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Informationen für Patienten mit Aphasie
und deren Angehörige

 

APHASIE – Was ist das?

»Aphasie« bedeutet wörtlich übersetzt »Sprachverlust«. Das ist jedoch nicht ganz richtig. Eine Aphasie entsteht durch Verletzungen bestimmter Bereiche des Gehirns und drückt sich in mehr oder weniger schweren Beeinträchtigungen der sprachlichen Fähigkeiten aus. Unsere Sprache umfasst vier Leistungsbereiche:

  • Verstehen
  • Sprechen
  • Lesen
  • Schreiben

Bei einer Aphasie sind in der Regel alle diese Bereiche negativ betroffen, aber fast nie kommt es zu einem völligen Verlust der Sprache. Meistens berichten Aphasiker, dass die Sprache zwar noch im Kopf gespeichert ist, aber nicht mehr gezielt zur Verfügung steht.
    Der Begriff »Sprachverlust« ist auch deshalb etwas irreführend, weil es die Aphasie als einheitliche Sprachstörung nicht gibt. Aphasien sind sehr komplexe neuropsychologische Störungen. Jede Aphasie hat eine ganz spezielle Ausprägung, so wie ja auch jeder Patient mit seiner persönlichen Geschichte nur bedingt mit anderen Patienten verglichen werden kann. Trotzdem gibt es einige Gemeinsamkeiten, die eine oberflächliche Einteilung der Aphasien gestatten. Hier sei nur die grobe Einteilung in sogenannte »flüssige« und »unflüssige« Aphasien erwähnt. Diese Einteilung spiegelt unterschiedliche Leistungsniveaus beim spontanen Sprechen wider.


Wie entsteht eine Aphasie?

Eine Aphasie entsteht in der überwiegenden Zahl der Fälle durch einen Schlaganfall. Dabei werden durch Gefäßverschlüsse oder raumfordernde Blutungen bestimmte Hirnbereiche nicht mehr ausreichend mit Blut und Sauerstoff versorgt. Das Ergebnis ist eine Zerstörung von Gehirngewebe. Auch Unfälle und Tumorerkrankungen können zu Hirnschäden führen.

Jede Hirnschädigung führt zu besonderen Funktionsausfällen. Diese hängen ihrerseits von Ort und Ausmaß der Schädigung sowie von Zustand und Persönlichkeit des Patienten vor der Krankheit ab. Da die für die Sprachverarbeitung zuständigen Bereiche zu einem hohen Prozentsatz in der linken Gehirnhälfte liegen, führen Schädigungen der linken Hirnhälfte mit einer größeren Wahrscheinlichkeit zu Sprachstörungen als Verletzungen der rechten Hirnhälfte.


Die Symptome der Aphasie

Die Symptome einer Aphasie erstrecken sich meistens auf alle vier Leistungsbereiche der Sprache. Dementsprechend kann es zu folgenden Defiziten kommen:

  • Wortfindungsstörungen
  • Abweichungen in der Lautstruktur der Wörter
    (von einfachem sich versprechen bis hin zu
    Wortneuschöpfungen/Wortsalat)
  • Störungen der Fähigkeit, Sätze zu bauen 
    (bis hin zu Einwortäußerungen oder Telegrammstil)
  • Störungen des Sprachverständnisses
  • Störungen des Lesesinnverständnisses
  • Störungen des Schreibens
  • Störungen des Nachsprechens und des Sprachgedächtnisses
  • Störungen der Kommunikation
    (Konzentrationsschwächen, falsches Redeverhalten)

Wichtig:
Von den oben genannten Störungen ist das Denkvermögen des Patienten nicht betroffen. Daher wäre es falsch, Aphasiker als geistig behinderte Menschen zu betrachten!


Die Therapie von Aphasien

Durch gezielte sprachtherapeutische Behandlung können wesentliche Verbesserungen der aphasischen Defizite erzielt werden. Dabei hängt der Erfolg von folgenden Faktoren ab:

Frühestmöglicher Therapiebeginn.
Optimal ist eine therapeutische Versorgung, die schon im Akutkrankenhaus einsetzt.
Möglichst umfassende sprachliche Stimulierung.
Gespräche, soziale Kontakte und der Umgang mit modernen Kommunikationsmedien wie Videos, Computer etc. führen zu einer breiten sprachlichen Beanspruchung der Patienten. Nur so können die beeinträchtigten sprachlichen Fähigkeiten wieder angeregt werden.
Lückenlose Kontinuität bei der Rehabilitation.
Schon während des Aufenthaltes im Akutkrankenhaus sind weiterführende Aufenthalte in einer Reha-Klinik zu organisieren. Zugleich sollte eine ambulante Therapie bei einem niedergelassenen Sprachtherapeuten angestrebt werden. Wegen möglicher Wartezeiten bei vielen Praxen sollte die Anmeldung früh genug erfolgen.
Wartezeiten sind keine Pausenzeiten!
Sorgen Sie auch jetzt für eine Vielzahl sprachlicher Reize.


Der Umgang mit Aphasikern

Mindestens ebenso wichtig wie die reibungslose Organisation der Therapie sind Faktoren wie Zufriedenheit, Wohlbefinden, Verständnis, Motivation und zwischenmenschliche Geborgenheit. Gestörte Sprachfunktionen können zu gravierenden sozialen Einschnitten führen. Aphasische Patienten müssen aus ihrer sozialen Isolation herausgeführt werden, denn auch sprachbehinderte Menschen können kommunizieren und ein erfülltes Sozialleben führen.
Daher muss auf eines besonders großen Wert gelegt werden:

Informieren Sie das soziale Umfeld des Patienten über Art und Umfang der Aphasie!
Angehörige, Freunde und Kollegen sollten über das Wesen der Behinderung Aphasie aufgeklärt werden! Nur so kann um Verständnis für die besondere Situation des Patienten geworben werden.
Die Kommunikation mit Aphasikern ist sicherlich erschwert, aber nicht unmöglich. Sie kann durch Berücksichtigung verschiedener Regeln optimiert werden. Einige Kriterien für die Kommunikation mit Aphasikern sind:

  • Geduld bewahren! Zuhören bedeutet: Warten!
  • Den Wortlaut der eigenen Äußerung variieren!
  • Auf den Inhalt achten, die sprachliche Form überhören!
  • Sich in die aphasische Sprache einhören

Wichtig: Die Angehörigen und Freunde sind nicht für die Sprachtherapie zuständig, sondern für die Lebensqualität, eine befriedigende Gestaltung des Alltags und den liebevollen, mitverantwortlichen Umgang mit dem Aphasiker.

 

Dieser Text wurde mit freundlicher Genehmigung von ProLog aus »Leben mit Aphasie - Informations- und Beratungsbroschüre für Patienten und Angehörige« entnommen. Weitere Informationen und Produkte zur Sprachtherapie erhalten Sie bei

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