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Aussprachestörungen (Dyslalien)Im allgemeinen kann man bei Kindern zwei Fehlerquellen für
Aussprachestörungen (Artikulationsstörungen, Dyslalie, Stammeln) unterscheiden, die jedoch nicht immer eindeutig voneinander
getrennt wirken. Zum einen kann ein Laut (oder auch mehrere Laute)
überhaupt nicht oder nicht richtig gebildet werden (phonetische Störung), zum anderen kommt es vor,
dass Kinder die Regeln noch nicht kennen, die sie brauchen, um einen Laut
richtig einzusetzen (phonologische Störung). Dabei sind verschiedene Fehlerarten zu beobachten:
Stellenweise werden auch ganze Silben ausgelassen (»pete« statt »Trompete«), vertauscht (»digirieren« statt »dirigieren«), verschmolzen (»Flugschrauber«) oder angeglichen (»Stankstelle«). Die Sprache des Kindes wird umso unverständlicher, je mehr Laute von einer Aussprachestörung betroffen sind, jedoch kann bereits ein einzelner betroffener Laut zu schweren Missverständnissen führen, wenn dadurch Bedeutungsunterschiede nicht kenntlich gemacht werden können wie z.B. bei Keller - Teller oder Kopf - Topf. Mit etwa 18 Monaten beginnt bei einem Kind der Erwerb des phonologischen Systems. Dabei führt die zunehmende Übernahme der Lautsystematik und -regularisierung zu einer Veränderung der Aussprache und zur Produktion neuer Wörter, die ihrerseits wiederum zur weiteren Regelbildung der Aussprache beitragen. Im Zuge dieser Reifung kommt es im Spracherwerbsvorgang zwangsläufig zu Vereinfachungen neuer Wörter, so dass regelhafte und systematische Abweichungen (phonolgische Prozesse) beobachtet werden können. Einige Beispiele für die mehr als 40 phonologischen Prozesse:
Zu beachten ist, dass innerhalb eines Wortes oder Wortsegmentes durchaus auch mehrere phonologische Prozesse wirksam sein können: Wenn aus dem »Drachen« ein »Datten« wird, ist sowohl
Auch eine Assimilation (»ch« Über einen Zeitraum von mehreren Jahren werden diese Prozesse schrittweise überwunden, die Aussprache verfeinert sich und wird zunehmendem Maße präziser und konstanter, das Lautinventar wird vervollständigt, das Kind gewinnt zunehmende Sicherheit auch bei der Realisierung komplexer
Lautverbindungen, Wörter und Sätze. Zur Bezeichnung der rein lautlichen bzw. phonetischen Fehlbildungen wird der griechische Buchstabe mit einem angehängten »-tismus« oder »-zismus« verwendet:
Zur weiteren Identifikation wird häufig die Art der Fehlbildung näher bezeichnet. Beispielsweise »Sigmatismus interdentalis«, wenn die Fehlbildung interdental (lat. zwischen den Zähnen) oder »Sigmatismus lateralis«, wenn die Zunge den
Luftstrom lateral (lat. seitlich, zur Seite) anstatt gerade leitet.
Im Rahmen der normalen Sprachentwicklung treten bei nahezu jeden Kind entwicklungsbedingte Artikulationsfehler auf. Ist die Sprachentwicklung ansonsten hinsichtlich Wortschatz und Grammatik altersgemäß, besteht außer einer häuslichen Sprachförderung kein Handlungsbedarf. Halten sich die Fehler hartnäckig bis nach dem 4. Lebensjahr, ist eine logopädische Beratung und/oder Behandlung angezeigt. Autor: Uwe Kurz Quellenmaterial
Informationsbroschüren der Deutschen Gesellschaft für Sprachheilpädagogik zurück zur Normalansicht der Seite Dyslalie |