oder Erklärungen, wie Sätze in der richtigen Reihenfolge gebaut werden. Klar!
    Daher betten wir Akademischen Sprachtherapeuten/innen und Logopäden/innen, unabhängig davon, ob wir uns gerade um die Mundmotorik, die Artikulation oder die grammatikalischen Fehlbildungen kümmern wollen, die uns zur Verfügung stehenden wissenschaftlichen Erkenntnisse, Ansätze und Methoden meist in den Rahmen eines Rollen- oder Regelspiels, in welchem sich das Kind nicht in erster Linie um die Lernsituation kümmert, sondern sich zunächst einmal für die Inhalte der Therapie öffnet. Diese werden dann fast automatisch zur Kenntnis genommen, in die eigene Sprache übernommen und schließlich von alleine aufgenommen, so dass sich Erfolge zeigen, die auch von Nachbarn, Erziehern und Freunden gesehen werden.
    Als konkrete Beispiele beschreiben wir Ihnen kurz ein Rollen- und ein Regelspiel, welche mit dem Ziel gemacht werden, eine bestimmte Sprach- oder Sprechstörung zu beseitigen.

Konkretes Beispiel: kleinere Kinder
Für kleinere Kinder, die sich noch nicht auf die einzuhaltenden Regeln eines Brettspiels einlassen können, wählen wir häufig so genannte Rollenspiele, um auf diese Weise die natürliche Erfahrungswelt des Kindes zu berücksichtigen.
    Mit Hilfe von Hand- oder Stabpuppen können beispielsweise reale oder märchenhafte Situationen dargestellt, weiterentwickelt und Lösungen erprobt werden. Dabei gilt unser Augenmerk stets den sprachlichen Auffälligkeiten des Kindes.
    So kann es in einer Therapiesitzung vorkommen, dass ein böser Zauberer in die heile Welt eines Schlosses eindringt, um dort die kleine Prinzessin zu entführen. Er hext sich einen gefährlichen Drachen, der gewaltig Zischen oder Fauchen kann, um die Wachen des Schlosses auch tüchtig zu erschrecken. Schließlich nimmt sich der Zauberer die Prinzessin und fliegt eilig und mit lautem Knall bzw. lautem Zischen des schnellen Besens davon. 
    Der Zauberer kann zum Beispiel im Fall einer fehlerhaften S-Bildung des Kindes (»Lispeln«) einen Drachen Feuer spucken und in dem Zusammenhang zischen lassen. Bei einem Kind, welches den Laut »k« oder »CH« noch erlernen soll, könnte der Drache auch fauchen: »CHCHCHCHCH!!!!!«. Im weiteren Spielverlauf wird der jeweilige Problemlaut aufgenommen, was Kinder häufig auch unbewusst von selbst tun. Das Kind wird in seiner Aufmerksamkeit geschult und lernt mit unserer Hilfe sein eigenes Sprechen und dann auch seine sprachlichen Schwächen bewusster zu beobachten und zu korrigieren. Die Herausforderung für uns liegt dabei in der Beurteilung der Interessenlage des Kindes, denn schließlich findet nicht jedes Kind »Prinzessinnen klauen« oder fauchende Drachen »cool« und akzeptabel.

Konkretes Beispiel: ältere Kinder
Kinder, die schon etwas älter sind, spielen lieber Gesellschaftsspiele und geben sich nicht mehr mit »Babykram« ab. Hier nutzen wir beispielsweise das beliebte »Aquarium« - Spiel, in dessen Verlauf wir, je nach Stand der Therapie, verschiedene »Übungen«, die das Kind oft überhaupt nicht als solche erkennt, einbauen.
    Soll zum Beispiel ein Laut zunächst noch isoliert geübt werden, bietet es sich an, die Angel dabei ein bestimmtes Geräusch machen zu lassen, welches selbstverständlich sinnerfüllt sein muss und vor Spielbeginn besprochen wurde. So kann aus der einfachen Angel auch schon mal eine »Motor-Turbo-Angel« mit dem entsprechenden Geräusch werden. Ist die Therapie schon fortgeschritten, wird der Angelvorgang mit entsprechenden Worten oder Sätzen begleitet, in welchen der betreffende Laut vorkommt.
    Das Spiel ist also in jedem Falle, egal ob für jüngere oder für ältere Kinder, stets ein Zugang zum Lernprozess.

Sollten Sie noch Fragen haben, wenden Sie sich bitte an uns, denn auch wir sind froh und dankbar, wenn Eltern und Fachleute an einem Strang ziehen - zum Wohl der Kinder.

Autorin: Vera Lüttgen


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